BVB sichtet Talente und plant Zukunft des Klopp-Teams

Auf dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund fand das Sichtungstraining statt.
Auf dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund fand das Sichtungstraining statt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Borussia Dortmund sichtet beim Tag der Talente Mini-Kicker. Und Talente sollen künftig auch bei den Profis wieder eine größere Rolle spielen.

Dortmund.. Ein Schuss, ein Tor: Die Dortmunder. Der Ball zappelt im Netz. Mats Hummels, Marco Reus und Cristiano Ronaldo umarmen sich, jubeln begeistert. Hummels, Reus und Ronaldo? Beim BVB ist dieses Star-Trio an diesem kalten Vormittag möglich. Denn die potenziellen Profis der Zukunft tragen die Trikots der Superstars der Gegenwart. In Größe 128. Samt Schal und Mütze. Da achten Mama und Papa drauf. Es ist kalt beim Tag der Talente, bei dem der BVB jedes Jahr den Nachwuchs aus der Umgebung vorspielen lässt und sich Kinder für die eigene Jugendarbeit herausgepickt.

Gipfel mit Klopp, Watzke und Zorc

Fußball Schon die Anfahrt zum Trainingsgelände lässt einige Fußball-Eltern träumen. Links geht es von der Schnellstraße zum Borsigplatz ab. Da feiert der BVB seine Titel. Da könnte der talentierte Sohn in 15 Jahren von den Fans bejubelt werden. Bis dahin muss die Fußball-Familie erst mal rechts abbiegen. Zum beschaulichen Dortmunder Stadtteil Brackel, wo der BVB sein Trainingsgelände hat. Und wo für Träume täglich hart mit dem Ball und dem Körper gearbeitet wird. 250 Kinder zwischen 6 und 9 Jahren sind zum Tag der Talente gekommen. So wie der achtjährige Julian Drees aus Schwerte. Der trägt den Namen seines Vorbilds Marco Reus nicht nur auf dem Rücken, sondern auch dessen blonde Haarbürste auf dem Kopf. Mama Annika und Papa Christian haben in Sachen Fußball weder große Erwartungen noch Träume. Julian spielt bei der E2 des VfB Westhofen. „Es ist Julians großer Tag. Er soll Spaß haben und einmal bei Borussia trainieren“, sagt Mama Annika.

BVB lohnt sich: Nuri Sahin und Marcel Schmelzer schauen vorbei und geben Autogramme. Und eine schwarzgelbe Tüte mit Keksen, Apfelsaft und Mannschaftsposter gibt’s auch.

Ein Fauxpas wie bei Reus soll nicht wieder passieren

Michael Bonan ist seit 30 Jahren in der Jugendabteilung des BVB tätig. Er hat die Tage der Talente in den letzten 15 Jahren miterlebt. 20 Trainer sind dieses Mal im Einsatz. Von 250 vorspielenden Kindern dürfen 15 wiederkommen. Wenn es einer bis zu den A-Junioren schafft, wäre das ein Erfolg. Beim Beobachten stößt auch der geschulte Blick von Fachmann Bonan an Grenzen: „In dem Alter lässt sich keine Karriere vorhersagen“, sagt er. Wer weiß schon, welcher Abiturient einen Nobelpreis bekommt?

Talente Ein Beispiel? Marco Reus war klein und schmächtig, als er die BVB-Jugend freiwillig verließ. Für 17 Millionen Euro holte Dortmund den eigenen Nachwuchsspieler Jahre später zurück. Das soll nicht wieder passieren.

Aus dem aktuellen Kader kamen nur Marco Reus, Nuri Sahin und Kevin Großkreutz, die Brüche in ihrer Vereinsbiographie haben, im jungen Alter zum BVB. Vor Jahren waren das weitaus mehr Spieler. Heute kommen Talente kaum noch aus der eigenen Jugend zu den Profis. Die Saat aus Erfolgen, Ansprüchen und Erwartungen wird mit viel Geld gedüngt.

Jonas Hofmann vor Rückkehr

Der prominenteste Spieler aus dem BVB-Nachwuchs, Mario Götze, spielt bei Bayern. Eine Mannschaft aus talentierten Ex-Dortmundern tummelt sich derweil andernorts im Profifußball. Daniel Ginczek und Moritz Leitner (Stuttgart), Leonardo Bittencourt (Hannover) und Jonas Hofmann (Mainz) beispielsweise. Bald könnte man einige wieder beim BVB sehen. Denn nach dieser schwierigen Saison steht ein Strategiewechsel ins Haus. Jonas Hofmann und Moritz Leitner sollen im Sommer zurückkommen. Vielleicht schauen die Dortmunder auch bei dem talentierten, aber von Verletzungen geplagten Julian Koch noch mal hin. Koch, 24, heute bei St. Pauli, hat der BVB vor 15 Jahren beim Tag der Talente entdeckt. Und er kommt, wie der achtjährige Julian Drees, aus Schwerte. Seine Eltern lächeln, als sie das hören. Den Namen Julian Koch kennt Julian Drees nicht. Gerade hat der Achtjährige sein Vorbild Reus auf dem Mannschaftsfoto entdeckt.