Dankbarkeit und Vorfreude - Pokalsieg am Ende einer Ära?

Mit einer großen Choreographie der Fans beginnt das letzte Heimspiel für Jürgen Klopp.
Mit einer großen Choreographie der Fans beginnt das letzte Heimspiel für Jürgen Klopp.
Foto: Bernd Thissen
Beim BVB endet eine Ära, beginnt eine neue Zeitrechnung. Doch vorher haben wir die Chance, in Berlin eine dieser Nächte für die Ewigkeit zu erleben.

Dortmund.. Beim BVB endet eine Ära, beginnt eine neue Zeitrechnung. Das wird spannend und aufregend werden. Doch vorher haben wir die Chance, in Berlin eine dieser Nächte für die Ewigkeit zu erleben. Die Achterbahn, die das Fan-Leben als Schwarzgelber ist, kann vor dem nächsten Looping noch mal ganz oben anhalten, damit wir nach den Sternen greifen können.

„Ende einer Ära? Bitte mal die Dreifaltigkeitskirche im Dorf lassen!“ schrieb ich im März dieses Jahres, nachdem ebendies im Nachgang der Heimniederlage gegen Juventus Turin durch den Blätterwald raschelte. „Die Fußball-Experten liegen mal wieder daneben“ behauptete ich damals. Doch obwohl ich immer noch nicht glaube, dass ein Spiel eine Ära beendet, muss ich heute konstatieren, dass ich trotzdem falsch lag. Mittlerweile ist jedem klar: Bei Borussia endet eine Ära.

Klopp-Abschied Niemals ist ein Trainer beim BVB so emotional verabschiedet worden, wie Jürgen Klopp nach seinem letzten Heimspiel im schwarzgelben Fußballtempel. Weil nie ein Trainer den BVB dermaßen geprägt hat wie er. Und selten drehte ein scheidender Spieler verdientere Ehrenrunden als Sebastian Kehl. 13 Jahre Vereinstreue sind schließlich in der heutigen Zeit ein Kuriosum.

Trotz der katastrophalen Hinrunde und der insgesamt durchwachsenen Saison werden die Fußstapfen der beiden sehr groß sein, wird es schwer für ihre Nachfolger werden, sie zu füllen. Dass Mats Hummels auf und neben dem Platz ein Kapitän sein kann, wie es Sebastian Kehl war, muss er bestenfalls noch beweisen. Und den BVB so zu verkörpern, wie es Klopp getan hat, wird wohl keinem Trainer und erst recht keinem direkten Nachfolger gelingen.

Vorfreude auf eine spannende, neue Zeit beim BVB

Und trotzdem überwiegt in Dortmunds Fan-Szene nicht die Trauer. Zum einen tut dies nämlich zu Recht die Dankbarkeit und zum anderen haben sowohl Kehl, als auch Klopp den Moment für ihren Abschied weise gewählt.

Borussia Dortmund Man kann mit Vorfreude in die Zukunft blicken, weil man weiß, dass bei Borussia immer Spannung geboten ist. Und eine spannendere Zeit als die nach Klopp kann man sich prospektiv kaum vorstellen. Ein neuer Trainer nach einer so langen Zeit ist schon aufregend genug, eine neue Hierarchie in einer Mannschaft, die ihr Gesicht verändern wird, ist es ebenso. Genau wie die Frage, wer nun bleibt und geht, wer nach einer schwachen Saison eine neue Chance bekommt – oder noch mehr: wer sie nutzt.

Schon die Sommerpause wird wohl spannender als die letzten beiden Bayern-Spielzeiten zusammen. Und eines ist auch sicher: Beim Trainingsauftakt werden wieder mehr Fans sein, als auf einer Titelfeier in München.

Wir knien uns alle rein in Berlin!

Bevor wir uns in diese neue Zeit stürzen, können wir aber genau so etwas noch einmal erleben: eine Titelfeier. Freilich nicht in München, sondern in Berlin. Einen besseren Abschied für den Jahrhunderttrainer und unseren ewigen „Kapitano“ könnte es kaum geben. Und einen versöhnlicheren Abschluss nach einer Spielzeit, die phasenweise eher eine Leidenszeit war, auch nicht. Die Achterbahn, die das Fan-Leben als Schwarzgelber ist, kann vor dem nächsten Looping noch mal ganz oben anhalten, damit wir nach den Sternen greifen können.

In Berlin werden wir uns alle noch einmal reinknien. Die Mannschaft, weil jeder einzelne dem scheidenden Übungsleiter viel zu verdanken hat. Und wir auf den Rängen, weil wir dieses großartige Gefühl noch einmal erleben wollen, wenn unser Verein eine Trophäe in den Nachthimmel streckt. Wer weiß, wann das sonst zum nächsten Mal der Fall sein wird.

25.05.2015, Rutger Koch (Gib mich DIE KIRSCHE)