Borussia Dortmund : Großkreutz’ K.o.-Schlag zum perfekten Zeitpunkt

Köln. Nach dem Abpfiff setzte Valdez noch einmal zu einem beeindruckenden Spurt an. Der Paraguayer, fünf Minuten vorher ausgewechselt, raste auf Kevin Großkreutz zu, der eine hochspannende Schlussphase gekrönt hatte: mit dem Siegtreffer zum 3:2 für Borussia Dortmund beim 1. FC Köln.
Das 3:2 für den BVB fiel in der ersten Minute der Nachspielzeit. Ein K.o.-Schlag zu einem dramaturgisch perfekten Zeitpunkt.
Fünf Siege in Folge – der BVB hat seine beeindruckende Erfolgsserie nach der Winterpause fortgesetzt und den fünften Tabellenplatz gefestigt. Das Eingangstor zur Europa League ist nun sogar etwas weiter geöffnet als zuvor, weil sich der Vorsprung auf den ersten Konkurrenten Werder Bremen durch dessen Patzer in Frankfurt auf fünf Punkte vergrößerte. Der BVB ist nun schon seit elf Spielen unbesiegt. Franz Beckenbauer ließ im Sender „Sky“ sogar die Bemerkung fallen, den Dortmundern könne auch der Meistertitel zugetraut werden.
„Der Franz ist ein Fuchs“, meinte dazu BVB-Präsident Reinhard Rauball. „Er hofft, bei uns Überheblichkeit hereinzubekommen und den Bayern damit Konkurrenz vom Leib halten zu können.“ Darauf lasse sich die Borussia nicht ein: „Wir arbeiten einfach weiter. Tag für Tag.“
Auch Trainer Jürgen Klopp will keine falschen Hoffnungen wecken. Denn auch der Erfolg am Sonntag war nicht das Produkt von Genialität, sondern von hoher Einsatzbereitschaft. Und beinahe hätten die Borussen trotz einer 2:0-Führung noch Punkte in Köln gelassen.
Ein Kopfball nach einer Ecke in der 28. Minute, ein langes Bein nach einem Freistoß in der Nachspielzeit der ersten Hälfte: Zweimal schlug Innenverteidiger Mats Hummels zu, zweimal hatte Nuri Sahin mit seinem linken Zauberfuß die perfekte Vorbereitung geliefert. Borussia Dortmund schien bei den schwer verunsicherten Kölnern einem sicheren Sieg entgegenzustreben.
Und das, obwohl die Schwarz-Gelben nach nur 19 Minuten den Ausfall ihres Stammtorhüters verkraften mussten. Roman Weidenfeller hatte sich nach einem schnellen Kölner Konter mutig und gekonnt vor die Füße des einschussbereiten Milivoje Novakovic geworfen, Neven Subotic griff auch noch ein und verletzte dabei den eigenen Torhüter. Eine tiefe Risswunde am Knie wurde noch im Stadion genäht, Klopp rechnet damit, dass Weidenfeller drei bis vier Wochen fehlen wird.
Aber auf Marc Ziegler war Verlass. Der Routinier hütete erstmals seit August 2008 wieder das BVB-Tor, kam aber sofort gut ins Spiel. Klopp nannte die Leistung des Ersatztorwarts „überragend“.
Erst in der 82. Minute war Ziegler machtlos. Ein Kopfball von Kevin McKenna bescherte den Kölnern neue Hoffnung. Es kam noch schlimmer für den BVB: Youssef Mohamad war in der 88. Minute mit gestrecktem Fuß schneller am Ball als Marc Ziegler – 2:2, im ausverkauften Kölner Stadion wurde es in diesem Moment lauter als bei einem Ramstein-Konzert.
Lauter als bei einem Ramstein-Konzert
Und Jürgen Klopp verlor die Nerven. Er hatte sich schon vorher mehrmals beim Schiedsrichtergespann beschwert, auch über Kleinigkeiten, seine permanente Unruhe war sicht- und hörbar. Nun schickte ihn Schiedsrichter Florian Meyer auf die Tribüne. „Ich habe mich aufgeregt, dass dieses Tor gegeben wurde“, erklärte Klopp. „Aus meiner Sicht war es gefährliches Spiel. Wenn sich der Torwart nach links dreht, schlitzt der Kölner ihn auf.“
Auch ohne Anweisungen des Cheftrainers kam der BVB noch einmal zurück, Kevin Großkreutz schloss einen Konter mit einem Schlenzer zum 3:2 ab. Im Jubel und Rummel ging es etwas unter, dass auch noch Klopps Co-Trainer Zeljko Buvac von der Bank verwiesen wurde. Klopp war das ganze Theater am Ende „eher peinlich“. Er hatte dennoch an diesem Abend deutlich mehr Grund zur Freude als zum Ärger.









Ingo Pickenäcker
























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