Der FC Porto kommt für den BVB zur falschen Zeit

Thomas Tuchel sieht Luft nach oben beim BVB.
Thomas Tuchel sieht Luft nach oben beim BVB.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Der BVB knackt beim 1:0 über Hannover den Heimstart-Vereinsrekord. Die Form dürfte nicht für einen Sieg gegen Porto in der Europa-League reichen.

Dortmund.. Ilkay Gündogan stand an eine Tür gelehnt am Spielerausgang des Signal-Iduna-Parks und hatte eine wärmende Wollmütze aufgesetzt. Die Kopfbedeckung passte zu einem regnerisch-kühlen Tag in Dortmund. Als ungemütlich hatten die Bundesliga-Fußballer des BVB ja auch ihre vorher erledigte Aufgabe empfunden – das 1:0 über Hannover 96 war ein mühseliger Arbeitssieg. Gündogan konnte sich daran nur bedingt erfreuen, selbst wenn der Vorsprung auf die Verfolger auf 13 Zähler angewachsen ist. „Es ist uns wichtig, in jedem Spiel den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden“, sagte der Nationalspieler nachdenklich, „wir haben das schon häufig besser gemacht – hoffentlich gelingt uns dies auch am Donnerstag.“

BVB-Stars Reus und Co. rufen Niveau nicht ab

Ob bei Gündogans Vorausblick auf das Europa-League-Hinspiel gegen den FC Porto am Donnerstag (19 Uhr) Zuversicht oder leise Zweifel überwogen, war schwierig herauszuhören. Portugals Spitzenklub, in der heimischen Liga trotz eines 2:1-Erfolgs am letzten Freitag über Benfica Lissabon zwar derzeit nur Dritter hinter Sporting und eben Benfica, hat aber eine andere Kragenweite als Borussias bisherige Europapokalgegner aus Krasnodar oder Qäbälä. „Ich bin mir sicher, dass wir mit den Köpfen dann wieder voll da sind“, erklärte Marco Reus und räumte ein, dass er und seine Teamkollegen gegen Hannover „nicht den Fußball gespielt haben, den wir uns vorstellen“. Der aber nötig sein wird, um in der Runde der letzten 32 eine mögliche erste große Enttäuschung in der Amtszeit von Trainer Thomas Tuchel auszuräumen.

Fan-Banner Denn Borussia Dortmund hat derzeit Schwierigkeiten, das spielerische Niveau konstant abzurufen, mit dem schon in der Hinrunde eine stattliche tabellarische Lücke im Vergleich zum Rest der Liga entstanden ist. Dass seinem Team erstmals mit nur einem selbst geschossenen Tor ein Sieg gelang und der Vereinsrekord seit Samstag bei 28 Zählern in den ersten zehn Heimspielen steht, hellte Tuchels Stimmung nur dezent auf. „Zäh, zäh, zäher“, sagte der Trainer der Schwarzgelben, „es sah sehr verkopft aus, als würden wir zu lange brauchen, um uns wohl zu fühlen.“

Bei der Nullnummer in Berlin eine Woche zuvor mangelte es der BVB-Offensive an Ideen – gegen Hannover fehlten Samstag Tempo und Präzision bei Seitenverlagerungen sowie letzten Pässen vor Torabschlüssen. Dortmunds Auffälligster saß in Person von Paradiesvogel Pierre-Emerick Aubameyang (wurde wegen einer Blessur geschont) auf der Tribüne, was viel aussagt über die Kreativität des arbeitsfähigen Personals auf dem Rasen. „Manchmal ist es schwierig, jeder verteidigt mit elf Mann gegen uns“, befand Henrikh Mkhitaryan, nachdem er aus 18 Metern Entfernung mit Dortmunds erstem Tor (57. Minute) in dieser Saison außerhalb des Sechzehners die Begegnung entschieden hatte, „daher war es mental vor dem Porto-Spiel sehr wichtig zu gewinnen. Das wird eine sehr schwierige Partie.“

Tuchel sieht beim BVB viel Luft nach oben

Aubameyang Die Dortmunder Hoffnungen ruhen nun darauf, dass Porto am Donnerstag ähnlich agieren wird wie Borussia Mönchengladbach zum Rückrundenauftakt und der VfB Stuttgart im DFB-Pokal. Beide Male glänzte der BVB gegen die forscher verteidigenden Gegner. Gegen Porto „werden wir auf höchstem Niveau abgeprüft“, sagte Thomas Tuchel, „wir wissen, dass wir noch Luft nach oben haben.“ Es klang mehr nach Versprechen als nach vager Hoffnung.