Leser wählen BVB-Jahrhundert-Elf : Von Willi Burgsmüller bis Christian Wörns

Dortmund. „Aki” Schmidt, der die glorreichen 50-er und 60-er Jahre mitgestaltet und geprägt hat, zieht sich raffiniert aus der Affäre. Wie zu seiner Zeit auf dem Spielfeld...
„Ich nominiere Michael Zorc, Matthias Sammer, Max Michallek und Jürgen Kohler für die hintere Viererkette", antwortet er auf die Frage nach Borussias „Abwehrformation des Jahrhunderts”.
Aber, lieber „Aki”, Zorc hat nie rechter Verteidiger und Kohler nie auf der linken defensiven Außenbahn gespielt. Deshalb gehört Borussias Urgestein Michael Zorc auch nicht zum Kreis der Kandidaten, aus denen Sie, liebe Leserinnen und Leser, den „BVB-Abwehrspieler des Jahrhunderts” wählen können. Jürgen Kohler wiederum bewirbt sich gegen stärkste Konkurrenz um eine Position in der Innenverteidigung.
An erstklassigen „Hintermännern” hat es Borussia nie gemangelt. Auch die neue Generation mit Neven Subotic und Mats Hummels repräsentiert bereits gehobene Qualität. Aber beide stehen noch im langen Schatten der ganz Großen, die nicht nur schwarzgelbe Fußball-Geschichte geschrieben haben. Selbst „Pat” Koschmieder und Heini Ruhmhofer, die im Meisterschafts-Finale von 1949, der Hitzeschlacht gegen den VfR Mannheim in Stuttgart verteidigten und in den Nachkriegsjahren zu den Besten ihres Fachs gehörten, müssen sich hinten anstellen. Gleiches gilt für die Europapokalsieger von 1966, Gerd Cyliax und Theo Redder, der 1964 sogar ein Länderspiel gegen Finnland bestritten hat. Selbst Lothar Huber, für seine „Bananenflanken” gefürchtet und einer der Leistungsträger der 76-er Aufstiegsmannschaft, fällt aus der Wertung. Wie Rolf Rüßmann, der kopfball- und zweikampfstarke Abwehrrecke in den Jahren 1980 bis 1985, und Michael Schulz, der einstige „böse Bub”, der1991 beim BVB Nationalspieler wurde.
Nicht mal Herbert Sandmann, Doppelmeister 1956/57, schafft den Sprung in unsere „Top 12”. Er teilt dieses Schicksal mit dem Meisterspieler von 1963, Lothar Geisler, sowie den Super-Talenten Meinolf Koch, Ned Zelic und Ralf Loose. Oder mit Wolfgang Feiersinger, der in der Saison 1996/97 überragende Spiele in der Champions League bestritten hat, im Münchner Finale aber nicht einmal auf der Bank saß und Europacup-Held Martin Kree.
Hier unsere Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge:
Willi Burgsmüller: Drei Mal deutscher Meister (1956/57/63), dazu im letzten Finale gegen den 1. FC Köln Kapitän. Der „vergessene Nationalspieler” beendete das Endspiel mit einem blutgetränkten Kopfverband.
Dede: Der aktuell dienstälteste BVB-Profi (seit 1998) gilt als „brasilianischer Preuße” und gehört auf der linken Seite seit Jahren zu den besten Bundesliga-Außenbahn-Spielern.
Julio Cesar: Ein Muster-Athlet. Überragende Technik, Pass-Genauigkeit und Schnelligkeit, dazu im Zweikampf kaum auszuspielen. Eine der ganz großen BVB-Spielerpersönlichkeiten in den 90-er Jahren. Überzog ständig seinen Heimaturlaub - niemand hat es ihm übel genommen.
Thomas Helmer: Der Linksverteidiger und Libero wurde 1989 DFB-Pokalsieger und schaffte beim BVB den Sprung in die Nationalmannschaft. Einer der intelligentesten Fußball-Profis (Abitur-Durchschnittsnote 1,9). Wechselte 1992 unter dubiosen Umständen zum FC Bayern München.
Jürgen Kohler: War in den Augen der Fans spätestens nach seiner grandiosen Leistung im Champions-League-Halbfinale im Old Trafford gegen Manchester United „Fußball-Gott”. Legendär seine Rettungstat gegen Eric Cantona. Zwei Mal mit Borussia Meister, 1997 Champions-League- und Weltpokalsieger. Mit Ausnahme des DFB-Pokals gewann er alles, was es im Fußball zu gewinnen gibt.
Günter Kutowski: Der bescheidene Abwehrspieler - heute Manager der Traditionsmannschaft - bestritt 288 Bundesliga-Spiele und gewann 1989 den DFB-Pokal. Unvergessen sein leidenschaftlicher „Turban-Auftritt” im UEFA-Cup-Spiel in Saragossa (8. Dezember 1992).
Christoph Metzelder: Sensationeller Aufstieg vom Lückenbüßer zum deutschen Meister sowie Nationalspieler und Vize-Weltmeister 2002. Seit 2007 bei Real Madrid.
Max Michallek: Ein perfekter Fußballer, der „Beckenbauer der 50-er Jahre”. Hätte zig Länderspiele bestreiten müssen, aber Sepp Herberger verübelte ihm, dass „Spinne”, wie er genannt wurde, einen Nationalmannschafts-Lehrgang geschwänzt hatte. Michallek trank lieber bei seinen Freunden in Dortmund ein Bier. Der Mittelläufer spielte besonders gern gegen die aufstrebenden jungen Stürmer. Wie HSV-Star Uwe Seeler, der vor dem DM-Finale 1957 den damals fast 35-Jährigen flachste: „Na Opa, auch noch dabei?” „Uns Uwe”, zarte 20, sah gegen ihn kein Land. Michallek sagte ihm später trocken: „Gegen Dich spiele ich noch mit 70.” Beendete 1960 seine Laufbahn und übernahm 1972 für vier Monate das Training der Profis.
Wolfgang Paul: „Turm in der Schlacht” während der Europacup-Abende in den 60-er Jahren. Der „Stopper” kam 1961 vom VfL Schwerte als gelernter Halbstürmer zum BVB. Gehörte bei der WM 1966 zum DFB-Kader. Heute Ältestenrats-Vorsitzender.
Stefan Reuter: Mit seinem Wechsel 1992 von Juventus Turin begann der Aufstieg des BVB zur internationalen Top-Mannschaft. Absolvierte nach Michael Zorc die meisten Bundesligaspiele für Borussia (307) und ist Europapokal-Rekordmann (85).
Matthias Sammer: Vorzeige-Sportler und kompletter Spieler. Wurde 1996 zu „Europas Fußballer des Jahres” gewählt. Ein Kandidat für Borussias „Spieler des Jahrhunderts”. Beim BVB zudem jüngster Meistertrainer aller Zeiten (2002).
Christian Wörns: Eisenharter Abwehrspieler aus der früheren „Waldhof-Schule”, in der auch Jürgen Kohler das Verteidiger-ABC erlernt hatte. Von 1999 bis 2008 in BVB-Diensten, Meister 2002.
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