Für BVB-Keeper Weidenfeller ist Neuer nur ein Liga-Rivale

Roman Weidenfeller "weiß nicht, wie sich das anfühlt" zur Nationalmannschaft zu gehören.
Roman Weidenfeller "weiß nicht, wie sich das anfühlt" zur Nationalmannschaft zu gehören.
Foto: imago sport
Was wir bereits wissen
Roman Weidenfeller spricht über sein Verhältnis zu Bayern-Keeper Manuel Neuer und seine Karriere als Torwart, der nie eine Chancen im Nationalteam bekam.

Dortmund.. Wenn Roman Weidenfeller sich über Manuel Neuer äußern soll, wird es einsilbig. Umgekehrt auch. "Es ist immer schwer, über andere Spieler zu urteilen. Fest steht, dass Manuel Neuer ein guter Torhüter ist", sagt Weidenfeller in einem Interview der Nachrichtenagentur dapd. Der 32-Jährige geht in vollem Ornat in die 50. Saison der Fußball-Bundesliga, Meister und Pokalsieger mit Borussia Dortmund. Am Freitag strahlen er und seine Kollegen bei der Ouvertüre, zu der Werder Bremen ins Revier kommt, vor 80.720 Zuschauern in der eigenen Fußball-Oper.

Neuer geht mit vier Enttäuschungen im Kreuz am Samstag beim Neuling Greuther Fürth in seine zweite Saison bei Bayern München. In der Bundesliga und im DFB-Pokal gab es für den 26-Jährigen gleich drei ordentliche Ohrfeigen vom BVB und Weidenfeller. Obendrauf kamen die bitteren Pillen im Finale der Champions League und im EM-Halbfinale gegen Italien. Neuer gelingt es als Sportsmann natürlich, dem jüngst wesentlich erfolgreicheren Kollegen Respekt zu erweisen. "Das ist ein guter, erfahrener Torwart", sagt er. Ausschweifend ist aber was anderes.

Auseinandersetzungen in Revierderbys

Die Herkunft verbietet vielleicht auch Elogen über den Kontrahenten. Neuer ist in Gelsenkirchen geboren. 2006 verdrängte er Frank Rost aus dem Tor bei Schalke 04, fortan ging es für ihn auf dem Platz um die Vorherrschaft im Revier. Da waren die Königsblauen noch der Stein im Schuh der Schwarz-Gelben. Das Blatt hat sich 2010 gewendet. Der BVB machte Schalke rund, das 0:0 am 4. Februar 2011 war im Wesentlichen Neuer zu verdanken und konnte die Mannschaft von Jürgen Klopp nicht auf dem Weg zum Meistertitel stoppen.

Der Bayern-Keeper geht gelassen damit um, wohlwissend, dass er mit dem Rekordmeister irgendwann den ersehnten Bundesliga-Titel holen wird. "Die habe ich hinter mir gelassen. Die gehören natürlich zu meiner Karriere dazu, aber es geht ja immer weiter", sagte er zu den Enttäuschungen in den vergangenen Monaten. Nimmt man das 2:1 im Supercup gegen Dortmund dazu, steht das Duell Weidenfeller-Neuer bei jeweils fünf Siegen und zwei Unentschieden. Diese Auseinandersetzung findet also auf Augenhöhe statt.

Bei Löw noch nie eine Chance

Nicht so in der Nationalmannschaft. Hier ist Neuer die unangefochtene Nummer eins, seitdem er nach der Verletzung von Rene Adler vor der WM 2010 ins kalte Wasser geworfen wurde und seinen Mann stand. Dass sein Status absolut gerechtfertigt ist, wird nirgendwo angezweifelt. Dass aber Weidenfeller nicht einmal im Kreis der Nationalmannschaft auftauchte, ist für die vergangenen Jahrzehnte sicherlich ein einmaliger Vorgang. Von Bundestrainer Joachim Löw ist ihm diese Chance wiederholt zugesichert worden, doch dazu gekommen ist es dann nie. Konkurrenten, wie eben auch Neuer, zogen an dem früheren Kaiserslauterer vorbei. Dann kam zum Streit zwischen Weidenfeller und dem Bundestrainer. Löw sagt nun, solange er Bundestrainer sei, werde der Dortmunder niemals im DFB-Team spielen. Er hat allerdings auch Neuer.

Weidenfeller lebt mit diesem Schicksal, verschmäht worden zu sein. "Zur Nationalmannschaft kann ich nur sagen: Wenn man etwas noch nie hatte, vermisst man auch nichts. Ich weiß nicht, wie sich das anfühlt", sagt er. "Natürlich ist die Konkurrenz in Deutschland sehr groß. Wenn man aber die letzten Jahre betrachtet, hat jeder gute beziehungsweise erfolgreiche Torhüter seine Chance bekommen." Abgesehen von Tim Wiese sind an Weidenfeller neben Neuer und Adler noch Ron-Robert Zieler und Marc-Andre Ter-Stegen vorbei gezogen. Auf diese jungen Torleute will Löw auch im Hinblick auf die WM 2014 in Brasilien setzen.

Wie dünn die Luft aber international ist, hat nicht zuletzt der Test Deutschlands gegen Argentinien gezeigt. Zieler sah Rot, und Ter-Stegen flogen danach die Bälle um die Ohren. Weidenfeller hat dazu seine eigene Meinung. Öl will er deshalb nicht mehr ins Feuer gießen. Er sei aus dem Alter raus, "in dem man sich mit Dingen beschäftigt, die man nicht beeinflussen kann". Auf die Feststellung, dass der erfolgreichste Torhüter der vergangenen beiden Jahre eine Einladung zur Nationalmannschaft verdient habe, sagte Weidenfeller: "Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen." Was bleibt ihm? In der Bundesliga wieder vor Neuer zu stehen. (dapd)