BVB-Profi Weigl will nach seinem Erfolgserlebnis nachlegen

Julian Weigl wechselte 2015 von 1860 München zu Borussia Dortmund.
Julian Weigl wechselte 2015 von 1860 München zu Borussia Dortmund.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
  • Der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund erlebt bei Sporting Lissabon ein ungewohntes Gefühl
  • Erstmals seit der A-Jugend trifft Julian Weigl wieder
  • Das nächste Tor soll bald folgen

Lissabon.. Als ganz und gar irdisch erweist sich die stickige Luft an Abfluggate neun des Flughafens Lissabon am Mittwochmittag. Dort steht Julian Weigl, blaues Hemd, dunkle Krawatte, zurück im Hier und Jetzt. "So langsam kann ich es realisieren", sagt der zentrale Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund, "gestern war es noch sehr unwirklich." Kurzzeitig, sagt der Nationalspieler, sei er sogar "in einer anderen Welt" gewesen. Ein Paralleluniversum des Glücks muss das gewesen sein, das sogar imstande ist, die Erinnerung zu löschen, wie genau es dazu gekommen war, dass er ein Tor geschossen hatte, sein erstes als Profi. Und das beim so wichtigen 2:1 (2:0)-Sieg in der Champions League bei Sporting Lissabon.

Champions League Das war eine derartige Besonderheit, dass BVB-Trainer Thomas Tuchel sogleich an das Abschlusstraining vor dem Spiel gegen Paok Saloniki in der vergangenen Saison denken musste. Da habe Weigl ein Tor gemacht, sagte er, es gäbe noch ein Video davon, das offenbar bei Schwarz-Gelb einen ähnlichen archivarischen Wert besitzt wie eine Nullneunlingsgeburt.

Weigls Tor als Sinnbild

Dieser bislang behütete Schatz dürfte in Anbetracht der frischen Bilder nun ein wenig in Vergessenheit geraten. Weigl selbst hatte sich das Tor in der Nacht noch ein paar Mal angeschaut, sozusagen ein Akt der Vergewisserung, sich das alles nicht nur erträumt zu haben. Dann wusste auch er wieder, wie er das gemacht hatte. Durch zwei Mann war er mit dem Ball am Fuß hindurchgeschlüpft und dann hatte er einfach geschossen. Wuchtig, präzise. Und entschlossen. Dieses Tor taugte damit auch als Sinnbild des gesamten Dortmunder Auftritts.

Julian Weigl In den vergangenen Wochen hatte sich der BVB durch verlorene Spiele gegen grimmig verteidigende Mannschaften und der von Tuchel angestoßenen Fouldebatte dem Vorwurf ausgesetzt gesehen, allzu zart besaitet zu sein. In dem Wort Jammerlappen gipfelte der Diskurs schließlich. Doch in Lissabon schaltete die Mannschaft sehr beherzt in den Kampfmodus und überwand allerhand Widerstände, vor denen sie womöglich noch vor einigen Wochen hätte kapitulieren müssen.

Zorc zeigt sich beeindruckt

Mit "jeder Faser des Körpers" habe sich die Mannschaft "gegen den drohenden Ausgleich gestemmt", honorierte Sportdirektor Michael Zorc noch tief in der portugiesischen Nacht ehrlich beeindruckt. Sie erwehrte sich der Sporting-Angriffe nach Kräften, sie trotzte der bebenden Kulisse und der Provokationen des Gegners. Zweimal hatten die Dortmunder den Ball absichtlich ins Aus gespielt, um die Behandlung eines eigenen, am Boden liegenden Spielers zu ermöglichen.

BVB-Wut Doch mit dem ungeschriebenen Gesetz, den Ball nach Fortsetzung des Spiels zurückzuspielen, brach Sporting beide Male. "Das war eine Unsportlichkeit, wie ich sie in 30 Jahren Fußball nicht erlebt habe. Das war eine einzige Sauerei", zeterte Zorc. Doch auch daraus entwickelte die Mannschaft neue Kraft. "Das hat uns umso mehr angespornt, das Ding über die Linie zu bringen", sagt Julian Weigl mit seligem Lächeln.

Sein bis dahin letztes Tor als Vereinsspieler hatte er vor mehr als drei Jahren für die A-Jugend von 1860 München geschossen. In Nürnberg war das, das weiß er noch. Lange her. Bis zum nächsten Mal soll es nicht so lang dauern. "Ich hoffe, dass da jetzt noch mehr kommt", sagt er. Über sich. Und den neuen Kampf-BVB.