BVB träumt - Mainz macht den Titelkampf wieder spannend

Der FSV Mainz 05 triumphierte sensationell beim FC Bayern.
Der FSV Mainz 05 triumphierte sensationell beim FC Bayern.
Foto: firo Sportphoto / Christian Kaspar-Bartke
Was wir bereits wissen
Mainz 05 hat dem souveränen Tabellenführer FC Bayern die zweite Niederlage zugefügt. Im Abstiegskampf feierten Bremen und Hoffenheim wertvolle Siege.

Essen.. So hatte sich Uli Hoeneß sein Stadion-Comeback wahrlich nicht vorgestellt. Sein FC Bayern München leistete sich am Mittwochabend beim 1:2 (0:1) gegen den immer heißeren Europapokalanwärter FSV Mainz 05 die erste Heimniederlage der Saison - und das drei Tage vor dem Bundesliga-Topspiel in Dortmund. Plötzlich liegt wieder Spannung im Titelkampf in der Luft, denn nach dem zeitgleichen 2:0 des BVB in Darmstadt beträgt der Vorsprung nur noch fünf statt acht Zähler.

"Wenn du viele Spiele hintereinander gewinnst, kommt der Moment, in dem du mal verlierst. Das war schade heute", haderte der Münchner Torschütze Arjen Robben. "Beim Gegentor zum 1:2 geht einiges schief, das darf uns nicht passieren. Da müssen wir rigoroser sein", sagte der Niederländer bei Sky.

Der eingewechselte Stürmer Jhon Cordoba schockte Tribünengast Hoeneß und die Bayern-Profis mit seinem Siegtor in der 86. Spielminute. Zuvor hatte Robben (64.) vor 75 000 Zuschauern das frühe Führungstor der präsenten und taktisch geschickt agierenden Mainzer durch Jairo Samperio (26.) ausgeglichen.

"Wir wussten, wie hier zu gewinnen ist: Mit einer hervorragenden Verteidigungsleistung und gezielten Kontern", erklärte Gäste-Trainer Martin Schmidt. Aber jetzt dürfe man sich nicht "feiern lassen". "Das müssen wir am Sonntag vergolden gegen Darmstadt", forderte der Coach des Tabellenfünften.

Haftentlassung Nach 662 Tagen Arena-Abstinenz erlebte der am Montag aus der Haft entlassene Tribünengast Hoeneß an der Seite seiner Frau Susi einen erstaunlichen Fußballabend. Elf Heimsiege hatte die Bayern zuvor in dieser Bundesligasaison gefeiert. Doch mit ihrer Fünferkette in der Abwehr und höchstem läuferischen Aufwand im Mittelfeld machten die dynamischen und robusten Mainzer die Räume für die Bayern von Anfang an sehr eng. Hinzu kam, dass Schlussmann Loris Karius einen Sahnetag erwischt hatte. Einen prächtigen Volleyschuss von Arturo Vidal aus 17 Metern (13.) parierte der Mainzer Keeper ebenso reaktionsschnell wie einen Distanzschuss von Juan Bernat (16.).

Beide Male hatte Franck Ribéry die Chancen vorbereitet. Der Franzose stand erstmals nach einem Jahr wieder bei einem Bundesligaspiel in der Bayern-Startelf. Diese hatte Trainer Pep Guardiola drei Tage vor dem Bundesliga-Gipfeltreffen in Dortmund auf fünf Positionen verändert. Bemerkenswert: In der Münchner Anfangsformation stand lediglich ein deutscher Akteur: Manuel Neuer.

Der Torwart schaute meist zu, wie seine Vorderleute auf das Mainzer Bollwerk zurannten und nach Lücken in dem vielbeinigen Abwehrwall suchten. Beim Konter zum 0:1 war Neuer zudem hilflos: Jairo konnte den Ball nach Zuspiel des vom rechten Flügel flankenden Verteidigers Giulio Donati unbehelligt ins Bayern-Tor schießen. Die Taktik von 05-Coach Martin Schmidt war bis zur Pause ausgezeichnet aufgegangen.

Es hätte sogar frühzeitig noch besser kommen können: Yunus Malli legte den Ball nach Wiederbeginn auf Christian Clemens ab, aber der verzog aus sehr gute Position (51.). Guardiola reagierte: Er brachte in der Offensive Thomas Müller für den wirkungslosen Kingsley Coman. Der agile Vidal versuchte es mal wieder aus der Distanz, aber Karius lag am Boden und hielt den Ball fest (53.).

