BVB-Sportdirektor Zorc vermisst die richtige Einstellung

War nach der Niederlage gegen Gladbach bedient: BVB-Sportdirektor Michael Zorc.
War nach der Niederlage gegen Gladbach bedient: BVB-Sportdirektor Michael Zorc.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Das 1:3 in Gladbach brachte BVB-Sportdirektor Zorc in Rage: Er bezweifelte, dass alle Spieler von Beginn an alles gegeben hätten, um zu gewinnen.

Mönchengladbach.. Michael Zorc hatte sich viel Zeit gelassen. Um 18.13 Uhr trat der Sportdirektor von Borussia Dortmund vor die Journalisten - da hatten alle übrigen BVB-Akteure die Katakomben des Borussia-Parks längst verlassen und die 1:3-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach war etwa eine Stunde alt.

Einzelkritik Man kann also davon ausgehen, dass sich Zorc seine Worte gut überlegt hatte, die an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig ließen. Besonders hatte ihn geärgert, dass man bereits zum dritten Mal in der laufenden Saison ein Gegentor in der Anfangsminute kassiert hatte. "Ich glaube, das ist absoluter Weltrekord", ätzte der 52-Jährige. "Das ist nicht zu akzeptieren. Das sagt viel aus, das ist Schläfrigkeit." Offensichtlich sei nicht jeder Akteur bereit, von der ersten Sekunde an alles zu tun, um das Spiel zu gewinnen. "Du stehst auf dem Platz und bist nicht wirklich da", haderte der Sportdirektor - ohne das Phänomen erklären zu können: "Das hat es noch nie gegeben, was soll man da für eine Erklärung haben? Wir haben ja keine Schlaftabletten verteilt vorher."

Kagawa vergibt gute Chance für den BVB

Zorcs Zorn war mehr als verständlich, denn einen größeren Gefallen als ein frühes Tor hätte der BVB den konterstarken Gladbachern gar nicht tun können - zumal auch die eigene Offensive wieder einfallslos agierte. "Natürlich haben wir Ballbesitz, Ballbesitz, Ballbesitz", so Zorc. "Aber Gladbach hat es immer wieder geschafft, gute Chancen selbst zu kreieren. Wir haben unsere nicht genutzt.

Transferpolitik Hier tat sich insbesondere Shinji Kagawa hervor, der kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit ein veritables Luftloch schlug, anstatt Marcel Schmelzers präzise Flanke freistehend im Tor unterzubringen. "Dann hätte ich gerne mal gesehen, was hier losgewesen wäre", meinte Zorc. "Aber so nimmt das Spiel seinen Lauf, der auch ziemlich vorhersehbar war."

Gegen Paderborn kann BVB mit Abstiegskampf abschließen

Denn meist reicht es einem Gegner derzeit, tief zu stehen, ordentlich zu verteidigen und auf BVB-Fehler zu warten - dieses Mal kam der erste nach 28 Sekunden, der nächste folgenschwere folgte eine gute halbe Stunde später. "Im Moment sind wir anscheinend nicht in der Lage, im Dreitagesrhythmus unsere beste Leistung zu bringen, da fehlt dann einfach auch die Konzentration", haderte Zorc - der nach dem Spiel wie alle Dortmunder den Blick erst einmal nach unten richtete: "Das nächste Heimspiel ist gegen Paderborn, das ist eminent wichtig", kündigte er an. Gegen die Ostwestfalen kann man sich mit einem Sieg endgültig aller Abstiegssorgen entledigen - und dann bestenfalls den Blick in Richtung Europa-League-Plätze richten. "Ich bin nicht bereit, jetzt schon zu sagen: Das war's, wir schmeißen die Saison weg", sagte Zorc. "Das ist mir zu einfach."

Es war genau diese Art von kämpferischer Einstellung, die der Sportdirektor zuvor bei einem Teil seiner Spieler vermisst hatte.