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BVB-Chef Watzke: Mehr Geld für Fan-Magneten

26.08.2009 | 19:44 Uhr
BVB-Chef Watzke: Mehr Geld für Fan-Magneten

Dortmund. Die ganz große Krise hat Borussia Dortmund überstanden: Das finanzielle Desaster, das den Klub fast zerstört hätte. Der Faktor Geld aber bestimmt weiterhin den Alltag in der Bundesliga. Mit Hans-Joachim Watzke, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung des BVB, hat Frank Lamers gesprochen.

Über Druck, Verteilungsgerechtigkeit und die seherische Kraft der Geldtabelle. Für die Borussia sieht sie Platz acht voraus. Im Normalfall.

Herr Watzke, ein kleines Spiel mit Geld. Stellen Sie sich eine Liga mit nur drei Vereinen vor. Der erste kann zehn Millionen Euro ausgeben, der zweite 50, der dritte 250 Millionen. Wer wird Meister?

Watzke: Immer der mit den 250 Millionen. In dem Moment, in dem die Etats etwas näher zusammenrücken, ändern sich die Wahrscheinlichkeiten. Aber nie grundlegend. Das beste Beispiel ist doch der VfL Wolfsburg. Der hatte doch kaum eine Chance, in den Uefa-Cup zu kommen, und dann hat sich auf einmal sein Budget verdreifacht, und er ist Meister geworden.

In welchen Regionen bewegen wir uns gerade?

Hans-Joachim Watzke Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Foto: Thomas Nitsche

Watzke: Ich kann es nicht genau sagen. Man muss sehen, was den Lizenzspieleretat ausmacht. Der wird bei Wolfsburg zwischen 50 und 60 Millionen liegen. Man muss aber auch noch die Transfers dazu nehmen, für die man ja Geld ausgibt. Und wenn ich mir da leisten kann, nach Millioneninvestitionen in der vergangenen Saison vor dieser Spielzeit für einen dritten Stürmer noch einmal 10,5 Millionen hinzulegen, merkt man, welche Wirtschaftskraft im VfL steckt. Und das ist so, weil Martin Winterkorn, der Vorstand von Volkswagen, gesagt hat: Jetzt will ich es mal allen zeigen.

Es gibt aber die Fußballidee, dass man mit Leidenschaft und tollem Trainer dagegen halten kann.

Watzke: Schauen Sie, es gibt doch im unteren Bereich der Bundesliga exzellente Trainer. Der Robin Dutt beim SC Freiburg leistet doch überragende Arbeit. Aber dann kommt Leverkusen mit den Stars, und wenn bei denen an diesem Tag nicht alles schief und bei Freiburg alles glatt läuft, dann gewinnt Leverkusen. Du kannst es natürlich an einem Tag auch schaffen. Aber wir haben 34 Spieltage, und da ist die Prognose möglich: Freiburg wird hinter Leverkusen landen.

Welche Position besetzt denn Borussia Dortmund in der Geldtabelle?

Watzke: Ich sehe uns auf Platz acht.

Wenn dieser Platz am Ende der Saison . . .

Watzke: . . . rausspringen würde, wäre es der Normalfall . . .

. . . aber die Fans wären enttäuscht, und von einigen Medien zumindest würden Sie attackiert werden.

Watzke: Das mag sein, hätte aber mit einer Verkennung der Lage zu tun. Platz acht wäre der Normalfall. Man muss aber sehen, dass der Fußball im oberen Liga-Bereich enger zusammengerückt ist. Das hat es ja früher nicht gegeben, dass ein Klub wie der VfL Wolfsburg, der nach 17 Spieltagen auf Platz neun stand, Meister wird. Umgekehrt hat es auch nicht gegeben, dass ein Klub wie Hoffenheim Herbstmeister wird und am Ende nur Siebter.

Es gibt Druck von außen, der diese ökonomischen Kriterien selten einbezieht, der ist irrational, und Klubführungen reagieren häufig irrational darauf.

Watzke: Wir geben diesem Druck nicht nach. Wir hatten in der vergangenen Saison einen finanziellen Aufwand für die Lizenzspielermannschaft von 36,5 Millionen Euro. Wir haben diesen Aufwand um drei Millionen reduziert, obwohl wir auch hätten sagen können: Wir waren Sechster, unglücklich, jetzt müssen wir aber mal reinhauen, und dann werden wir Fünfter.

