Beim BVB herrscht nach Pleite bei FC Arsenal Alarmstufe Gelb

Zufriedenheit sieht anders aus: Henrikh Mikhitaryan beim 0:2 in London.
Zufriedenheit sieht anders aus: Henrikh Mikhitaryan beim 0:2 in London.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Nach der 0:2-Niederlage beim FC Arsenal stellt sich bei Borussia Dortmund die Mentalitätsfrage: Kann der BVB nicht einmal mehr Zweikampf? Klopp: „Wir müssen nicht den perfekten Fußball spielen, sondern Ergebnisse erzielen.“

London.. Wie gut es doch manchmal ist, ein wenig vor der Sicherheitskontrolle warten zu müssen. Den Fußballern von Borussia Dortmund brachte diese eigentlich unwillkommene Zeit am Londoner Flughafen Luton etwas gute Laune ein, weil sich zu ihren Füßen zwei Knirpse tummelten. Sie gehörten zu einer anderen Reisegruppe und fegten mit ihren bunten Kinder-Köfferchen, an die blinkende Rollen montiert waren, durch die Halle, dass es ein unbeschwertes Lächeln in die Gesichter von Trainer Jürgen Klopp und seiner niedergeschlagenen Gefolgschaft zauberte. Ansonsten: leere Blicke, Müdigkeit, Schweigen.

Es ist ein Schweigen, das doch einiges preisgibt nach dieser 0:2-Niederlage in der Champions League beim FC Arsenal in London. Michael Zorc hatte nach dem Spiel ebenfalls zunächst nichts gesagt, als er gefragt wurde, wie es zu dieser Niederlage hatte kommen können. Er überlegte einige Sekunden, und es war dem Dortmunder Sportdirektor anzumerken, dass die Umstände der Niederlage noch schwer in ihm arbeiteten, dass er sich zusammen nehmen musste, um nicht versehentlich allzu garstig zu formulieren. Schließlich sagte er, dass die Arsenal-Spieler „deutlich zweikampfstärker“ gewesen seien und „den Körper in die Zweikämpfe reingestellt“ hätten.

Ginter: „Das Spiel war ein Rückschritt“

Kommentar Das war, was jeder schon hatte beobachten können. Aber es bedeutete gleichzeitig, dass es derzeit viel schlimmer um die Borussia bestellt ist als gemeinhin angenommen. Alarmstufe Gelb beim BVB. Mindestens. Denn Zorc warf seiner Mannschaft damit indirekt vor, die einfachsten Dinge des Fußballs eben nicht in die Waagschale geworfen zu haben. Es ist ja kein größeres Können vonnöten, sich in Zweikämpfen zu behaupten, sondern lediglich ein Mindestmaß an Konzentration, Überzeugung und Willen. Doch Dortmund wirkte eher gelähmt, vor allem nach dem frühen Rückstand. „Das Spiel war ein Rückschritt“, gestand der bisweilen überforderte Innenverteidiger Matthias Ginter.

Das ist umso bemerkenswerter, da in den vergangenen Tagen nahezu alle rhetorischen Register schon gezogen worden waren. In flammenden Reden hatte sich BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in Mitglieder- und Aktionärsversammlungen an die Mannschaft gewandt. „Blut, Schweiß und Tränen“ forderte er ein. Zu sehen war davon in London: nichts.

Wechsel von Taktik und Personal

Trainer Jürgen Klopp hatte vor der Partie glaubwürdig erklärt, dass das Spielchen in der bisherigen Komfortzone Königsklasse bestens dazu geeignet sei, Sicherheit und Zuverlässigkeit für das triste Alltagsgeschäft Bundesliga zu generieren. Zu sehen war davon: nichts. Klopp wechselte das taktische Korsett und das Personal. Die Folge: ein unharmonischer Auftritt in allen Mannschaftsteilen.

Bezogen auf die Champions League, in der die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass der BVB abschließend gegen Anderlecht mindestens das nötige Remis errreicht, um als Gruppensieger ins Achtelfinale einziehen zu können, war London höchstens ein kleiner Betriebsunfall. Aber das Gesamtbild gibt zu denken. Am Sonntag ist der BVB, in der Tabelle auf Relegationsplatz 16 angekommen, in Frankfurt zu Gast. Dort wird sich zeigen müssen, ob sich ein Auftritt wie der in London problemlos aus den feinen europäischen Kleidern klopfen lässt. „Wir müssen nicht den perfekten Fußball spielen“, sagt Klopp, „sondern Ergebnisse erzielen.“ Das gilt schon seit vielen Wochen. Auch deshalb dürfte ihm und seinen Spielern die Unbeschwertheit abhanden gekommen sein.