Klopp und die Chance, sich in der BVB-Krise zu hinterfragen

Welche Schlüsse wird Klopp aus der Krise ziehen?
Welche Schlüsse wird Klopp aus der Krise ziehen?
Foto: Getty-Images
Was wir bereits wissen
Jürgen Klopp wirkt angeschlagen wie noch nie. Aber die BVB-Vereinsführung rückt keinen Zentimeter von ihm ab. Dieser Rückhalt bietet dem jahrelangen Medien-Liebling die Chance, nicht nur seine aktuelle Arbeit, sondern auch sein Verhalten zu hinterfragen. Ein Kommentar

Dortmund.. Irgendwann trifft es auch den Stärksten. Und dann umso härter, weil er nicht darauf vorbereitet ist. Eine Erfahrung, die gerade Jürgen Klopp macht, auch wenn es nicht um wirkliche Schicksalsschläge geht, sondern „nur“ um Fußball. Aber: Fußball, diese Binse sei erlaubt, ist Klopps Leben, in dem es bis vor kurzem wie in einer Einbahnstraße nur in eine Richtung ging. Doch jetzt packt den Erfolgstrainer offenbar die Angst, eine Sackgasse erwischt zu haben. Abzulesen an seinen Worten und – mehr noch – an seiner Körpersprache nach der jüngsten 0:2-Pleite in Frankfurt.

Vielleicht nicht gerade wie ein erloschener Vulkan, so ließ der 47-Jährige doch erstmals jenes Feuer vermissen, das noch nach jedem Rückschlag in ihm gelodert hatte. Nicht dass Klopp endgültig entzaubert wirkte. Hinter seinem früheren Verhalten stand ja keine Kraftmeierei. Der Mann wirkte, wenn er vor Power strotzend vorneweg marschierte, absolut authentisch. Gerade deshalb war ja seine Reaktion in Frankfurt so bemerkenswert.

Wendepunkt der Karriere

Womöglich begriff der langjährige Liebling der Medien in diesem Moment, dass er an einem Wendepunkt seiner Karriere steht, für deren enorme Fallhöhe er selbst gesorgt hat. Durch die mitreißende Art, wie er Fußball spielen ließ, aber auch durch seine Sprachgewalt und seinen Wortwitz, die seine (mindestens) grenzwertigen „Ausbrüche“ bei Wortgefechten mit Schiedsrichtern verzeihlich erschienen ließen.

Stellungnahme Wie immer, wenn der gewöhnlich jede Kritik im Keim erstickende Erfolg ausbleibt, will eine wachsende Zahl an Journalisten beobachtet haben, dass Klopp während des anhaltenden Höhenfluges abgehoben hat. Und in der Folge beim Umgang mit auch nur leiser Kritik schon mal einfache Anstandsregeln missachtet. Der Beihilfe schuldig gemacht hat sich dabei ein Umfeld (inklusive der Medien!), das sich – Messdienern gleich – ausschließlich für Beweihräucherung zuständig hielt.

Lehrt die Krise ihn Demut?

Es handelt sich dabei um einen schleichenden Prozess, den der Betroffene nicht wahrzunehmen pflegt, beziehungsweise nicht wahrhaben will. Platz 18 in der Liga zwingt Klopp aber dazu, sich zu stellen: der brutalen sportlichen Lage wie seinem eigenen Selbstverständnis. Sein (verdientes) Glück ist, dass seine Ausnahmestellung in Dortmund die Mechanismen der Branche außer Kraft setzt. Dadurch bietet sich ihm – anders als vielen Kollegen – die Chance, die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Für den Fußball war Klopps Erscheinen auf der großen Bühne eine große Bereicherung. Lehrt die Krise ihn jetzt noch Demut, wäre dies auch für ihn persönlich ein Gewinn, vielleicht der größte seines Lebens.