Guardiola legte offensiv noch einmal nach, brachte den Brasilianer Douglas Costa. Den Bann aber brach der zentraler agierende Arjen Robben. Aus gut 20 Metern überwand der Holländer mit seinem starken linken Fuß den chancenlosen Karius. Als die Bayern auf das Siegtor drängten, schlug Mainz bemerkenswert zu: Julian Baumgartlinger bediente den Kolumbianer Cordoba, der mit seinem dritten Saisontor für die große Überraschung des 24. Spieltages sorgte. (dpa)

Bayer Leverkusen - Werder Bremen 1:4 - Bremen jubelt dank Pizarro-Dreierpack

Der SV Werder Bremen hat dank Dreifach-Torschütze Claudio Pizarro dem schwächelnden Champions-League-Aspiranten Bayer Leverkusen mit einem 4:1 (1:0)-Sieg schwer zugesetzt und durch den höchsten Saisonsieg die Abstiegsränge verlassen.

Auch im zweiten Spiel ohne den in der Fußball-Bundesliga gesperrten Trainer Roger Schmidt an der Seitenlinie verließ die personell arg gebeutelte Werkself den Platz als Verlierer. "Ich denke, das war schon Totalversagen", gab Bayers Weltmeister Christoph Kramer zu: "Es hat an allem gefehlt." Leverkusen rutschte auf Rang sieben (35 Punkte) ab.

Werder-Coach Viktor Skripnik konnte dagegen in der BayArena erstmal durchatmen. Die Tore von Fin Bartels in der fünften Minute und Torjäger Claudio Pizarro (55., 65./Foulelfmeter, 83.) bescherten Werder am Mittwoch den ersten Erfolg nach fünf sieglosen Liga-Spielen. Der einzige Bayer-Treffer war ein Eigentor von Papy Mison Djilobodji (69.) vor 25 506 Zuschauern. Bremen kletterte auf Platz 15 (24).

Von Beginn an diktierten nicht die Leverkusener das Geschehen, das machten die Gäste aus Bremen. SV-Kapitän Clemens Fritz ordnete bei seiner Rückkehr nach Verletzungspause der Mittelfeld. Der ebenfalls neu ins Team gerückte ehemalige Leverkusener Levin Öztunali sorgte offensiv für Gefahr. Und ganz vorn traf Bartels.

Nach einer Freistoß-Hereingabe durch Zlatko Junuzovic von der rechten Seite prallte der Ball vom Körper des aufgerückten Djilobodji vor die Füße von Bartels. Bei dem wuchtigen Schuss aus rund zehn Metern war Bayer-Keeper Bernd Leno machtlos.

Das erneut frühe Tor - beim 1:3 am Sonntag gegen Mainz geriet Leverkusen nach einer knappen Viertelstunde in Rückstand - offenbarte die Probleme der Gastgeber: Durch die vielen Verletzten fehlte auch der Defensive Halt und Ordnung. Diesmal musste auch noch Jonathan Tah wegen muskulärer Beschwerden passen, Tin Jedvaj kam für ihn.

Nach vorne ging auch praktisch nichts, das Fehlen von Kapitän Stefan Kießling wog schwer. Zu allem Überfluss aus Bayer-Sicht wird am Samstag beim Auswärtsspiel gegen den FC Augsburg auch noch Javier Hernández wegen einer Gelbsperre. Und Roberto Hilbert musste eine Viertelstunde vor Schluss vom Platz getragen werden.

Bayer-Chancen blieben gegen Bremen Mangelware im ersten Spielabschnitt. "Es ist schwer gegen die Bremer, die stehen defensiv gut und haben offensiv gefährliche Spieler", meinte der verletzte Tah beim TV-Sender Sky in der Halbzeitpause. Die Mannschaft müsse sich einfach durch "dieses Bollwerk durchbeißen".

Genau das versuchte sie nach dem Wiederanpfiff, und zwar zunächst vehement. Binnen vier Minuten musste Bremens Keeper Felix Wiedwald gegen Calhanoglu, Wendell und Hernández retten. Just in dieser Phase schlug Pizarro zu, als er einen Fehler von Hilbert nutzt und Weltmeister Christoph Kramer stehen ließ. Den Elfmeter, verursacht durch Wendells Foul an Junuzovic, ließ sich der 37 Jahre alte Peruaner erst recht nicht nehmen. Nach dem Eigentor zerstörte Pizarro mit seinem 99 Ligator für Werder alle Zweifel am Gästesieg. Er ist nun der erfolgreichste Torschütze für die Bremer insgesamt (Frank Neubarth und Rudi Völler je 97). Vor drei Wochen hatte Werder sich im Pokal-Viertelfinale mit 3:1 in Leverkusen durchgesetzt. (dpa)

