Der BVB holt tief Luft für die Reise nach Berlin

Vollgas, auch in Zeiten des Abschieds: Jürgen Klopp und der BVB steuern mit voller Power und fokussiert in Richtung Berlin.
Vollgas, auch in Zeiten des Abschieds: Jürgen Klopp und der BVB steuern mit voller Power und fokussiert in Richtung Berlin.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Der letzte Bundesligaspieltag stand beim BVB ganz im Zeichen der Abschiede von Jürgen Klopp und Sebastian Kehl. Trotzdem geriet das letzte große Ziel der Ära Klopp nicht aus dem Fokus.

Dortmund.. Manch einer im Signal Iduna Park wird sich gegen 17.21 Uhr ein wenig gewundert haben. Schiedsrichter Manuel Gräfe beendete die Partie und machte damit den Dortmunder 3:2-Sieg gegen Bremen und den Einzug des BVB in die Europa League amtlich. Der versöhnliche und doch noch irgendwie erfolgreiche Schlusspunkt einer Seuchensaison. Und von den Rängen kam: Jubel freilich, aber dosiert, keinesfalls frenetisch. Es wirkte im großen Kontext der letzten, anstehenden Saisonwoche wie ein tiefes Luftholen.

Das hier war die Pflicht, jetzt kommt die Kür. Bloß nicht den Fokus verlieren.

Klopp-Abschied Das Thema Berlin, das Thema Pokalfinale war trotz der Abschiede von Jürgen Klopp und Sebastian Kehl allgegenwärtig. Beide verabschiedeten sich hochemotional, wirkten angefasst, keine Frage. Aber es war, als ob sie das Emotions-Kontingent noch nicht vollends ausschöpfen wollten. Selbst als die 80.000 nach Spielschluss verstummten und die letzte Videoansprache ihres "Kloppo" über die Stadionlautsprecher dröhnte, blieb Berlin in den Köpfen. "Sieben Jahre unseres gemeinsamen Lebens nehmen nächste Woche erst ihr Ende", leitete Klopp ein. Und er vergaß am Schluss nicht darauf zu verweisen: "Wir haben noch ein bissschen was vor."

Ein paar Kohlen sind übrig für die schwarz-gelbe Emotionsmaschine.

"Eine Woche voll reinhauen"

Auch Shinji Kagawa verbrachte wenig später in den Stadion-Katakomben nicht viel Zeit damit, seine (Glanz-)Leistung des Nachmittags (DerWesten-Note 1,5) zu besprechen, sondern richtete den Blick nach vorn: "Eine Woche lang werden wir uns noch voll reinhauen. Es war eine lange Saison, eine harte Saison, aber wir sind voll motiviert." Ähnliches gab's zu hören von Rechtsverteidiger Erik Durm: "Wir haben jetzt noch ein Spiel, das wollen wir auch gewinnen. Wenn das klappt, denke ich, dann war’s ein schöner Abschied."

Erst dann, so kam es rüber, können wir richtig über Abschiede reden.

Kehl-Abschied Da versteht es sich von selbst, dass Sebastian Kehl seine für den Samstagabend geplante Abschiedsfeier offenbar relativ verhalten bewarb. "Kehli hat direkt in die Einladung geschrieben: kurzes Zusammensitzen und Ende", hatte Jürgen Klopp am Donnerstag verraten und die simple Erklärung gleich mitgeliefert: “Wer den Pokal gewinnen will, kann am Samstagabend nicht saufen.” Und Kehl will den Pokal gewinnen. "Das wäre nicht nur das i-Tüpfelchen auf meine Karriere, sondern auch ein großes Erlebnis für die ganze Mannschaft", schwärmte der Routinier.

Was ist denn auch schon eine Abschiedsfeier im Mannschaftskreis gegen eine Lkw-Fahrt in der Innenstadt? "Die Parade am Borsigplatz – das wäre natürlich grandios", meinte Shinji Kagawa. "Natürlich will ich da hin, ich war beim letzten Mal ja nicht dabei", machte Erik Durm klar. Am prägnantesten machte es aber wieder einmal Jürgen Klopp: "Da hätte ich richtig Bock drauf."