BVB bezahlte Spieler mit Hoeneß-Kredit

Schwarzgelber Gönner: Uli Hoeneß (l.) und seine Bayern liehen dem finanziell bereits angeschlagenen BVB im Jahr 2004 zwei Millionen Euro. Mit dem Kredit finanzierte Borussia Dortmund auch das Gehalt von Sebastian Kehl (r.).
Schwarzgelber Gönner: Uli Hoeneß (l.) und seine Bayern liehen dem finanziell bereits angeschlagenen BVB im Jahr 2004 zwei Millionen Euro. Mit dem Kredit finanzierte Borussia Dortmund auch das Gehalt von Sebastian Kehl (r.).
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Was wir bereits wissen
Der Präsident und sein FC Bayern haben Borussia Dortmund in der Finanzkrise 2004 zwei Millionen Euro geliehen. Mit dem Darlehen finanzierte Hoeneß so beispielsweise das Gehalt von Sebastian Kehl, bei dessen Transfer die Dortmunder und die Münchener heftig konkurriert hatten.

Dortmund/München.. Wenn der FC Bayern München Anfang April im Stadion von Borussia Dortmund aufläuft, dürften die BVB-Fans den Rekordmeister aus dem Süden der Republik mit der bekannten wie gewachsenen Abneigung begrüßen. Auch für Bayern-Präsident Uli Hoeneß werden sie auf der Dortmunder Südtribüne ganz sicher keine Banner mit der Aufschrift „Danke Uli“ oder „Hoeneß Forever“ hissen. Trotz der jüngsten Enthüllung, mit der der Präsident und Ex-Manager des FC Bayern genau das tat, was er als Abteilung Attacke schon immer so gerne gemacht hatte: für Aufmerksamkeit sorgen.

BVB Uli Hoeneß kam nach dem ärgerlichen 1:1 seiner Bayern in Hamburg bei einem Fantreffen ins Plaudern und landete irgendwann beim amtierenden Meister und neuen Tabellenführer Borussia Dortmund. „Als die Dortmunder mal gar nicht mehr weiter wussten und Gehälter nicht mehr zahlen konnten, haben wir ihnen zwei Millionen Euro gegeben“ verriet der Bayern-Präsident.

„Wenn das so war, dann Danke“, schickte BVB-Trainer Jürgen Klopp am Montag einen Gruß an Hoeneß. Auf Nachfrage der WAZ bestätigte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den ungewöhnlichen Liga-Finanzausgleich. „Es stimmt. Das war 2004“, erinnert sich Watzke, der Anfang 2005 BVB-Geschäftsführer wurde. „Mitte 2005 haben wir die letzte der drei Raten zurückgezahlt.“ Samt fünf Prozent Zinsen. Watzke weiter: „Ich hätte so etwas nicht gemacht. Du kannst unmöglich Geld von einem Wettbewerber nehmen. Aber offenbar gab es keine andere Möglichkeit mehr.“ Der BVB, damals unter Führung des Duos Michael Meier und Gerd Niebaum, war bereits in finanzieller Schieflage. Anfang 2005 konnten bei einer denkwürdigen Veranstaltung am Düsseldorfer Flughafen die drohende Insolvenz und der Kollaps des Traditionsklubs abgewendet werden.

FC Bayern Es war nicht das einzige Mal, dass die Bayern einen anderen Klub unterstützten. Auch 1860 München oder dem FC St. Pauli griff der Rekordmeister unter die Arme. „In den letzten 20 Jahren haben wir zehn, 15 Vereinen geholfen, zu überleben”, verriet Hoeneß beim Fantreffen. Nur war der BVB 2002 Meister geworden und auch danach Bayern-Herausforderer. Mit dem Darlehen finanzierte Hoeneß so beispielsweise das Gehalt von Sebastian Kehl, bei dessen Transfer die Dortmunder und die Bayern heftig konkurriert hatten. Die Leihgabe hatte BVB-Manager Michael Meier eingefädelt. „Ich kann das bestätigen. Der BVB hatte stets ein gutes Verhältnis zum FC Bayern“, sagte Meier gestern.

BVB-Aktionär Hoeneß

Kommentar Uli Hoeneß dürfte es weniger um seine BVB-Aktien gegangen sein, von denen er und Ehefrau Susi im Familiendepot mehrere tausend Stück besitzen. Marco Blumberg, Vorsitzender der BVB-Fan- und Förderabteilung, sieht die süddeutsche Finanzspritze als Form der Wertschätzung: „Jedes Unternehmen hat mal eine Durststrecke. Und aus Bayern-Sicht ist eine Bundesliga ohne BVB nicht sinnvoll.“ Blumberg geht noch einen frechen Schritt weiter: „Ich würde mich dafür einsetzen, dass wir die Bayern unterstützen, wenn es ihnen mal schlecht geht.“

Für dieses schwarzgelbe Angebot dürfte der Umsatz-Gigant aus dem Bundesland, wo „Milch und Honig fließen“ (Watzke), auch in Zukunft keinerlei Bedarf haben. Und auch die Dortmunder, weitgehend saniert und sportlich inzwischen auf Augenhöhe mit den Bayern. benötigen deren Unterstützung nicht mehr. Allein das Engagement des neuen Ausrüsters Puma (ab Sommer 2012) sowie die bis 2016 verlängerte Zusammenarbeit mit Evonik garantieren knapp 100 Millionen Euro.