Codewort "Teppich"
24.01.2010 | 21:59 Uhr 2010-01-24T21:59:00+0100
In den Dortmunder Kneipen wurde am Samstag bis in die Nacht ausgelassen gefeiert. Wieder und wieder liefen aus den Fernsehbildschirmen die Bilder vom 1:0 gegen den Hamburger SV.
Und passend zu Jubel, Trubel und Heiterkeit sangen die BVB-Fans ihre Vereinshymnen - mit allerdings rapide abnehmendem Ton- und Rhythmusgefühl, „Die Stimmung in der Stadt ist fast wie bei einer Meisterschaft“, erinnerte sich Ex-BVB-Profi Lars Ricken an seine Erfahrungen der erfreulicher Art.
Ganz so weit ist der BVB 2010 noch nicht. Aber mit dem Sieg im Spitzenspiel zog er am HSV vorbei und genießt mindestens bis zum nächsten Wochenende Tabellenplatz 4. Präsident Reinhard Rauball nahm gar das verbotene Wort Champions League in den Mund. Er wies aber vier Mal darauf hin, dass er das Laufvermögen seiner Mannschaft meine, dass „Champions- League-Niveau“ habe. „Ansonsten“, so Rauball, „gilt die Aktion Teppich: auf dem bleiben wir nämlich.“ „Wir werden auch wieder Spiele verlieren“, warnte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke.
Ein bisschen mehr Euphorie, siehe BVB-Fans, wäre indes weder verwerflich noch verwunderlich. Sechs Mal hat Dortmund in Serie gewonnen. An die letzte Niederlage (26. September) erinnern sich nur noch Fußball-Historiker. Damals kassierten die Borussen im heimischen Stadion auch ihr letztes Gegentor.
Am Samstag wurde der HSV in die Reihe der BVB-Opfer eingereiht. Und der Heimsieg im ausverkauft kochenden Signal Iduna Park war verdient. Die Borussen agierten mit Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, waren leidenschaftlich und zeigten außergewöhnliche Leistungsbereitschaft. Die hochdotierte Hamburger Mannschaft war keineswegs schlecht. Das Dortmunder Truppe war nur eben viel zu gut. „Sie haben unser Offensivspiel völlig lahmgelegt“, haderte HSV-Nationalspieler Marcell Jansen. „Wenn man in 90 Minuten nur zwei Chancen zulässt, ist das ein Qualitätsmerkmal“, fand Jürgen Klopp und ergänzte: „Ich habe heute nichts zu kritisieren. Die einzige schlechte Nachricht ist, dass es noch 15 Saisonspiele gibt.“
Vor denen sollte den Dortmundern aber weder Angst noch Bange sein. Denn es passt derzeit alles beim BVB. Da war es kein Wunder, dass ausgerechnet Nelson Valdez das Tor des Tages (36.) erzielte. Der Valdez, der zuletzt im August getroffen hatte. Und der Valdez, in dessen Haus es vor Weihnachten gebrannt hatte. Gerade hat er ein neues Haus gefunden. Dann gelingt ihm ein entscheidendes Tor. „Es tat sehr gut“, gestand er.
Das taten auch die verdienten drei Punkte seinem Klub. Acht Zähler Vorsprung hat der BVB inzwischen auf einen Nicht-Europapokalplatz. Und Bremen, Hoffenheim und Wolfsburg sind keine bissigen Jäger, sondern harmlose Vegetarier, die Punkt um Punkt abgeben. Trotzdem wagt kein BVB-Angestellter, das Wort „Europapokal“ in den Mund zu nehmen. Vielleicht, weil die Dortmunder ein anderes Ziel haben. „Als wir im November noch sieben Punkte Rückstand hatten, habe ich angekündigt, dass Schalke unseren Atem spüren wird“, frohlockte „Aki“ Watzke bei jetzt nur noch zwei Zählern Rückstand. „Vor Schalke zu kommen, ist unser nächstes Ziel“, kündigte Neven Subotic. Und fügte gelangweilt hinzu: „Das haben wir letzte Saison ja auch schon geschafft.“

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