Klar ist aber, wer oben ist, bleibt oben, und wer unten ist, bleibt unten.

Watzke: Das bildet sich in jeder anderen Branche ähnlich ab. Es gibt Riesen und Nischenanbieter. Ungewöhnlich ist nur, wenn die Wettbewerbsbedingungen nicht mehr stimmen. Es gibt ja Klubs, die sind gar nicht mehr darauf angewiesen, Einnahmen zu generieren.

Die FAZ hat berichtet, Sie hätten den – ein Zitat – bizarren Vorschlag gemacht, Traditionsklubs sollten aus dem TV-Topf besser bedient werden als die Neureichen.

Watzke: Ich habe nicht gesagt, ein Klub soll mehr Geld kriegen, weil er große Tradition hat. Ich habe für Verursachungsgerechtigkeit plädiert. Das Geld kommt überwiegend vom TV. Es gibt Messinstrumente, wie viele Fans von welchem Klub zuschauen. Und danach sollte man zumindest einen Teil des Fernsehgeldes verteilen.

Bedeutet: wenn der BVB gegen Wolfsburg spielt: mehr Kohle für Dortmund?

Hans-Joachim Watzke bei der Bilanzpressekonferenz der BVB KgAG im Signal Iduna Park. Foto: C. Bauer

Watzke: Genau. Wenn zehn- oder zwanzigmal so viele Fans des BVB zum Beispiel Abonnenten von Sky sind und Spiele gucken, dann muss das im Sinne der Verursachungsgerechtigkeit für uns einen Erlös bringen. Wir sind doch gemeinsam mit Schalke, Bayern, Hamburg und ein paar anderen die, die den Boom erzeugen.

Und letztlich VW den Werbeeffekt bescheren?

Watzke: Genau. Es gibt natürlich auch Traditionsklubs, die reißen keinen Hering mehr vom Teller. Mir geht es aber darum: Wir sorgen mit unserem Umfeld dafür, dass die Liga boomt. Und das muss uns in irgendeiner Weise vergütet werden. Wenn es nur nach Erfolg geht, dann ist es so: VW schießt das Geld rein, kassiert am Ende, und wir sind für die Folklore zuständig. Unsere Fans reisen in 8000er-Stärke weiter durch die Lande und die Fans dieser Klubs enthalten sich vornehm.

Wäre die Aufhebung der 50+1-Regel, die besagt, dass Vereine in Vereinshand bleiben müssen, eine Möglichkeit, Chancengleichheit mit den Großsponsoren-Klubs herzustellen? Hannover-96-Präsident Martin Kind fordert das.

Watzke: Nein. Du kannst auch Sponsoren im 50+1-Modell gewinnen. Wir haben doch welche. Und wir nehmen jeden weiteren gern ins Auto, aber am Steuer möchten wir schon gerne selbst bleiben. 2006 haben wir 54 Millionen Euro Investorengeld reinbekommen, ohne dass wir den Autoschlüssel abgeben mussten. Herr Kind ist bereit, für 15 bis 20 Millionen für Hannover den Autoschlüssel abzugeben. Aber wenn du den abgibst, kommst du nie wieder zurück ans Steuer. Und es kann doch nicht sein, dass sich in Saudi-Arabien oder in China in irgendeiner Teestube acht Leute zusammensetzen und sagen: Das ändern wir jetzt in Deutschland. Für mich ist der Fußball, und das gerade hier im Ruhrgebiet, auch ein Kulturgut. Er gehört auch den Leuten.

Frank Lamers

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Kommentare
29.08.2009
12:17
BVB-Chef Watzke: Mehr Geld für Fan-Magneten
von Rentner4rr | #31

Dreht Watzi jezt voll durch

27.08.2009
16:45
BVB-Chef Watzke: Mehr Geld für Fan-Magneten
von Martin7680 | #30

@ Rafi

92 Prozent Auslastung in Mittelmaßzeiten sprechen doch eine deutliche Sprache für unser zu grosses Stadion. Das schönste der Welt halt.

