Derby als Selbstfindungstrip - BVB spielt wieder wie der BVB

Nach dem ersten Tor platzte der Knoten beim BVB: Auch Henrikh Mkhitaryan (l.) netzte danach ein.
Nach dem ersten Tor platzte der Knoten beim BVB: Auch Henrikh Mkhitaryan (l.) netzte danach ein.
Foto: Bongarts/Getty Images
Was wir bereits wissen
Die Fans von Borussia Dortmund feierten den 3:0-Derbysieg gegen den FC Schalke 04. Es war der vierte Sieg in Serie, der nun den Abstand zu den Europapokalplätzen verringerte. Die beste Erkennis aber für alle Borussen: Dortmund spielt wieder wie Dortmund.

Dortmund.. Im Kellergeschoss von Gotham City tauchte Nuri Sahin auf. Er kennt sich in der fiktiven Stadt des Superhelden Batman bestens aus, schließlich hatte er vor kurzem einen kleinen Kerl bei sich zu Hause, der glaubte mit einem schwarzen Umhang bekleidet das Böse vertreiben zu können. Sein Name: Ömer, dreieinhalb Jahre alt. „Mein Sohn ist an Karneval auch als Batman gegangen“, sagte der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund nach dem 3:0 im Revierderby gegen den FC Schalke, das in Erinnerung bleiben wird. Das liegt daran, dass es erstens auf absurde Weise einseitig war und zweitens eine Showeinlage enthielt, die in der Geschichte der Fußball-Bundesliga einmalig sein dürfte.

„Die beiden sind...“, begann Sahin zu sagen, ehe er ins Grübeln geriet. Worte wie „verrückt“, „wahnsinnig“, „durchgeknallt“ dürften ihm durch den Kopf gegangen sein. „Cool“, sagte er dann und lachte.

Die beiden – damit meinte Sahin seine Kollegen Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus. Zusammen hatten sie auch beste Chancen liegen lassen und schon leise Zweifel gedeihen lassen, dass dieses Spiel aus Dortmunder Sicht noch ein versöhnliches Ende würde nehmen können. Doch zwölf Minuten vor dem Schlusspfiff schoss Aubameyang den Ball doch noch ins Tor.

BVB auf Rettungsmission einer missratenen Saison

Analyse Anschließend lief der Stürmer zu einem Beutel, der nach der Halbzeit hinter dem Schalker Tor deponiert worden war, kramte aus diesem eine Batman-Haube für sich und eine Augenbinde für Marco Reus hervor. Und so jubelten die beiden zusammen: Batman und sein Adjutant Robin, die Comic-Helden aus dem düsteren Gotham City tauchten Dortmund an diesem Wochenende in helles Licht. Und es besteht im schwarz-gelben Land durchaus berechtigte Hoffnung, dass dies so bleiben könnte. Denn Dortmund spielte gegen Schalke wieder wie Dortmund. Mit Selbstvertrauen. Mit Tempo. Mit Witz. Mit Chancen, die so reichlich vorhanden sind, dass die Menge der verdaddelten zwischenzeitlich Verzweiflung hervorruft. „Das ist Borussia Dortmund: all inclusive. Spiel, Spaß und Spannung über 95 Minuten“, sagte Trainer Jürgen Klopp.

Was er auch meinte: Dortmund, wie man es aus den erfolgreichen Jahren kennt, ist wieder da.

Wir sind wieder wer.

Wir sind wieder wir.

Es war der vierte Dortmunder Sieg in Serie in der Bundesliga, der den Abstand zur Sorgenfaltenregion ausbaute und die klaffende Lücke zu der Region, wo Europapokal-Träume gedeihen, etwas zuschüttete. Zwischen dem BVB und der imposanten Rettung einer missratenen Saison stehen zwar noch sieben, acht Punkte, aber eben auch Konkurrenten, die derzeit nicht gerade einen sonderlich einschüchternden Eindruck machen. Namentlich: Leverkusen, Schalke, Augsburg, Hoffenheim, Frankfurt.

Ein Tor wie eine Befreiung

Die Borussia aber lieferte auf fast wundersame Weise einen erstaunlichen Auftritt ab. Die Jagd nach dem Ball in des Gegners Hälfte funktionierte fast wie zu besten Zeiten, die Pässe von Mats Hummels, von Nuri Sahin und Ilkay Gündogan durchschnitten die königsblaue Wand auf schmerzhafte Weise und die Offensive funktionierte prächtig. Zu den Treffern durch Aubameyang, Henrikh Mkhitaryan und Marco Reus gehörte ein bisschen Glück, viel Wille und noch mehr Erleichterung. „Wir haben ja alle gemeinsam auf dieses Tor gewartet, weil es natürlich eine Befreiung sein kann“, sagte Klopp über den Treffer Mkhitaryans, den bislang oft zu glücklosen Rekord-Einkauf des BVB.

Zurückhaltung Zu viel aber mag Dortmund aus dem Hoch nicht ableiten. „Es sind trotzdem nur fünf Punkte nach hinten. Da sieht man, in was für einer Situation wir waren und sind. Es wird weitergehen, aber es muss auch in dieser Art und Weise weitergehen“, mahnte Jürgen Klopp.

Das war, als die Party in der Kabine längst ausgebrochen war. Derby-Helden und vermeintliche Superhelden grölten Dortmunder Liedgut. Der Krach dröhnte bis hinaus, wo Nuri Sahin stand. „Ich muss rein“, sagte er und ging. Singend. Schief singend. Aber da haben sie in Dortmund schon schwerwiegendere Probleme gehabt in dieser Saison.