Klopps Medienschelte ist nur ein billiges BVB-Ablenkungsmanöver

Klopp gestikulierte gegen Hoffenheim.
Klopp gestikulierte gegen Hoffenheim.
Foto: Getty-Images
Was wir bereits wissen
Jahrelang überwiegend verhätschelt, fühlt sich BVB-Trainer Jürgen Klopp zunehmend schlecht behandelt von den Medien. Kritiker deshalb in den Dreck zu ziehen, mag bei vielen Fans ankommen - ist aber nur ein billiges Ablenkungsmanöver. Ein Kommentar.

Dortmund.. Vor Beginn dieser Saison hat Borussia Dortmund, Meister 2011 und Doublegewinner 2012, ein vermeintlich bescheidenes Ziel formuliert: „25 Punkte Rückstand auf Bayern darf es nicht noch mal geben.“ Die gute Nachricht für die BVB-Fans: Nach 16 Spieltagen ist noch alles drin. Die schlechte: Rechnet man den aktuellen Abstand von 12 Zählern auf 34 Spieltage hoch, wird die Vorgabe knapp verfehlt. Eine Vorstellung, über die vor Wochen in Dortmund nur müde gelächelt worden wäre. Mittlerweile jedoch stützt der Trend dieses Szenario.

Abstand zum FCB vergrößerte sich rasant

In Zahlen: Bis zum 7. Spieltag lag der BVB vor den punktgleichen Bayern an der Spitze, bis zur 11. Runde saß er den Münchnern mit nur einem Zähler Rückstand im Nacken. Was danach passierte, ist nicht allein mit der außergewöhnlichen Verletzungsmisere zu erklären: Innerhalb von fünf Spielen ließ die Klopp-Elf den Abstand zum Tabellenführer um sage und schreibe elf Punkte anwachsen. Mehr noch: Der BVB hat nicht nur den zweiten Platz an Leverkusen verloren – selbst im Kampf um Platz drei steht ihm mit Borussia Mönchengladbach ein nicht mehr zu unterschätzender Konkurrent „auf den Füßen“ (Jürgen Klopp), und die spielerisch wie taktisch limitierten Schalker haben auch nur noch fünf Punkte weniger.

Eine Ausgangslage, mit der in Dortmund niemand gerechnet hatte. Schon gar nicht der berufsmäßige Optimist Klopp, der die Sündenböcke gerne bei den Schiedsrichter-Gespannen, zunehmend aber bei den Medien sucht. Bezeichnend, dass der genervte Coach vor dem Spiel in Hoffenheim angekündigt hatte: „Wir versuchen, gegen mögliche Drecksschlagzeilen zu spielen.“ Passend dazu kanzelte er später einen Reporter, der einen Schubser von Marco Reus gegen Schiri-Assistent Mark Bosch – zugegeben: unnötig – thematisieren wollte, mit den Worten ab: „So viel Fußball war hier drin, und dann macht ihr so eine Geschichte. Ist das ein Drecksleben, das tut mir echt leid.“

Lorbeerkränze und Weihrauch werden gnädig akzeptiert

Wir verstehen. Lorbeerkränze und Weihrauch werden gnädig akzeptiert. Hofberichterstatter sind ausdrücklich willkommen. Schießt aber einmal ein Journalist in die andere Richtung übers Ziel hinaus (was vorkommt), wird die ganze Branche pauschal in den Dreck gezogen. Kann man sich damit doch des Beifalls seiner Claqueure sicher sein.

Keine Frage, Jürgen Klopp hat für das, was er in Dortmund, aber auch schon in Mainz geleistet hat, jede Anerkennung verdient, die selbst immer wiederkehrende Kontrollverluste nicht schmälern können. Aber schon auf dem Höhepunkt der „Kloppomania“ gab es besonnene Stimmen, die erst einmal abwarten wollten, wie der Trainer bei den ersten Anzeichen von Gegenwind reagieren würde. Sie sind gerade dabei, ihn besser kennenzulernen.