27.08.2009
14:28
BVB-Chef Watzke: Mehr Geld für Fan-Magneten
von Huskyeyes | #29

@#27 rafl

Kannst du mir bitte mal sachlich logisch erklären, wieso das Westfalenstadion zu groß sein soll?
Da ich ansonsten völlig konform gehe mit Sachlich wäre ich dir sehr verbunden, wenn wir mal vernünftig miteinander diskutieren.
D. h. ohne unsere Brillen. Meine ist übrigens schwarz-gelb. ;-))

27.08.2009
12:19
BVB-Chef Watzke: Mehr Geld für Fan-Magneten
von Sachlich | #28

>Damals waren alle von der großartigen Zukunft >des Vereins und damit der Aktien felsenfest >überzeugt, die haben doch nicht im Traum an >einen sportlichen Absturz gedacht.

Eben. Die Verantwortlichen wohl auch nicht.

27.08.2009
11:23
BVB-Chef Watzke: Mehr Geld für Fan-Magneten
von rafl | #27

Auch als S04-Fan, sehe ich das Finanzgebaren des eigenen Vereins sehr kritisch. Da hätte ich viele Fragen an die Verantwortlichen - die viele der Mitfans nicht hören wollen. Aber das ist nicht Thema diese Artikels.
Ich habe keine Probleme damit, dass es herausragende Sponsoren für einzelne Vereine gibt. Das hat große Tradition im Ruhrgebiet und war zu früheren Zeiten viel ausgeprägter.
@Sachlich: Die Aktien sind seinerzeit ganz normal über Banken als zukunfstsorientiertes Papier verkauft worden. Einem Sportsfreund sind sie vom Bankberater als ertragreiches Papier angeboten worden, da die Mannschaft in den folgenden 10 Jahren mindestens dreimal Deutscher Meister würde und einmal den Championscup gewinnen würde. Mit anderen Worten: Es war von Anfang an klar, dass das alles nur mit(!) den 160 Millionen zu erreichen ist (ein Darlehen ohne Verzinsungs- und Rückzahlungspflicht)! Und außerdem durfte sportlich nichts schief gehen (was aber passiert ist). Glauben Sie wirklich, die damaligen Vereinsbosse konnten nicht rechnen? Die wussten genau, worauf sie sich eingelassen hatten.
Nur die meisten Fans und Investoren haben es nicht gewusst. Kein Problem, wenn man als Fan 10 Aktien gekauft hat! Aber wenn man 1000 oder 10000 besitzt, sieht die Sache schon anders aus. Und nicht vergessen: Damals waren alle von der großartigen Zukunft des Vereins und damit der Aktien felsenfest überzeugt, die haben doch nicht im Traum an einen sportlichen Absturz gedacht.

27.08.2009
10:21
BVB-Chef Watzke: Mehr Geld für Fan-Magneten
von Sachlich | #26

@rafl:

Du bist Schalker, oder? Ich auch. Trotzdem versuche ich, Aktionen des BVB objektiv zu betrachten und auch die Aktionen des S04 nicht nur durch die blau-weiße Brille zu sehen. Also wollen wir mal nicht so tun, als ob es Schalke keine Tendenz gäbe, sich benachteiligt zu fühlen. Erwähnt sei hier der indirekte Freistoß für Bayern am letzten Spieltag der Saison 2000/2001, den man wegen der schwierigen Entscheidung, ob die Rückgabe des Hamburger Feldspielers an den Torwart absichtlich erfolgte oder nicht, zwar nicht geben musste, aber geben konnte.

Bzgl. der Aktien: Glaubst Du vielleicht, dass die ihre Fans absichtlich reingelegt haben? Und welcher normale Fan hat denn so viele Aktien gekauft, dass er von seinem mühsam Ersparten eine bedeutende Summe verloren hat? Wie viele Fans haben sich denn deswegen vom BVB abgewendet?

Ich finde, dass Herr Watzke nicht Unrecht hat, weder was die Ähnlichkeit zwischen der Geldtabelle und der sportlichen Tabelle betrifft, noch was die Verteilung der Fernsehgelder betrifft. Und ich glaube, dass viele blau-weiße Fans das genauso sehen würden, wenn nicht Herr Watzke, sondern jemand anders das gesagt hätte, erst recht dann, wenn es einer der S04-Verantwortlichen gesagt hätte.

