Bielefelds Trainer träumt von der alten Liebe Bremen

Vorwärts, Jungs: Trainer Norbert Meier will mit dem Drittligisten Bielefeld die Bremer aus dem Pokal werfen.
Vorwärts, Jungs: Trainer Norbert Meier will mit dem Drittligisten Bielefeld die Bremer aus dem Pokal werfen.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Trainer Norbert Meier wusste schon im Schlaf, dass er mit dem Außenseiter Arminia Bielefeld auf seinen Herzens-Klub Werder Bremen treffen würde.

Bielefeld.. Frische Luft fühlt sich anders an. Wo sich vor einem normalen Spiel der dritten Fußball-Liga eine Handvoll Journalisten versammelt, um mit Trainer Norbert Meier über die Neuigkeiten beim DSC Arminia Bielefeld zu plaudern, drängt sich diesmal ein Dutzend Journalisten um die zwei Stehtische im sechs mal zwei Meter großen Container. Für die Arminia ist die Achtelfinal-Partie im DFB-Pokal am Mittwoch (19 Uhr/live in unserem Ticker) gegen Werder Bremen das Spiel des Jahres, für ihren Coach ist es ein Wiedersehen mit seiner alten Liebe.

Ein Journalist hat sein Panini-Album aus der Bundesligasaison 1982/83 mitgebracht. Norbert Meier muss spontan lachen, als er auf den Seiten der Spieler von Werder Bremen sein Bildchen erblickt. “Heidewitzka, wie habe ich denn damals ausgesehen?”, schmunzelt er. “Aber es ist ja glücklicherweise nicht ganz die Naturkatastrophe. Da gibt es schlimmere Fotos von mir.”

Norbert Meier schwärmt von tollen Bremer Zeiten

Norbert Meier und der SV Werder Bremen, das ist eine Beziehung, die weit über eine Kurzzeit-Episode eines Fußball-Legionärs hinausgeht. Das ist echte Liebe. Als Meier 1980 von Bergedorf 85 an die Weser wechselte, war er ein Nobody und die Bremer spielten in der zweiten Liga. Unter Trainer Otto Rehhagel war er ein wichtiger Mosaikstein auf dem Bremer Erfolgsweg. Der Mittelfeldspieler mit dem feinen linken Fuß wurde Nationalspieler, der SV Werder stieg zum gefährlichsten Bayern-Jäger auf und holte mit Meier 1988 die Meisterschale. In 372 Spielen für Werder traf Meier 113 Mal ins Tor. Und das als Mittelfeldspieler.

“Das waren tolle Zeiten”, sagt Meier. “Dieter Burdenski sorgt dafür, dass wir Alten uns noch ab und zu treffen.”Kommentar

Seiner alten Wirkungsstätte hat er erst am Sonntag einen Besuch abgestattet. Diesmal rein dienstlich. In einer Loge hat er sich die Bremer 3:5-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg angesehen. “Das war ein Spektakel”, sagt er. “Werder ist richtig gut drauf. Und dass die Bremer fünf Tore kassiert haben, heißt nicht, dass die Abwehr ihre Achillesferse ist. Solche Treffer bekommst du sonst nur gegen die Bayern.”

Arminias Rückkehr in die zweite Liga ist ein machbares Ziel

Gegen die Bremer sieht sich Meier mit seiner Bielefelder Arminia als Außenseiter. Schon vor der Auslosung des Achtelfinals wusste der 56-Jährige, dass er gegen seinen alten Klub spielen wird. “Als ich meiner Frau das sagte, erwiderte sie: Norbert, du spinnst”, erzählte Meier. “Manche träumen die Lottozahlen, ich habe eben gesagt, wir kommen gegen Werder.”

Meier ist jetzt seit einem Jahr Trainer in Bielefeld. Den Klassenerhalt in der zweiten Liga schaffte er nicht, aber in der dritten Liga hat er eine harmonische Arminia-Einheit geschaffen. Nach 27 Meisterschaftsspielen haben die Bielefelder mit 55 Punkten als Tabellenführer schon neun Zähler mehr eingefahren als die Verfolger Holstein Kiel und MSV Duisburg. Die Rückkehr in die zweite Liga ist das ebenso wichtige wie machbare Ziel, der Pokalschlager gegen die Bremer soll zum großen Erlebnis werden. So jedenfalls will es Meier: “Meine Spieler brauchen keine Angst zu haben. Sie sollen das Pokalspiel vor dieser Kulisse genießen.” Mit 26137 Zuschauern ist die Schüco-Arena längst ausverkauft.

Den Spitznamen “Heimspiel-Meier” findet Meier nicht witzig

Auch Meier ist heiß auf dieses Spiel. Der Bielefelder Trainer war schon immer ein Mensch mit Ecken und Kanten. So witzig und amüsant er über Erlebnisse aus der guten alten Werder-Zeit plaudern kann, so wirsch reagiert er, wenn Fragen nicht nach seinem Geschmack sind. Von Trainer Rehhagel wurde Meier zum Ende ihrer gemeinsamen Zeit an der Weser bei Auswärtsspielen manchmal nicht berücksichtigt und wenn, dann meist ausgewechselt. Fortan wurde der 16-malige Nationalspieler mit dem Spitznamen “Heimspiel-Meier” versehen. Noch heute findet Meier das nicht witzig. Eine Frage dazu reicht, dann zeigt der eben noch charmante Plauderer seine andere Seite und schaltet in den Offensiv-Modus. Am Mittwoch können ihm seine Arminen nacheifern und angreifen. Auf dem Rasen gegen seine alte Liebe.