BVB lud Augsburg mit fataler Fehlerkette zu Gegentor ein

Die BVB-Kicker sind nach der Niederlage gegen Augsburg erschüttert und ratlos.
Die BVB-Kicker sind nach der Niederlage gegen Augsburg erschüttert und ratlos.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Einer ordentlichen ersten folgte beim 0:1 gegen den FC Augsburg eine katastrophale zweite Halbzeit aus Sicht des BVB - die zeigt, wie tiefgreifend die Probleme inzwischen sind.

Dortmund.. Es gab ganz unterschiedliche Ansätze der unmittelbaren Traumabewältigung: Marco Reus schlurfte nach dem 0:1 gegen den FC Augsburg kaugummikauend und scheinbar unbeteiligt an den Journalisten vorbei. Torhüter Roman Weidenfeller blieb bei den wartenden Journalisten stehen und floskelte sich routiniert und gefasst durch das folgende Frage-Antwort-Spiel. "Wir müssen weiterhin gemeinsam eine Einheit bilden", sagte er. "Wichtig ist dass kein Blatt passt zwischen die Fans und die Mannschaft und dass die Fans auch wahrnehmen, dass sich jeder voll und ganz in den Dienst des BVB stellt."

Und Nuri Sahin schließlich wirkte merklich angefasst angesichts des erneuten Rückschlags, der den deutschen Vizemeister weiter auf Platz 18 verharren lässt. "So eine zweite Halbzeit darf uns nicht passieren", sagte der Mittelfeldstratege mit leiser, tonloser Stimme. "Das darf einfach nicht."

Unentschieden gegen Leverkusen war Mutmacher

Dabei war man auf Dortmunder Seite durchaus hoffnungsfroh in die Begegnung gegangen: Nach der Winterpause wähnte man sich in einem körperlich und auch taktisch deutlich besseren Zustand als in der Hinrunde, das hart erkämpfte 0:0 bei Bayer Leverkusen wurde trotz spielerisch schwacher Leistung als Mutmacher gewertet.

Klopp Und gegen Augsburg schien sich ein positiver Trend zu zeigen: Der BVB spielte zwar noch lange nicht wie eine Champions-League-Mannschaft, die er ja nach wie vor ist - aber der Auftritt war doch deutlich ansehnlicher als zuletzt, das so gefürchtete blitzschnelle BVB-Offensivspiel war zumindest in Ansätzen erkennbar. Kevin Kampl (15.), Marco Reus (15.), Pierre-Emerick Aubameyang (16./23.) und Ciro Immobile (26.) kamen zu Gelegenheiten, die durchaus eine Führung hätten bringen können.

"Dann wurde es kopflos"

Stattdessen kam es wie so oft in der laufenden Saison: Der Gegner wurde zu seinem Tor geradezu eingeladen. Erst verlor Rechtsverteidiger Kevin Großkreutz den Ball, dann machte Innenverteidiger Sokratis dem überragenden Augsburger Halil Altintop den Weg ins Zentrum frei, sein Nebenmann Mats Hummels sank vor dem Türken danieder, der Ball landete beim völlig freistehenden Raul Bobadilla - und der vollendete sicher (50.). Es war förmlich zu sehen, wie das Dortmunder Selbstvertrauen in sich zusammensackte wie ein angepiekstes Soufflé.

19. Spieltag "Dann wurde es kopflos", haderte Kapitän Hummels nach dem Spiel. "Wir haben es dann nicht geschafft, uns viele Situationen herauszuspielen, sind nicht zum Abschluss gekommen." Dass Augsburg nach einer Notbremse von Christoph Janker rund eine halbe Stunde lang einen Mann weniger auf dem Platz hatte, schien den Dortmundern nicht zu helfen - im Gegenteil: Sie wurden noch kopfloser. Kein Angriff wurde ruhig zu Ende gespielt, stattdessen verstrickten sich die Akteure in schwarz-gelb in Einzelaktionen oder droschen den Ball plan- und ziellos in den Strafraum.

Weidenfeller sieht auch Positives

Torhüter Weidenfeller wollte dennoch viel Gutes gesehen haben: "Wir haben exzellente Chancen herausgearbeitet", sagte er. "Speziell in der ersten Halbzeit, aber gerade auch zum Schluss, in der Überzahl." Dies allerdings war eine Sichtweise, die der 34-Jährige weitgehend exklusiv hatte. Tatsächlich hatten die Dortmunder ihre erste ernstzunehmende Torchance in Durchgang zwei in der 89. Minute durch den eingewechselten Henrikh Mkhitaryan, in der Nachspielzeit kam noch einmal Ciro Immobile freistehend zum Kopfball - das war's. Viel zu wenig für eine halbstündige Überzahl. "Ich hatte das Gefühl, dass jede Entscheidung, die wir nach dem Gegentor getroffen haben, zu hektisch und falsch war", klagte Sahin.

Die 90 Minuten gegen Augsburg offenbarten, wie tiefgreifend die BVB-Probleme inzwischen sind: Die Probleme der Hinrunde hatten die Verantwortlichen noch weitgehend erklärt mit fehlender Fitness aufgrund einer alles andere als glatt verlaufenen Vorbereitung. Daran aber will man in der Winterpause erfolgreich gearbeitet haben - und nun zeigt sich, dass vor allem die eigene Psyche den BVB-Profis im Wege steht. Schon in der ersten Halbzeit war in vielen Situationen zu erkennen, wie sehr die aktuelle Lage die Profis hemmt. Nach dem Gegentor flatterten die Nerven dann erst recht - quer durch sämtliche Mannschaftsteile. Hochgelobte Spieler wie Reus und Ilkay Gündogan brachten kaum noch etwas zustande, Mittelstürmer Ciro Immobile war so harmlos wie die Abwehr anfällig und Kapitän Mats Hummels gelang es nicht, die Seinen zu beruhigen - Chaos und Zufall waren fortan die bestimmenden Elemente im Offensivspiel.

Großkreutz Subotic muss sich beherrschen

Im Anschluss war der Frust groß - bei den Spielern ebenso wie bei den Fans, die die Akteure gnadenlos auspfiffen: "Wir sind genauso sauer, müssen uns aber natürlich beherrschen", sagte der eingewechselte Neven Subotic. "Wenn wir in der Öffentlichkeit anfangen, uns gegenseitig anzubrüllen, wäre das nicht gut." Wen er gerne angebrüllt hätte, ließ der Serbe offen - zumal er beteuerte, dass sämtliche Mannschaftsteile schuld an der Misere hätten.

Ebenso groß wie der Frust war später die Ratosigkeit. "Es gibt kein Handbuch für so eine Situation, sonst würden wir natürlich versuchen, das sofort umzusetzen", sagte Subotic. "Wir müssen unser eigenes Handbuch schreiben und einfach mal ein Tor forcieren." Und Sahin ergänzte: "Wir sind die Einzigen, die die Situation ändern können. So scheiße es im Moment ist, wir müssen weitermachen und alles dagegen tun, dass man absteigt."

Die nächste Gelegenheit besteht am Samstag beim SC Freiburg (15.30 Uhr/im Live-Ticker). Der hat aus 19 Bundesligaspielen ganze 18 Punkte mitgenommen - und damit immer noch zwei mehr als der BVB.