27.08.2009
10:06
BVB-Chef Watzke: Mehr Geld für Fan-Magneten
von Tagina | #25

Grundsätzlich finde ich den Denkansatz von Herrn Watzke durchaus nachvollziehbar. Allerdings sollte man auch bedenken, daß die Liga dadurch immer uninteressanter wird. Die kleinen Vereine wie Freiburg, Mainz, Nürnberg, Bochum... haben dann überhaupt keine Chance mehr oben mitzuspielen, was ja auch heute schon sehr schwierig ist. In der Vergangenheit war es ja immer einmal möglich, daß sich Vereine wie Freiburg oder Bochum für den UEFA-C Cup qualifiziert haben, das wird es dann in Zukunft nicht mehr geben. Die Schere geht immer weiter auseinander. Ich denke, die großen Vereine können sich über Sponsorenverträge Mehreinnahmen sichern. Außerdem spielen diese Vereine ja auch international und da werden ja richtige Fernsehgelder kassiert.
Also, lasst die kleinen Vereine nicht ausbluten, denn dann wird die Bundesliga langweilig.

27.08.2009
10:00
BVB-Chef Watzke: Mehr Geld für Fan-Magneten
von 1848Fan | #24

Der Vorschlag von Watzke basiert schon mal auf der richtigen Analyse: Geld schießt doch Tore - und das Geld in der Bundesliga ist extrem ungleich verteilt, was wiederum zu einer Zementierung der Kräfteverhältnisse führt. Oben: immer die selben, ebenso wie unten. Wer einmal an den Fleischtöpfen der internationalen Wettbewerbe war, bekommt so viel Kohle, dass sich bequem Spitzenspieler kaufen lassen - Sachverstand im Management vorausgesetzt.
Ich würde noch weiter gehen als Watzke und ein weiteres Korrektiv vorschlagen: Pro fünf Millionen Euro Netto-Transfersumme gibt´s vor Bundesligastart einen Abzug von einem Punkt. Wer 20 Millionen investiert, geht mit vier Punkten Minus in die Saison, wer 25 ausgibt, erhält 5 Punkte Abzug. Den Großen, die alle um die 20-30 MIo raushauen, tut das untereinander kaum weh, aber für die Kleinen bietet der Punktevorsprung die Chance, leichter einen internationalen Wettbewerb zu erreichen, etwa die Euro-League. Und sich so zusätzliche Einnahmen zu verschaffen.
Noch was: Wie will Watzke eigentlich gegenüber Sky belegen, wie viele Abonnenten BVB-Fans sind? Selbstauskunft bei Vertragsabschluss? Da lacht sich die Ligakonkurrenz aber ganz schön scheckig...

27.08.2009
09:46
BVB-Chef Watzke: Mehr Geld für Fan-Magneten
von rafl | #23

Schaut doch mal genau hin! Alle Verantwortlichen beim BxB machen dasselbe: Propaganda, damit möglichst viele Zuschauer ins eigene (eigentlich viel zu große-auch deshalb das finanzielle Desaster) Stadion kommen. Und ein probates Mittel dabei ist die Solidarisierung der Fans. Das erreichen sie ganz einfach dadurch, dass sie die Mär von dem immer benachteiligten BxB in die Welt setzen: Entweder entscheiden die Schiedsrichter immer gegen das eigene Team oder aber wie hier, die Geldgeber haben sich die falschen Vereine gesucht.

Zur Finanzierung der Vereine, lieber Herr W. nur soviel: Der BxB hat sich nur gerettet, indem er sich mit 160 Millionen am Aktienmarkt bedient hat. Dass echte Fans so ein Papier kaufen, und dass denen der Kursverlauf egal ist, ist ja o.k.! Aber was ist mit denen, die ihr mühsam Erspartes verloren haben? Das ist wirklich schäbig!
Außerdem, lieber Herr W., sollten Sie sich einmal mit der Geschichte der Fußballvereine befassen! Dann wüssten Sie nämlich, dass Förderung durch einzelne große Sponsoren eine große Tradition - gerade im Ruhrgebiet - hat! Dies war so bis zum Ende der 50er Jahre!

27.08.2009
08:57
BVB-Chef Watzke: Mehr Geld für Fan-Magneten
von dette09 | #22

und wat willste damit sagen, Düsseldorfer? Soli im bezahlten Profifussball??
Mainz werden jetzt auch mehr Leute im TV anschauen. Und die Trikots von Bayern kriegste zur Zeit für 59,90.
Marktwirtschaft funktioniert anders wie schlappe Vereinsdenke. Der Denkansatz von Watzke zur TV-Geldverteilung ist richtig.

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