Ilkay Gündogan ist bei Borussia Dortmund voll integriert

Ilkay Gündogan (links) ist gut aufgehoben beim BVB.
Ilkay Gündogan (links) ist gut aufgehoben beim BVB.
Foto: imago sportfotodienst
Was wir bereits wissen
Ilkay Gündogan war beim BVB vor einem Jahr noch Reservist. Mittlerweile ist er Leistungsträger. Trotz der Rückkehr von Nuri Sahin steht der 22-Jährige im BVB-Mittelfeld nicht zur Disposition. Auch weil Trainer Jürgen Klopp den Nationalspieler behutsam aufbaute.

Dortmund.. Wer sich in schlechten Zeiten mit Gedanken an die guten Zeiten motivieren kann, der verwendet auch in guten Zeiten mal Gedanken an seine schlechten Zeiten.

Wenn der Tross von Borussia Dortmund am Freitag nach Bremen reist, wird sich Ilkay Gündogan sicherlich an den Rückrunden-Auftakt 2012 erinnern. Damals, vor genau vor einem Jahr, fuhr der BVB ebenfalls in den Norden, zum Hamburger SV. Meister Dortmund, der heute sogar ein Doublesieger ist, feierte ein grandioses wie spektakuläres 5:1 an der Elbe.

Anfangs blasser Ball-Verwalter

Ilkay Gündogan feierte mit, wie man halt so als Ersatzspieler auf der Bank mitfeiert. Im Trainingslager in Spanien hatte er zuvor wegen einer Oberschenkelverletzung und einer Erkältung keine Einheit absolvieren können. Seine auffälligste Aktion im sonnigen Süden gelang ihm damals ganz ohne Ball: Die Bundesliga-Stiftung stellte den Deutsch-Türken aus dem Ruhrgebiet als Integrations-Paten vor.

Ein Jahr, viele Spiele, ähnlich viele Siege und zwei Titel später ist Ilkay Gündogan kaum noch aus der Dortmunder Mannschaft wegzudenken. Bei den Gedankenspielen um Rück-Zugang Nuri Sahin fällt auf, dass der Name Gündogan bei allen Personal- und Taktikvariationen auftaucht – so, wie auf jeder Pizza Käse liegt. Gündogan im defensiven Mittelfeld. Gündogan in der offensiven Dreier-Reihe. Für den 22-Jährigen ist immer Platz.

Das war nicht immer der Fall.

Im Herbst 2011 war die Situation des talentierten Mittelfeldspielers beim BVB so trist-grau wie die damalige Jahreszeit oder die Dortmunder Ergebnisse in der Champions League. Der als Taktgeber des Spiels eingeplante Neuzugang präsentierte sich als blasser Ball-Verwalter. Statt horizontal in den Lauf, spielte er seine Nebenleute ständig vertikal in den Fuß an. Mit jedem dieser Bälle gab Gündogan nicht nur Verantwortung ab, sondern verlor auch Selbstvertrauen und Sicherheit. Trainer Jürgen Klopp rotierte seinen Spieler bis hoch oben auf die Tribüne. Im defensiven Mittelfeld kümmerten sich derweil Sven Bender und Sebastian Kehl um die Stabilität. Der spielintelligente Innenverteidiger Mats Hummels wurde zum Mann für überraschende Bälle.

Klopp führte mit Gündogan viele Gespräche

BVB - Gegner-Teamcheck Klopp wusste indes genau, dass eine befristete Schwächung seinen Spieler wieder stärken kann. Es gab Gespräche. Viele Gespräche. „Ich bin auf ihn zugegangen. Er auf mich“, erinnert sich Ilkay Gündogan an die Zeit. Seinem Fall folgten Neuanfang und Aufbruch.

Im Training holte sich der 22-Jährige die Sicherheit zurück. Der Talentierte, der mit dem Ball so viel kann, arbeitete härter denn je gegen den Ball. „Ich musste mich umstellen. Ich hatte in der Defensive noch nie so viel zu tun wie in Dortmund. Aber ich habe in der Balleroberung Fortschritte gemacht“, sagt er. Ein bekanntes Phänomen bei Neuzugängen des BVB, das auch Gündogan-Kumpel Julian Schieber gerade durchlebt.

Pässe lenken das BVB-Spiel

Mit den defensiven Fortschritten kam bei dem Deutsch-Türken auch das offensive Selbstbewusstsein zurück. Gündogan wurde zum Gestalter im schnellen Umschaltspiel. „Ich bin präsenter, fordere die Bälle. Das war ein großer Entwicklungsschritt für mich“, sagt der deutsche Nationalspieler heute. Seine druckvollen Kurzpässe lenken die Spielzüge. Der Strippenzieher weiß genau, wann er das Tempo variieren und das Spiel verlagern muss. Und er erkundet mehr und mehr die Tiefe des Raumes: Mit präzisen Bällen in die besonders gefährdeten Schnittstellen der gegnerischen Viererkette.

„Er hat unser System gefressen“, sagt Jürgen Klopp über seinen „22-jährigen Klasse-Fußballer“. Klopp weiter: „Und ich bin mir sicher, dass er noch ein bisschen was vor sich hat“. Mit erheblich mehr guten als schlechten Zeiten.