LesArt: Literatur rund um den Fußballplatz
Am Montag begann in Dortmund das LesArt-Festival mit einer Doppel-Lesung im BVB-Stadion.
Dort, wo sonst Fußballer nervös mit ihren Stollenschuhen auf dem Boden scharren oder sich Kabinen-Predigten ihrer Trainer anhören müssen, begann am Montag das Dortmunder LesArt-Festival: im Kabinentrakt des Signal Iduna Parks.
In den beiden Umkleidekabinen des Stadions sollten parallel die Lesungen der beiden Autoren Gerd Dembowski und Thomas Brussig stattfinden. Nach 45 Minuten sollte das Publikum dann von einer Kabine in die andere wechseln, um das jeweils andere Werk zu hören. Doch "Sonnenallee"-Autor Brusig, der eigens aus Mecklenburg-Vorpommern angereist war und nach der Lesung auch sofort wieder in Richtung Heimat verschwinden musste, steckte im Stau. So begann die Lesung in der Gästekabine mit Gerd Dembowski, der aus seinem Werk "Fußball versus Country Music" las. In der BVB-Kabine sprang der Leiter des Dortmunder Fanprojekt Rolf Arndt Marewski ein und las Brussigs "Schiedsrichter Fertig".
Dembowski erzählt in seinem Buch auf wunderbar ironische Weise von seinen Erlebnissen als Fan-Funktioniär und wie er als solcher von echten Fußball-Funktionären vereinnahmt zu werden drohte. Dembowskis Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung im Fußball führte ihn bis zu einem FIFA-Kongress in Buenos Aires, auf dem er acht Minuten Redezeit hatte und anschließend von Funktionären aus aller Welt umgarnt wurde. Auf den Boden der Tatsachen holte ihn seine mitgebrachte Kassette mit Country-Music zurück.
Für seine wunderbar pointierten Formulierungen erntete Dembowski viel Applaus und unterhielt auch den Teil des Publikums, der weniger wegen der Literatur, sondern eher angesichts der Location zum Festival gekommen war.
Gedanken über den Fußball und das Leben
Thomas Brussig hatte es da etwas schwerer, obwohl er quasi Heimvorteil hatte, fand seine Lesung doch in der BVB-Kabine statt. Brussigs Werk "Schiedsrichter Fertig" ist eine Tirade, ein fortwährendes Lamento, in welchem sich ein Schiedsrichter namens Fertig über sein Hobby - die Schiedsrichterei -, das Leben, die Gesellschaft und natürlich den Fußball hermacht und alles zerpflückt. Fertig klagt, dass niemand die wahre Bedeutung eines Schiedsrichters zu würdigen wisse, dass der Unparteiische nur dann auffalle, wenn er einen Fehler begehe. Er wünsche sich so sehr, dass einmal einen Fußball-Reporter zum frenetischen Jubelsturm ansetze, weil Fertig gerade in seine Trillerpfeife geblasen habe.
Mit seinem sprachlich und gedanklich anspruchsvollen Vortrag brauchte Brussig einige Minuten, um das Publikum vollend mitzureißen. Doch er schaffte es mit Bravour, so dass die Zuhörer sich gerne auf seine Exkurse über die Bedeutung des Wortes "Kommunikation" oder den Sinn einer Trillerpfeife in der demokratisch-freiheitlichen Grundordnung mitnehmen ließen.
Am Ende bekam das Publikum zwei gänzlich gegensätzliche Auffassungen von Fußball und Literatur geboten, beste Unterhaltung und viel Grund zum Grübeln - und zwei Bücher, die in keiner Sammlung eines Fußballfans fehlen sollten.


























