Bei Inter Mailand darf Podolski endlich wieder spielen

Gut gelaunt: Lukas Podolski zeigte sich bei seiner Ankunft in Mailand gleich mit einem Inter-Schal.
Gut gelaunt: Lukas Podolski zeigte sich bei seiner Ankunft in Mailand gleich mit einem Inter-Schal.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Bei Arsenal saß Lukas Podolski oft auf der Bank. Inter Mailand hat sich seine Dienste für den Rasen gesichert. Nur das interessiert den Weltmeister.

Mailand.. Das nennt man Arbeitseifer! Der Leihvertrag zwischen Inter Mailand und dem FC Arsenal war noch nicht einmal unterscheiben, da tauchte Lukas Podolski bereits im Trainingszentrum Appiano Gentile auf. Gern hätte der Kölner auch die Fußballschuhe geschnürt. Aber weil sich sein alter und sein neuer Arbeitgeber über Details noch nicht einig waren – die Unterzeichnung wird für den heutigen Montag erwartet –, musste der Weltmeister das tun, was zuletzt beim englischen Erstligisten Arsenal seine Hauptbeschäftigung war: zuschauen, wie die Kollegen mit dem Ball umgehen. Ob ihn das Gesehene erfreut hat, verkündete der eifrige Twitter-User bislang aber noch nicht.

Ein paar talentierte Kollegen findet er trotz Inters elftem Tabellenplatz in der italienischen Serie A an seiner neuen Arbeitsstelle immerhin. Kroatiens Spielmachertalent Mateo Kovavic ist dribbelstark und hat ein gutes Auge für den Nebenmann. Wenn er noch lernt, beide Vorzüge miteinander zu verbinden, und seine Slalomläufe mit einem Pass statt einem Ballverlust beendet, ist er reif für die ganz große Fußballbühne. Spaß dürfte Podolski auch das Zusammenspiel mit dem schnellen Mauro Icardi bereiten. Der Argentinier, einst beim spanischen FC Barcelona aussortiert, weil er zu sehr Mittelstürmer war und horizontales Passspiel hasste, ist schnell, direkt und trickreich.

Inter Mailand erhofft sich Erlösung durch Podolski

Seinen Durchbruch hat er aber noch nicht geschafft. Zumindest nicht auf dem Rasen. Bekannter als für Tore wurde Icardi durch die Affäre, in deren Folge er dem einstigen Mannschaftskollegen Maxi Lopez die Ehefrau ausspannte und später selbst ehelichte. Das Trio ließ die Welt per Twitter und Facebook an der Affäre teilhaben. Podolski trifft also auf einen via Internet vielleicht noch mitteilsameren Kollegen.

Streit Fußballerisch erhofft sich Inter eine Erlösung durch Podolski. Seit dem Triumph in der Champions League im Jahr 2010 produzierten die Nerazzurri vor allem Negativschlagzeilen. Trainer wurden verschlissen, einstige Ikonen wie Javier Zanetti zu spät und auch noch stillos entsorgt. Sogar Oberfan Massimo Moratti verlor die Lust und verkaufte erst den Klub und trat später dann sogar als Ehrenpräsident zurück.

Podolski: "Mancini hat mich unbedingt gewollt"

Trainerlegende Roberto Mancini, mit ihm gelangen fünf Titelgewinne hintereinander, will die Wende mit einem 4-2-3-1-System versuchen. Dafür braucht er Angreifer auf den Flügeln. Nachdem der Poker um Kandidat Nummer eins, Alessio Cerci, verloren ging – er wechselte von Atletico Madrid zum Inter-Lokalrivalen AC Mailand –, ist nun Podolski an der Reihe. „Ich kenne ihn von der Premier League her gut. Er kann verschiedene Rollen übernehmen und wird uns sicher weiterhelfen“, meinte der frühere Meister-Coach von Manchester City optimistisch.

Podolski Podolski, der sich selbst nie wirklich als Flügelspieler sah, betonte bei seiner Ankunft auf dem Flughafen Mailand Linate, bei der ihn eine Hundertschaft Fans euphorisch begrüßte: „Der Trainer hat mich unbedingt gewollt.“ Ein schöner Kontrast zu Arsenal-Trainer Arsene Wenger, der zuletzt alles wollte, nur nicht Lukas Podolski auf dem Rasen. Ob der gleich am Dienstag zum Einsatz kommt, ist nach den Unterschriftsverzögerungen aber fraglich. Da geht es für die Mailänder im sogenannten Derby d’Italia gegen Juventus Turin. „Tore gegen Juventus“ forderten die Fans bei der Begrüßung auf dem Flughafen vom Neuankömmling. Podolski, geschmückt mit einem Inter-Schal, winkte lächelnd ab und ließ wissen, dass nicht er für die Aufstellung verantwortlich zeichne.

Medialer Gegenwind in Italien

Ersten medialen Gegenwind hatte Podolski noch vor der ersten Ballberührung bekommen. Die „Gazzetta dello Sport“ kramte ein schon sieben Jahre altes Interview hervor, in dem der 29 Jahre alte Podolski sich ausgerechnet als Juventus-Fan identifizierte. Das ließ sofort Luft aus der frischen Liebe zu Inter entweichen. Und es wird klar: Hier haben nur zwei Versehrte zusammengefunden, die sich an den Krücken des Anderen aus den Malaisen befreien wollen.