Hertha BSC - Eintracht Frankfurt 2:0 - Herthas Europa-Lust wächst

Ein Traumtor von Mitchell Weiser und der zwölfte Saisontreffer von Salomon Kalou haben Hertha BSC den ersten Heimsieg im Jahr 2016 beschert und den Gegner aus Frankfurt auf den Abstiegs-Relegationsplatz befördert. Mit dem 2:0 (0:0) des Überraschungs-Dritten gegen die Eintracht am 24. Bundesliga-Spieltag wächst bei den Berliner Fans die Lust auf Fußball-Europa weiter. Ein satter 16-Meter-Schuss in den Torwinkel von Weiser (63.) und Kalou mit einem starken Solo (78.) entschieden am Mittwoch vor 36 608 Zuschauern die Partie, in der die Gäste lange dagegenhielten.

"Wir wehren uns nicht dagegen, dass die Leute über Europa reden. Wir sagen nur, für uns bringt das nichts", sagte Hertha-Manager Michael Preetz beim TV-Sender Sky. Berlins Cheftrainer Pal Dardai räumte ein: "Das war ein Arbeitssieg."

Nach der Pause war Hertha entschlossener in den Zweikämpfen und zielstrebiger nach vorn. So verdienten sich die Berliner den zwölften Saisonsieg und haben nun 42 Punkte verbucht. Die Eintracht, die zu ungefährlich auftrat, bleibt bei lediglich 23 Zählern und ist seit 336 Minuten ohne eigenes Tor.

Einen ersten Aufreger gab es bereits nach vier Minuten: Der zuletzt gesperrte Vladimir Darida hielt nach einem Ballverlust Marco Fabian fest. Der Frankfurter hatte - fast 30 Meter vor dem Hertha-Tor - freie Bahn. Schiedsrichter Knut Kircher beließ es bei Gelb. "Das ist sicherlich auch schon anders entschieden worden", meinte Preetz.

Die zuvor in fünf Spielen sieglosen Hessen, die ohne den verletzten Toptorjäger Alexander Meier auskommen mussten, spielten im Berliner Olympiastadion mutig mit. Sie attackierten früh und versuchten sich an Offensivaktionen. Der Pass in die gefährliche Zone fehlte aber. Bis auf Weitschüsse von Marc Stendera (27.) und Fabian (34.) kam kein Abschluss zustande. Ohne Ex-Herthaner Änis Ben-Hatira war Frankfurt angereist, sein emotionales Wiedersehen mit Hertha wurde verschoben.

Ben-Hatiras Ex-Kollegen kamen nicht zu dem gewünschten Ballbesitz. Die Anspiele aus der eigenen Hälfte gerieten zu ungenau. So sprangen zunächst nur zwei halbe Chancen für Weiser (11.) und Vedad Ibisevic (15.) heraus. Bei der besten Hertha-Aktion vor der Pause schloss der bosnische Stürmer zu ungenau ab (40.). Trainer Pal Dardai hatte Weiser ins Mittelfeld geschoben und aus taktischen Gründen Kapitän Fabian Lustenberger auf die Bank gesetzt.

Nach der Pause drängte Hertha mit mehr Entschlossenheit auf ein Tor. Ibisevic näherte sich dem Frankfurter Tor, nach schöner Aktion über Marvin Plattenhardt und Genki Haraguchi rollte der Ball nur knapp am langen Eck vorbei (48.). Auf der anderen Seite musste Berlins Keeper Rune Jarstein bei einem Schuss des agilen Fabián klären (49.).

Der Druck der Berliner nahm zu. Bei einem gefährlichen Kopfball von Verteidiger Niklas Stark hatte Eintracht-Torwart Lukas Hradecky noch die Finger am Ball (61.). Dann belohnte Weiser die verstärkten Offensiv-Bemühungen der "Alten Dame" mit seinem zweiten Saisontreffer. Salomon Kalou behauptete den Ball gleich gegen drei Frankfurter und legte quer, der Ex-Münchner Weiser hämmerte den Ball in den oberen linken Torwinkel.

