Fußball-Bundesliga : Dortmunder Dauerrenner

Dortmund. Mats Hummels ist gut drauf. Nach dem 1:0 (1:0) seines BVB gegen den Hamburger SV kommt der Innenverteidiger ins Plaudern. „Als der Dede mich in der 90. Minute noch einmal steil geschickt hat, wollte ich ihn einfach nur noch anschreien.“ Allein: „Da war keine Luft mehr.“ Eine Aussage, die viel erzählt. Von einem teilweise atemberaubenden Fußballspiel. Aber auch davon, was der BVB Woche für Woche abrufen muss, um erfolgreich zu sein.
Sechs Siege in Serie. Seit zwölf Spielen ungeschlagen. Seit 16 Wochen ohne Gegentreffer im Signal Iduna Park. Bemerkenswerte Zahlen als Ausdruck einer beeindruckenden Entwicklung; und als Beleg für die Bereitschaft stets das Beste herauszuholen.
Gegen den HSV war dies das unnachgiebige Bestreben, einer Spitzenmannschaft schlicht nicht mehr zuzugestehen als der andere Teil eines Spiels zu sein, das der Rubrik Topspiel in allen Sequenzen gerecht wurde. Es war mit Marc Ziegler eine Nummer zwei, die eine Bank ist; die erst stark gegen Torun (50.) und später dann sensationell gegen Berg (67.) reagiert hat. Es war ein zentraler Defensivblock um die Innenverteidiger Subotic und Hummels sowie die Doppel-Sechs Sahin/Bender, der es nicht nur versteht, dem Gegenüber die Freude am Fußball zu nehmen, sondern überdies das eigene Spiel zu organisieren, zu strukturieren. Und es war ein Nelson Valdez, der eben diese Überlegenheit mit seinem ersten Treffer seit dem dritten Spieltag auch in Nachhaltiges ummünzte (36.).
Basis all dessen ist das sogenannte Spiel gegen den Ball. Jenes kräftezehrende, weil stark situationsbedingte Stören des Gegners, das die hart erarbeitete Kombination aus physischer Substanz und unbändigem Willen voraussetzt. „Wir“, sagt Nuri Sahin, der den BVB in Abwesenheit von Sebastian Kehl und Roman Weidenfeller erstmals als Kapitän aufs Feld führte, „sind topfit. Das ist ein Verdienst unseres Trainers.“ Dortmunds Dauerrenner sind uner bittlich, weil unermüdlich.
Gegen den HSV konnte der BVB – der ohne sieben Verletzte und mit vier zusätzlich angeschlagenen Spielern angetreten war – in den beiden entscheidenden Phasen deutlich zulegen. Zuerst räumten die Dortmunder den Gästen nach Trochowskis Freistoß (9.) bis zur Halbzeit keine einzige weitere Torchance mehr ein, später dann – als sie das 2:0 verpasst hatten und sich unnötigerweise in einen offenen Schlagabtausch verwickeln ließen – liefen sie immer den einen Schritt mehr.
„Das Laufvermögen dieser Mannschaft“, sagt deshalb Dr. Reinhard Rauball, „hat Champions-League-Qualität.“ Wohlgemerkt: Der Präsident bezieht diese Feststellung eindeutig und eindringlich einzig auf die Laufleistung; auf diese Leidensfähigkeit am Limit. Denn anders als beim Anhang, bei dem Tabellenplatz vier, acht Punkte Vorsprung auf Rang sechs und vor allem die Konstanz, mit der die Mannschaft auftritt, Träume ausgelöst haben, trifft man in Reihen des BVB niemanden, der sich Sand in die Augen streuen lässt. So präzise das Passspiel auf dem Feld ist, so vage bleibt ein öffentliches Bekenntnis zu einem konkreten Saisonziel.
Ein gutes Gefühl
„Ha“, entgegnet Nuri Sahin auf die Frage, ob der BVB nun ein Europapokal-Aspirant sei, „dazu kriegen Sie immer noch nichts aus mir heraus.“ Immerhin gibt er zu, dass er sich dort oben recht wohl fühle. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke bestätigt dieses Gefühl, spricht sogar von einer „komfortablen Situation“. Aber mehr? Nein! Ansonsten gilt, was Patrick Owomoyela so sagt: „Wir haben noch 15 Spiele – und noch nichts erreicht.“
Immerhin: Nelson Valdez traut sich zu sagen, dass er Fußball nicht spiele, „nur um irgendwie dabei zu sein, sondern um irgendetwas zu erreichen.“ Dann lächelt er. Der BVB ist einfach gut drauf.










Ingo Pickenäcker
























DerWesten-Sport
Norbert Dickel
Reinhard Schüssler
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