BVB lässt auch beim dritten Sieg in Folge Luft nach oben

Gündogan und Kagawa in seliger Eintracht nach dem BVB-Sieg in Stuttgart. Aber wie gut ist die Borussia derzeit wirklich?
Gündogan und Kagawa in seliger Eintracht nach dem BVB-Sieg in Stuttgart. Aber wie gut ist die Borussia derzeit wirklich?
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Mit zehn Punkten aus fünf Spielen hat der BVB die Abstiegsränge erst einmal verlassen. Doch der wahre Leistungsstand der Mannschaft bleibt weiter unklar.

Stuttgart.. Innerhalb weniger Minuten war die Partie erst entschieden, dass wieder offen. Gerade hatte Marco Reus einen katastrophalen Fehlpass Fehlpass des jungen Abwehrspielers Timo Baumgartl erlaufen, hatte Torhüter Sven Ulreich umkurvt und zum 3:1 für Borussia Dotmund beim VfB Stuttgart getroffen (89.). Doch wenig später verkürzte Georg Niedermeier nach einem Eckball per Kopf (90.+1). "Das war nicht clever gemacht, das war vielleicht auch ein bisschen naiv von uns", haderte Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan später. "Das gilt es besser zu machen."

Die große VfB-Schlussoffensive blieb jedoch aus und wenig später pfiff Schiedsrichter Deniz Aytekin die Begegnung ab - und der BVB konnte sich über den dritten Sieg in Serie freuen. "Heute war es kein gutes Spiel", räumte Linksverteidiger Marcel Schmelzer ein. "Aber das ist zweitrangig, weil wir drei Punkte geholt haben." Ähnlich äußerten sich auch seine Mannschaftskameraden.

Tatsächlich können sie in Dortmund bislang ziemlich zufrieden sein mit dem Verlauf der Rückrunde: Zehn Punkte haben sie aus fünf Partien geholt - das sind nur fünf weniger als in der gesamten Hinrunde. Die Abstiegsränge sind erst einmal verlassen. Außerdem spielt die Mannschaft immer stabiler, lässt sich durch Rückschläge - wie Florian Kleins Elfmeter-Treffer zum 1:1 - nicht mehr aus dem Konzept bringen.

BVB lässt gegen Stuttgart Intensität vermissen

Einzelkritik Allerdings gelangen die drei Siege der Rückrunde allesamt gegen Mannschaften, denen es entweder an Form, Klasse oder Selbstvertrauen fehlte - in Stuttgart kamen alle drei Faktoren zusammen. Gegen Stuttgart kontrollierte der BVB zwar vor allem im Mittelfeld die Partie, ließ es in der zweiten Halbzeit aber gehörig an Intensität vermissen und versäumte es, gegen erschreckend schwache Stuttgarter früh alles klar zu machen. Der VfB war ohne jegliche Offensivambitionen oder einen erkennbaren Plan für das eigene Angriffsspiel angetreten - die Spieler, die tatsächlich Fußball spielen können, ließ der Ex-Schalker Huub Stevens allesamt auf der Bank. Dennoch gelangen den Hausherren zwei Tore, nachdem sie 587 Minuten auf einen Heimtreffer hatten warten müssen - und der BVB half wieder einmal kräftig mit.

Zwei Eckbälle wurden äußerst unkonzentriert verteidigt, was neben dem späten Gegentor zu einem Elfmeter für die Schwaben führte (31.). Hätte Schiedsrichter Aytekin Nuri Sahin nach dessen Foul zudem die eigentlich fällige Rote Karte gezeigt, das Spiel hätte auch einen anderen Verlauf nehmen können. "Zwei Gegentore, darüber ärgert man sich als Verteidiger", sagte Neven Subotic. "Wir müssen bei den Standards besser aufpassen und es nicht dazu kommen lassen, dass der Gegner frei vorm Tor steht."

BVB-Torhüter Weidenfeller: "Wir sind noch nicht aus dem Gröbsten raus."

In den nächsten Partien, so der Innenverteidiger, müsse man sich deutlich steigern. Tatsächlich warten zunächst am Dienstag mit der Champions-League-Partie bei Juventus Turin (20.45 Uhr/im Live-Ticker) und am Samstag mit dem Revierderby gegen Schalke 04 (15.30 Uhr/im Live-Ticker) anspruchsvollere Aufgaben.

Spielbericht Diese dürften auch Aufschluss darüber geben, wie es um den BVB wirklich steht, die bisherigen Aufgaben waren eher nicht geeignet, darüber Aufschluss zu liefern. Und so sind es nicht nur leere Phrasen, wenn etwa Torhüter Roman Weidenfeller meint: "Wir sind noch nicht aus dem Gröbsten raus. Es war wichtig, unsere Serie auszubauen, aber es ist alles sehr eng beisammen. Wir müssen an jedem Spieltag liefern."

"Wir dürfen nicht zu sehr an uns glauben", mahnt auch Subotic. "Aber auch nicht zu wenig, was in den vergangenen Wochen oft der Fall war." Wenn dieser Balanceakt gelingt, dürfte sich zumindest das Thema Abstieg für den BVB bald erledigt haben.