Mainz gegen Dortmund fasziniert die Massen

Subotic (r.) spielt gegen seinen alten Verein.
Subotic (r.) spielt gegen seinen alten Verein.

Dortmund.. Die Navigationsgeräte der Medien-Karawane waren vor der Saison auf München eingestellt, auf Gelsenkirchen, Bremen und auch auf Hamburg und Wolfsburg - aber nicht auf Mainz. Doch es ist ihnen nicht schwer gefallen, einen neuen Mittelpunkt des nationalen Fußball-Geschehens zu orten. Und weil jetzt die Partie zwischen Mainz und Dortmund zum ultimativen Gipfeltreffen avanciert ist, rückt in Heeresstärke ein Reporter-Tross aus dem In- und Ausland an. In 185 Ländern wird der Bundesliga-Streifen gezeigt, sogar ein afrikanischer Fernsehsender (SuperSport) ist angereist.

Die Vermarktungsmaschinerie läuft wie geschmiert, was prima ist für die Bundesliga, die Vereine und die Spieler, denn alle verdienen daran. Als Gegenleistung hat der Spitzenfußball bisher eine bunte Saison produziert, die den Medien anständige Auflagenzahlen und Einschaltquoten bringt. Doch wird das sogenannte Schlagerspiel auch servieren, was das gewaltige öffentliche Aufsehen verspricht? Hier ein paar Häppchen vor dem Hauptgericht, natürlich aus westfälischer Perspektive:

Schlechtes Omen: Nichts ist überflüssiger als die Statistik, aber manchmal ist sie schwer auszudribbeln. Diese Erfahrung hat der BVB gerade in Offenbach gemacht. Nie hat er dort gewinnen können - und so ist es auch geblieben. Der Leser ahnt, was kommt: Auch Mainz gehört zu jenen seltenen Gebieten, die noch nie von einer Dortmunder Mannschaft erobert werden konnten. Vier Spiele, kein Sieg. Aber ein Unentschieden wäre ja auch nicht völlig verkehrt. Und das gab’s dort immerhin schon zwei Mal.

Gutes Omen: Auch Mainz verlor im Pokal - und wurde dort von einem Dortmunder besiegt. Peter Hyballa, Trainer von Alemannia Aachen, betreute früher die A-Jugend des BVB. Bevor er im Sommer nach Aachen kam, bewarb er sich als Trainer der zweiten Mannschaft von Mainz - und wurde abgelehnt.

Reizfigur: Michael Weiner ist der Schiedsrichter in Mainz. Das ist gut und schlecht für den BVB. Gut ist, dass Schwarz-Gelb nur eine von 13 Partien verlor, die Weiner leitete. Schlecht ist die Erinnerung an den 9. November 2002: Damals artete das Spitzenspiel der Dortmunder bei Bayern München zu einer üblen Treterei aus, Torsten Frings und Jens Lehmann wurden vom Platz gestellt - von Weiner. Der BVB unterlag 1:2. Drei Jahre lang gingen sich Klub und Unparteiischer danach aus dem Weg. Was außerdem schlecht ist: Weiner ist nicht gut in Form. Im Pokalspiel in München erkannte er ein reguläres Kopfballtor von Sebastian Prödl für Werder Bremen nicht an.

Tendenzen: Der BVB hat ein Problem mit dem Toreschießen. 1:1 gegen Paris, 1:1 gegen Hoffenheim, 0:0 in Offenbach und dort noch zwei Elfer verschossen. Die Folge: drei Spiele ohne Sieg. Ist tatsächlich die hohe Beanspruchung der Grund für die Schlampigkeit im Abschluss, wie viele Beobachter meinen? Merkwürdig ist, dass die schwarze Serie nach einer zweiwöchigen Länderspiel-Pause einsetzte, nach der es nur in Köln einen Sieg gab.

Berührungspunkte: Trainer Jürgen Klopp, seine Assistenten Zeljko Buvac und Peter Krawietz sowie die Spieler Neven Subotic, Mohamed Zidan, Markus Feulner und Antonio da Silva haben eine Mainzer Vergangenheit. Zidan ist nach seinem Kreuzbandriss ins Training zurückgekehrt und macht einen guten Eindruck. In Mainz kann er aber noch nicht eingesetzt werden.

Sprüche: „Der Klopp macht immer die anderen zu Favoriten“, sagte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel. Damit konfrontiert, verging Klopp gestern das Lachen: „Das ist Quatsch. Das habe ich noch nie gemacht“, sagte er. Und tat seine Einschätzung für’s große Duell kund: „Mainz ist Favorit. Die sind Tabellenführer und spielen zu Hause.“