BVB-Kapitän Hummels und Bundestrainer Löw sind sich uneinig

Die Szene, die Deutschland den Sieg kostete: Mats Hummels kommt gegen den Iren John O'Shea zu spät.
Die Szene, die Deutschland den Sieg kostete: Mats Hummels kommt gegen den Iren John O'Shea zu spät.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Innenverteidiger Mats Hummels, Nationalspieler in Diensten Borussia Dortmunds, kam bei Irlands Last-Minute-Ausgleich einen Schritt zu spät. Bundestrainer Joachim Löw tätigte darauf eine Äußerung, die man auch als Kritik am 25-jährigen Dortmunder auslegen könnte. Das hätte eine Vorgeschichte.

Gelsenkirchen.. Mats Hummels verließ das Stadion in Gelsenkirchen mit einer Kappe auf dem Kopf und einem Vorwurf im Gepäck. Der Dortmunder Abwehrchef war derjenige, der an letzter Stelle den Ausgleichstreffer zu diesem einigermaßen entsetzlichen 1:1 gegen harmlose Iren nicht verhindern konnte. Um Zentimeter verpasste seine Schuhsohle den Ball. Es waren die entscheidenden Zentimeter.

„Man wird wahrscheinlich mir die Schuld geben“, sagte der 25-Jährige. Er meinte vermutlich: die Medien, die Experten in den Fernsehsendungen, die Zuschauer. Dabei war es der Bundestrainer höchstpersönlich, der seinen Defensivkünstler in der Schuldfrage nach vorn schubste. Dass die Iren unbedrängt flanken und im Strafraum zur Vorlage köpfen konnten, war Löw auch aufgefallen („die Flanke hätte man verhindern können“). Aber am Ende entschloss er sich festzuhalten: „Ein Mats Hummels in bester Verfassung wäre da sicher präsenter gewesen.“

Hummels Doch von fehlender Präsenz wollte der sanft Getadelte nichts wissen. „Als die Flanke geschlagen wird, stehen wir zu dritt gegen vier Mann. Ich bin hinten bei zweien. Ich bin ganz ehrlich: Ich sage, wenn es ein Fehler von mir war, aber in dem Fall bin ich da anderer Meinung. Ich kann nur versuchen, beide zu decken und einzugreifen“, erklärt sich Hummels.

Das alles wäre auch nur halb so aufregend, wenn es nicht diese Vorgeschichten gäbe, die man sich im schwarz-gelben Fußball-Land voller Entrüstung immer wieder leidenschaftlich erzählt.

BVB-Verteidiger standen schon einmal am öffentlichen Pranger

Vom Sommer 2012, als das Halbfinale der EM gegen Italien verloren ging. Hummels hatte eine Flanke zugelassen, die zum Rückstand führte - und Löw zählte den Dortmunder dafür öffentlich an. Vom Herbst 2012, als Löw – sonst eher sparsam mit öffentlicher Kritik – in nie gekannter Weise auf den Borussen Marcel Schmelzer losging und wissen ließ, dass er sich keine Linksverteidiger schnitzen könne. Vom Herbst 2013, als die deutsche Mannschaft 3:3 gegen Paraguay spielte und ein Wimmelbild an Fehlern darstellte.

Namentlich erwähnt vom Bundestrainer wurde indes vor allem: Hummels. „Wenn Fehler Namen kriegen, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass es ein Spieler von uns ist“, stellte BVB-Trainer Jürgen Klopp damals kritisch fest.

Doch seither ist viel passiert. Löws Vertrauen in die Fähigkeiten von Hummels ist überliefert. Und zusammen sind sie gerade erst Weltmeister geworden. Der Nährboden für ein Politikum sieht anders aus.