Mit einem Kopfball vergab der eingewechselte Sonny Kittel die größte Ausgleichschance (72.) für die Eintracht, die am Samstag gegen den FC Ingolstadt auf Stefan Aigner nach dessen fünfter Gelber Karte verzichten muss. Wenige Minuten später machte Kalou für die Hertha alles klar. (dpa)

1899 Hoffenheim - FC Augsburg 2:1 - Hoffenheim feiert zweiten Sieg unter Nagelsmann

Trainer Julian Nagelsmann umarmte jeden seiner Spieler persönlich, die Fans jubelten. Nach dem 2:1 (1:1)-Arbeitssieg gegen den FC Augsburg wittert 1899 Hoffenheim Morgenluft im Abstiegskampf. Die Kraichgauer feierten am Mittwochabend einen verdienten Heimerfolg gegen die Gäste aus Bayern und träumen weiter von einer nächsten Saison in der Fußball-Bundesliga. Mark Uth rettete der Mannschaft des jüngsten Liga-Trainers mit seinem Treffer in der 81. Minute die drei ersehnten Punkte.

Kevin Volland hatte seine zweite Chance in der munteren Partie zur Führung (25.) genutzt, Paul Verhaegh glich noch vor der Pause mit einem stark umstrittenen Handelfmeter aus (40.). Das TSG-Team konnte allerdings auch nach dem vierten Spiel unter Nagelsmann nicht auf den Relegationsplatz klettern und steht im Derby beim VfB Stuttgart am Samstag wieder unter Druck.

"Wir haben allen Grund, uns zu freuen - richtig zu freuen", sagte TSG-Sportchef Alexander Rosen und lobte die "Stehauf-Mentalität" seiner Mannschaft: "Das strahlt die Truppe total aus."

Fast wäre aus dem Blitzstart der Hoffenheimer auch ein Traumstart geworden: Schon nach 40 Sekunden zog Volland nach Vorarbeit von Phillip Ochs mutig ab, konnte Marwin Hitz mit seinem satten Schuss aber nicht überwinden. Der Augsburger Keeper war erst am Vortag zum zweiten Mal glücklicher Vater eines Sohnes geworden. Ziemlich unglücklich stand der Schweizer nach der Partie auf dem Rasen, er sah "zu viele Gründe" für die Niederlage. "Wir haben die Innenverteidiger der Hoffenheimer nicht richtig unter Druck gesetzt", befand Hitz. Nun werde die Lage für den FCA langsam brenzlig: "Wenn man keine Punkte holt, kommt man nicht hinten raus. Das muss jeder wissen."

Hoffenheim, erstmals in diesem Jahr mit den Routiniers Pirmin Schwegler und Eugen Polanski in der Startelf, begann vor der Saison-Minuskulisse von 21 092 Zuschauern forscher als die Gäste. Dabei fehlten Nagelsmann der gesperrte Nationalspieler Sebastian Rudy und Mittelfeld-Abräumer Tobias Strobl (Knieprobleme). Die TSG war zunächst die offensivere Mannschaft, das Gästeteam von Trainer Markus Weinzierl kam wie so oft gefährlich über die Flügel. Raul Bobadilla saß wegen muskulärer Probleme zunächst auf der Bank - eine halbe Stunde durfte der Top-Torjäger dann aber noch mitspielen.

Auch der FCA hätte in Führung gehen müssen: Hoffenheims Torhüter Oliver Baumann rettet mit einer Glanztat bei einem Kopfball von Alfred Finnbogason (12.). Doch das erste Tor glückte den Hausherren: Nach einem Pfostenknaller von Eduardo Vargas und Querpass von Youngster Ochs traf der unermüdliche Volland - sein erstes Tor seit dem 8. Spieltag am 3. Oktober beim 2:2 gegen Stuttgart.

Vor dem 1:1 durch Verhaegh gab es heftige Diskussionen und Proteste, denn Schiedsrichter Guido Winkmann hatte zunächst auf Ecke entschieden und nach Headset-Hinweis doch auf den Punkt gezeigt. Niklas Süle, der Gelb sah, hatte einen Schuss des agilen Alexander Esswein mit dem - allerdings angelegten - Arm abgeblockt. "Ganz klar kein Elfmeter", sagte Zuschauer Rudy in der Halbzeitpause dem TV-Sender Sky.

Noch am Vormittag musste Nagelsmann, mit 28 Jahren jüngster Bundesliga-Trainer, im Trainingszentrum Zuzenhausen eine Klausur in Physiologie und Sportmedizin schreiben - sein Team ging die schwere Prüfung gegen den Mitkonkurrenten ebenfalls mutig an. Auch nach Wiederbeginn stürmten die Kraichgauer los und wollten später die Führung regelrecht erzwingen. Vor allem Nadiem Amiri suchte immer wieder den direkten Weg zum Tor und verpasste die mögliche erneute Führung (48./58.). Uth traf zunächst nur den Außenpfosten (62.) - und war dann der gefeierte Matchwinner. (dpa)