Aus dem Abseits zurück auf den Rasen
05.01.2010 | 19:16 Uhr 2010-01-05T19:16:00+0100
Marbella. Tamas Hajnal hat endlich wieder einen Ball am Fuß. Rechts. Links. Rechts. Dann leichte Schussübungen. Vor ihm spannt Athletiktrainer Oliver Bartlett ein Abfangnetz, auf das der Spielmacher zielt. Hinter ihm trainiert die Mannschaft.
Hajnal übt individuell, aber intensiv. 18 Grad im „Paradise of football and sports” in Marbella. Die Sonne scheint. Der Ungar lacht.
Drei Monate nach seinem letzten Bundesligaeinsatz beim so wichtigen, weil die Wende zum Besseren bringenden 1:0-Sieg in Mönchengladbach ist Hajnal zurück auf dem Rasen. Und er macht Fortschritte. Spürbare. Und sichtbare. Aber, um es vorweg zu schreiben: „Ein Einsatz zum Rückrundenstart gegen Köln ist illusorisch.” Sagt Jürgen Klopp, sein Trainer.
Hajnal, der Kreativspieler, kann nach seinem am 3. Oktober 2009 erlittenen Bänderriss im Sprunggelenk zwar stetig die Belastung steigern, nur überdrehen soll und darf er nicht. „Im Moment”, sagt er selbst, „fehlen noch Kraft und Mobilität im Sprunggelenk. Ich habe noch Probleme, mich vom Boden abzudrücken und die nötige Power zu entwickeln.”
Wie weit er genau ist, kann er nicht sagen. Nur, dass er nicht zurück will. „Die letzten drei Monate”, sagt Hajnal, „waren die schwierigsten in den vergangenen Jahren.” Der Ungar hatte zuvor nie Verletzungsprobleme. „Damit fertig zu werden, ist gar nicht so einfach.” Hajnal musste es erst lernen. Zumal er eher der ungeduldige Typ ist, wie er selbst bekennt. Einer, der manchmal zu schnell zu viel will.
Jetzt drängt es ihn zurück in die Mannschaft. Selbstredend. Aber: Eine Zeitvorgabe gibt es nicht. Nicht vom Verein. Nicht an sich selbst. Nach drei Monaten Abstinenz kommt es auf den einen oder anderen Tag nicht mehr an. „Die OP”, erinnert Hajnal, „war nicht ganz so einfach. Deshalb müssen wir aufpassen.” Wenn er zurückkommt, dann will der Regisseur auch in der Lage sein, das Spiel der Borussia gleich wieder zu dirigieren.
Auf einer neuen Position, die ihm doch altbekannt ist. Statt auf der Zehn in der Raute, wie bisher beim BVB, als mittlerer von drei offensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern direkt hinter Stoßstürmer Lucas Barrios im 4-2-3-1. „Dieses System”, sagt Hajnal, „habe ich vorher schon in Kaiserslautern und Karlsruhe gespielt.” Direkt hinter der Spitze habe er sich immer wohl gefühlt - und nachweislich gute Spiele gemacht.
Im Vergleich zum 4-4-2 mit Raute und zwei echten Spitzen hat der Ungar zwei für sich und sein Spiel nicht unerhebliche Vorteile ausgemacht. „Erstens habe ich mehr Freiheiten, weil mir zwei Spieler statt nur einer den Rücken freihalten. Und zweitens sind wir schon in der Grundformation in der Breite besser aufgestellt.” Sprich: Die Außen - Kuba Blaszczykowski rechts, Nelson Valdez oder Kevin Großkreutz links - halten das Spielfeld breit. Dadurch eröffnen sich zugleich mehr Räume für Barrios. Genau in diese will dann der Spielmacher jene riskanten Pässe entsenden, die oft nicht ankommen, aber manchmal, und das ist entscheidend, den Unterschied ausmachen.
Für dieses Vergnügen, für diesen Kitzel schwitzt Tamas Hajnal in Marbella. Dafür stellt er sich all den Stabilisierungs- und Kräftigungsaufgaben, die ihm Oliver Bartlett auferlegt. Mal mit Fußballschuhen, mal barfuß, jedenfalls immer häufiger mit dem Ball am Fuß. Noch abseits der Mannschaft, aber nicht mehr ganz so weit von ihr entfernt. Die Sonne scheint. Der Ungar lacht.
WEITERE INFOS
Damien Le Tallec - neben Hajnal der einzige zuletzt langzeitverletzte BVB-Profi, der die Reise ins Trainingslager mitgemacht hat - trainiert ebenfalls individuell.
Er könnte zwar und würde am liebsten das komplette Programm mitmachen”, sagt Jürgen Klopp, „wenn er dabei aber auf die Schulter fällt, war alles für die Katz.” Dieses Risiko will der Trainer nicht eingehen und hält den Franzosen deshalb aus Zweikampf-Situationen heraus.
Tinga indes, der derzeit in der Obhut der Mediziner seines Vertrauens in Brasilien arbeitet, soll am kommenden Montag voll ins Mannschaftstraining einsteigen. Der Mittelfeldspieler wird bereits am Donnerstag in Dortmund zurück erwartet, wie unsere Zeitung erfuhr.

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#100 von nine_of_ten, vor 17 Stunden
Das sind die Fans des Bienenstockvereins. Können immer noch nicht rechnen oder lesen.
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