„Der BVB ist wieder da!“ – BVB-Fans schöpfen neue Hoffnung

vl Kevin Kampl Borussia Dortmund 23 Marco Reus Borussia Dortmund 11 Torschuetze Neven Subotic
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Foto: imago
Was wir bereits wissen
Fan-Kolumnist Rutger Koch fühlt sich im Angesicht des Sieges seines BVB gegen Mainz an die traditionellen Aufs und Abs der Borussia erinnert.

Dortmund.. Borussia hat nach dem Erfolg im Breisgau auch gegen Mainz drei Punkte eingefahren und dabei erstmals in dieser Spielzeit vier Tore erzielt. Entsprechend groß waren Erleichterung und Freude beim schwarzgelben Anhang: „Der BVB ist wieder da“ schallte es am Freitagabend um kurz nach zehn durch die Strobelalle.

Obwohl dieser alte Gassenhauer nach nur zwei Siegen und vorherigen Monaten voll desaströser Auftritte wohl diesmal deutlich zu früh kommt, muss man konstatieren, dass er ein echter schwarzgelber Klassiker ist. Die Momente, in denen besagter Gesang durch das Westfalenstadion wehte, sind kaum zählbar.

Und das spiegelt – genau wie der Verlauf der Partie gegen Mainz 05 – irgendwie auch die Vereinsgeschichte des BVB wieder. Obwohl der Verein seit Gründung der Bundesliga durchgehend den landesweit höchsten Zuschauerzuspruch genießt, gelang es der Borussia noch nie, ein solcher Verein zu werden, wie beispielweise die Werkself der Bayer AG.

Der Sieg gegen Mainz – ein Spiel wie Borussia Dortmund

Nie spielte man mehrere Jahre konstant um die Plätze 2 bis 6 mit. Man arbeitete sich entweder nach ganz oben oder man stürzte jäh ab. Auf den Europapokalsieg 1966 – den ersten einer deutschen Mannschaft überhaupt – folgte bald der bittere Gang in die zweite Liga, nach dem Wiederaufstieg inklusive Comeback auf internationalem Parkett gab es schlimme Jahre und die Rettung in der allerletzten Sekunde der Relegation. Unmittelbar im Anschluss an die erfolgreichen (und teuer erkauften) Neunziger Jahre stand ein weiterer Beinahe-Abstieg auf dem Programm, an den sich der zurecht umstrittene Börsengang und ein weiterer Meistertitel anschlossen. Dann das tiefste aller Tale vor gut zehn Jahren und der märchenhafte Aufstieg, der im ersten Double der Vereinsgeschichte und dem Erreichen des Champions League-Finales gipfelte. Und dann? Und dann diese Hinrunde. Platz 17. Zuletzt Platz 18.

Junge oder neue Mitglieder der BVB-Familie tauschen jetzt vielleicht verwunderte und verwirrte Blicke aus, den älteren Borussen bleibt nur ein Seufzen und ein Schulterzucken: „Das ist eben Borussia!“ – „Ganz oder gar nicht!“ – „Immer das große Drama!“. In einem Spiel wie gegen Mainz fühlt sich der geneigte BVB-Anhänger dann auch richtig heimisch: Rückstand nach wenigen Sekunden, Wackel-Abwehr, dann Doppelschlag, Spiel gedreht, erneuter Ausgleich und schließlich noch zwei „Hütten“ auf der richtigen Seite und das Happy End. Und immer mit den großen Emotionen, die solch ein Spielverlauf weckt, die solch eine Vereinsgeschichte weckt.

Ultras und Hooligans“ sind NICHT „der Verein“

Am Ende ist der schwarzgelbe Vulkan im Dortmunder Süden wieder Feuer und Flamme für den Fußball: „Der BVB ist wieder da!“ Ein impulsiver Schlachtruf aus Freude und Hoffnung, der alle paar Jahre und nach jedem gemeinsam durchschrittenen Tal von der Südtribüne schallt. Durchschritten ist das Tal zwar noch lange nicht, aber die Hoffnung ist zurück. Bei allen Borussen.

Aber ganz ohne Wermutstropfen geht es aber dann doch nicht an der Strobelallee. Die umstrittene Fangruppierung Desperados teilte per Spruchband mit: „Ultras und Hooligans – Wir sind der Verein!“ Insider konnten darin offensichtlich einen weiteren Hinweis auf ein vermeintlich unberechtigtes Stadionverbot entziffern, für alle anderen Schwarzgelben war es einfach nur das, was es war: Provokation mit einer großen Portion Hybris. Einer übergroßen Portion, wenn man bedenkt, dass besagte Gruppierung dem Verein mindestens ebenso häufig geschadet hat, wie sie ihm genützt hat.

16.02.2015, Rutger Koch, Gib mich DIE KIRSCHE