BVB-Kapitän Kehl quält sich in Los Angeles
13.01.2010 | 20:20 Uhr 2010-01-13T20:20:00+0100
Dortmund. Sonnige 25 Grad, den Pazifik vor der Haustür und Beverly Hills in Reichweite: Es dürfte einige Zeitgenossen geben, die im Moment gerne mit Sebastian Kehl tauschen würden. „Wenn die von meinem Tagesprogramm in Los Angeles hören, würde sich das schnell erledigt haben“, sagt der BVB-Kapitän.
Während seine Mitspieler erst in Marbella waren und sich jetzt in Dortmund auf den Rückrundenbeginn vorbereiten, ist Sebastian Kehl zum Aufbautraining nach Kalifornien gereist. In den Räumen des „Home Depot Centers“ von US-Fitnesspapst Mark Verstegen, in dem sich auch die Größen aus Baseball und American Football in Form bringen, lässt er sich 14 Tage lang quälen. Er kennt Verstegen von der deutschen Nationalmannschaft. BVB-Athletiktrainer Oliver Bartlett, ein Bekannter des US-Amerikaners, hat den Kontakt in die Staaten reaktiviert. Von morgens 9.30 Uhr bis 18 Uhr absolviert der BVB-Kapitän täglich zwei Einheiten.
Nachdem die Sehnentzündung am Schambein, die den 29-Jährigen monatelang gebremst hatte, abgeklungen ist, steht der Muskelaufbau an der sensiblen Körperstelle im Vordergrund.
Daneben stehen koordinative Übungen an, Bewegungsabläufe werden auf dem Laufband und auf dem Rad optimiert. „Und ein bisschen Ausdauerarbeit kommt noch dazu.“ Ein eigens abgestellter Trainer kümmert sich darum, dass das Tagesprogramm, zu dem auch ein speziell zusammengestellter Ernährungsplan gehört, peinlich genau eingehalten wird. „Das ist unglaublich professionell hier“, sagt der BVB-Kapitän. Und alles andere als Wellness-Training. „Wenn ich abends ins Hotel komme, bin ich platt.“
Was Sebastian Kehl antreibt, ist die Hoffnung auf sein Comeback in der Rückrunde. Das letzte BVB-Spiel hat er am 23. Mai 2009 absolviert. Es folgte eine Leistenoperation. In der Vorbereitung zog er sich einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zu, dann folgte die Sehnentzündung am Schambein.
Ein weiterer Eingriff wurde Ende Oktober notwendig. Seitdem quält sich Kehl geduldig durchs Aufbautraining. Mit Lichtblicken. Im Dezember durfte er aus dem Fitnessraum auf die Laufbahn wechseln. In Los Angeles spielte er endlich ein paar Pässe mit Ball. „Wir arbeiten konzentriert und intensiv. Und es geht Schritt für Schritt vorwärts“, sagt er, bremst aber jegliche Euphorie: „Die Probleme sind nicht weg. Gehext wird auch hier nicht.“
Kehl will sich nicht unter Druck setzen lassen. Sein 30. Geburtstag am 13. Februar stand als Rückkehr-Datum im Raum. Dann wurde mit Anfang März als Rückkehr-Termin in den Kader spekuliert. „Ich werde keinen Termin mehr rausgeben. Ich hoffe, dass es in den nächsten Wochen gut läuft.”
Am morgigen Freitag ist erst einmal die Arbeit in Los Angeles beendet. Samstag geht es zurück nach Dortmund, wo sich der dreijährige Sohn Luis besonders auf den Papa freut.
Vor dem Rückflug will sich Kehl noch ein kleines Schmankerl als Belohnung gönnen. Am Freitagabend spielen in der Profibasketball-Liga NBA die Los Angeles Lakers gegen den Stadtrivalen LA Clippers. Da würden doch wieder einige Zeitgenossen gerne mit dem BVB-Kapitän tauschen.
ZUR PERSON
Kapitän und Mannschaftsrat-Mitglied Sebastian Kehl spielt seit Januar 2002 für Borussia Dortmund. Der gebürtige Hesse, dessen Eltern ein Hotel betreiben, stammt aus Fulda und spielte vorher für den SV Lahrbach, Borussia Fulda, Hannover 96 und den SC Freiburg.
Der Mittelfeldspieler, der am 13. Februar 30 Jahre alt wird, trägt die Rückennummer 5, hat 31 A-Länderspiele absolviert und ist Vater von zwei Kindern.

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