Absturz eines Blitzstarters - Jojic beim BVB im Abseits

Enttäuschende Saison: Milos Jojic kommt bei Borussia Dortmund derzeit kaum zum Einsatz.
Enttäuschende Saison: Milos Jojic kommt bei Borussia Dortmund derzeit kaum zum Einsatz.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Seine Zeit beim BVB begann verheißungsvoll, Milos Jojic spielte vor einem Jahr groß auf. Doch auf dem Platz stand der Serbe schon länger nicht mehr.

Dortmund.. Parallel zum Absturz von Borussia Dortmund von Platz zwei auf Rang 18 der Bundesliga hat ein Wort wieder in den Sprachgebrauch eingeschlichen, dass im östlichen Ruhrgebiet lange keine Verwendung mehr fand: Fehleinkauf. Aktuell bekommen die Neuzugänge Ciro Immobile, Adrian Ramos und Matthias Ginter dieses Etikett aufgepappt, auch der in der Vorsaison gekommene Henrikh Mkhitaryan wird immer kritischer betrachtet.

Kommentar Dabei wurde der sportlichen Leitung des BVB bis zu Saisonbeginn noch ein goldenes Händchen bei Transfers nachgesagt - dank Spielern wie Lucas Barrios, Shinji Kagawa - als er das erste Mal zum BVB kam - oder Robert Lewandowski, die jeweils für wenig Geld geholt wurden und in Dortmund zu Spitzenspielern reiften.

Jojic mit starken BVB-Spielen zum Auftakt

Auch Milos Jojic galt zunächst als positives Beispiel: Im Winter 2013/14 wurde der heute 23-jährige Mittelfeldspieler für 2,2 Millionen Euro bei Partizan Belgrad losgeeist - und legte einen Blitzstart hin: Mitte Februar gegen Frankfurt erstmals eingewechselt, traf er nur 17 Sekunden später zum 4:0-Endstand. Noch größer das Ausrufezeichen, dass der Serbe bei seinem Startelf-Debüt setzte: Im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid trug er mit einer starken Vorstellung dazu bei, dass der BVB mit einem 2:0-Sieg das 0:3 aus dem Hinspiel fast noch gedreht hätte (WAZ.de-Note 2).

In der Folge stand Jojic immer wieder auf dem Platz, überzeugte auf diversen Positionen im Mittelfeld mit unbekümmerten Auftritten, großer Dynamik und guter Technik. Auch zu Beginn der aktuellen Saison stand der Serbe in der Startaufstellung - doch von der alten Unbekümmertheit war nicht mehr viel zu sehen, stattdessen gab es einige enttäuschende Auftritte. Am 13. Spieltag stand er letztmals auf dem Platz, in der Rückrunde gehörte er nur einmal zum Bundesliga-Kader - ohne zum Einsatz zu kommen. Und in der Champions League wurde er aus dem Kader gestrichen - zugunsten des Winter-Einkaufs Kevin Kampl. Auch im Spiel gegen den FC Bayern München (Samstag, 18.30 Uhr/im Live-Ticker) wird er wohl auf der Tribüne sitzen.

Klopp: "Jojic ist der Leidtragende der aktuellen Kadersituation"

Anders als bei vielen anderen BVB-Spielern hatte dies keinerlei verletzungsbedingte Gründe. "Milos ist fit, hat kein Problem", bestätigt Trainer Jürgen Klopp. Der Mittelfeldspieler sei "der Leidtragende der Kadersituation, die sich ergeben hat". Zwar trainiere er gut, mache vieles richtig - aber für die Startelf reiche es nicht. "Und wenn es dann um die Kaderbesetzung geht, da muss ich unterschiedliche Positionen besetzen und verschiedene Probleme bedenken, die entstehen könnten."

Und dabei wurde Jojic offensichtlich immer seltener als mögliche Lösung gesehen - obwohl im zentralen Mittelfeld, wo er sich am wohlsten fühlt, und auf der rechten Seite immer wieder Spieler ausfielen und deren Vertreter nicht immer überzeugten. "Er ist nach wie vor ein richtig, richtig, richtig guter Spieler", sagt Klopp. "Und vor allem auch ein ganz toller Junge." Eingesetzt allerdings wird er nicht - und die Zukunft im BVB-Trikot ist trotz eines Vertrags bis 2018 offen. Sollten die Dortmunder den europäischen Wettbewerb verpassen - der Rückstand auf einen sicheren Europa-League-Platz beträgt aktuell fünf Punkte - ist der Kader überdimensioniert. Gut möglich, dass dann auch der so verheißungsvoll gestartete Jojic durch den Rost fiele.