Borussia Dortmund hadert mit Schlafmützigkeit in Wolfsburg

Vor allem in den ersten Minuten fehlte Borussia Dortmund in dieser Saison oft die Konzentration.
Vor allem in den ersten Minuten fehlte Borussia Dortmund in dieser Saison oft die Konzentration.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
In der laufenden Saison kassierte der BVB zum vierten Mal ein Gegentor in der ersten Minute. Nach dem Spiel in Wolfsburg herrschte Ratlosigkeit.

Wolfsburg.. BVB-Abwehrspieler Marcel Schmelzer blieb nur die Flucht in den Sarkasmus. Der Linksverteidiger wurde gefragt, was man denn künftig besser machen müsse als bei der 1:2-Niederlage beim VfL Wolfsburg. "Dass wir in der ersten Minute kein Gegentor kriegen", antwortete Schmelzer. "Das ist die erste Aufgabe, die wir in dieser Woche angehen."

Denn das mit den frühen Gegentreffern ist eine der vielen unrühmlichen Geschichten, die der BVB in dieser Saison geschrieben hat. Nach 42 Sekunden konnte der Wolfsburger Daniel Caligiuri der in dieser Szene vollkommen konfusen Dortmunder Hintermannschaft enteilen und weitgehend unbehelligt einschieben - es war bereits das vierte Mal in der laufenden Saison, dass der BVB in der ersten Minute in Rückstand geriet. Gleich im ersten Saisonspiel hatte Roman Weidenfeller gegen Bayer Leverkusen nach neun Sekunden hinter sich greifen müssen (Endergebnis 0:2), es folgten schnelle Rückschläge gegen Mainz 05 (4:2) und Borussia Mönchengladbach (1:3). Das ist mit deutlichem Abstand Ligaspitzenwert - und eine Bestmarke, auf die man in Dortmund gerne verzichtet hätte. BVB-Analyse

"Ich glaube, das ist absoluter Weltrekord", hatte BVB-Sportdirektor schon vor einigen Wochen in Gladbach geätzt. "Das ist nicht zu akzeptieren. Das sagt viel aus, das ist Schläfrigkeit." Dass der BVB den zweifelhaften Rekord nun sogar ausbaute, sorgte vor allem für: Ratlosigkeit. Während sich Zorc lieber gar nicht äußern wollte, suchten die Spieler vergeblich nach Erklärungen.

Jürgen Klopp: "In zwei Minuten waren wir nicht richtig da"

"Das ist erschreckend und unerklärlich", haderte Sebastian Kehl. "Du nimmst dir so viel vor und gehst schon wieder in der ersten Minute in Rückstand." Und ein wütender Kevin Kampl ergänzte: "Das darf uns nicht passieren. Das ist völlig unnötig, da müssen wir einfach wacher sein." Denn, so attestierten es sich die Schwarz-Gelben selbst ein wenig zu positiv: Eigentlich hatten sie einen ordentlichen Auftritt hingelegt. "Das war ein relativ gutes Spiel über 91 Minuten", sagte etwa BVB-Trainer Jürgen Klopp. "Aber in zwei Minuten waren wir nicht richtig da."

Denn auch zu Beginn der zweiten Halbzeit dauerte es nicht lange - keine vier Minuten -, bis die Dortmunder wieder ein Gegentor kassiert hatten: Nach einem Eckball konnte der Ball nicht entscheidend geklärt werden und Wolfsburgs Abwehrhüne Naldo schoss ein. "Wir haben uns in der Halbzeitpause nochmal gesagt, dass wir bei Standards aufpassen müssen", haderte Kampl. "Und dann kommst du raus und kriegst gleich ein Tor durch eine Ecke. Das darf niemals passieren." Einzelkritik

Zwar hätte Schiedsrichter Marco Fritz diesen Treffer wohl wegen einer Abseitsstellung zurückpfeifen müssen - ein Wolfsburger nahm BVB-Keeper Mitch Langerak die Sicht auf den Ball -, dennoch hätte man diese Situation besser verteidigen müssen. "Zwei von uns bekommen den Ball an die Hüfte - das ist unglücklich, aber da konnte man es schon nicht mehr verteidigen", meinte Linksverteidiger Marcel Schmelzer. "Das muss man schon vorher besser machen, indem man die Ecke gar nicht bekommt. Da haben wir uns selbst in Bedrängnis gebracht."

"Viel Aufwand für nichts" Kehl

Die frühen Rückschläge wiegen auch deswegen so schwer, weil der BVB nach einer Saison voller Tiefschläge nicht mit jenem unerschütterlichen Selbstbewusstsein und jener unaufhaltbaren Selbstverständlichkeit der vergangenen Jahre daher kommt, die es oft erlaubte, einen Rückstand noch in einen deutlichen Sieg zu verwandeln. Ganz anders in Wolfsburg. "Das zweite Gegentor hat uns teilweise verunsichert", räumte Kampl ein. Nach vorne gelang nicht mehr viel, der VfL hatte die Partie meist im Griff und hätte auch höher gewinnen können, hätte er seine Konter nicht so fahrlässig verdaddelt.

"So ist es, wie es ist", resümierte Trainer Klopp. "Viel Aufwand für nichts. Und darin haben wir ja relativ viel Übung in dieser Saison."