Bochums Bergmann erinnert sich an Robert Enke
10.11.2011 | 14:13 Uhr 2011-11-10T14:13:35+0100
Am 10. November 2009 nahm sich Robert Enke das Leben. Eine Nachricht, die ganz Deutschland zutiefst erschütterte. Sein damaliger Trainer Andreas Bergmann erinnert sich an einen Moment, der bis heute andauert.
10. November 2009. Länderspielpause in der Bundesliga. Andreas Bergmann hat seiner Mannschaft zwei Tage freigegeben. Der Trainer von Hannover 96 selbst liegt in seiner Hamburger Wohnung flach. Die Grippe hat ihn in diesen klammen Herbsttagen niedergestreckt. Ein Berg von verrotzten Taschentüchern auf dem Holzfußboden. Der Handrücken auf der heißen Stirn. Irgendwann vibriert Bergmanns Mobiltelefon auf dem Wohnzimmertisch. Jörg Schmadtkes Name blinkt auf dem Display. Andreas Bergmann nimmt das Gespräch entgegen. „Robert ist tot“, hört er den Manager sagen.
„Was?“ Bergmann schnellt in die Höhe. Für eine Sekunde wird es still. Oder
ist es eine Stunde? Ein Tag? Der Herzschlag ist in den Ohren zu hören. Es ist,
als würde jemand Bergmanns Körper neustarten, ihn herunterfahren wie einen
Computer und dann wieder hoch, auf der persönlichen Festplatte nur noch diese
eine Nachricht: Robert ist tot. Was?
Warum hat er das getan? Warum?
„Er hat sich das Leben genommen“, sagt Jörg Schmadtke. Andreas Bergmann kann nicht
glauben, was er da gerade hört. „Warum hat er das getan? Warum?“ Er lässt sich
zurück ins Sofa fallen und schaltet den Fernseher ein. Bahngleise, ein Auto,
eine Geldbörse auf dem Beifahrersitz. In der Laufschrift immer wieder: Robert
Enke ist tot. Was? Bergmann schlägt die Hände vors Gesicht.
So erinnert sich Andreas Bergmann an den Moment, in dem sich alles veränderte.
An diese Sekunde, als seine Ohren hörten: „Robert ist tot.“ Und der Mund
nachfragte: „Was?“ Es war etwas geschehen, das nicht geschehen durfte. Fern
jeder Vorstellungskraft. „Unfassbar!“, sagt Andreas Bergmann noch heute mit zu
Schlitzen zusammengekniffenen Augen.
An jenem Abend läuft er in seinem Wohnzimmer auf und ab. Seine Grippe hat er
vergessen. Er telefoniert. Er muss mit jemandem reden. Dann erfährt er von
Robert Enkes Krankheit. Von den Depressionen, die ihn schon all die Jahre
plattgemacht haben. Robert Enke, wie so viele ihn zu kennen glaubten, auch
Bergmann, ist eine Fassade gewesen. Nur wenige Menschen haben dahinter geschaut.
Andreas Bergmann ist schockiert: „Ich hatte zuerst eine Riesenwut auf Robert,
dass er es mir nicht gesagt hat. Aber ich weiß natürlich auch nicht, was
gewesen wäre, wenn...“ Gedankenblitze schießen ihm durch den Kopf. „Vielleicht
hätte ich den Spielern auch einfach nicht freigeben dürfen.“ Es ist müßig.
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