Kommentar

Bayern schwächen sich durch die Entscheidung im Fall Hoeneß

Der Schachzug, Uli Hoeneß in seinen Ämtern zu belassen, sollte die Bayern stärken. Tatsächlich schwächt er sie. So wie sich die Spitzen der Industrie mit ihrem Votum geschadet haben. Nebenbei verletzt man auch das Gerechtigkeitsempfinden der breiten Mehrheit. Ein Kommentar.

München/Essen.. Weil es im Wirbel um den Steuerbetrüger Uli Hoeneß untergegangen ist: Karl-Heinz Rummenigge bleibt bis 2016 an der Spitze der FC-Bayern-München-AG. Der Aufsichtsrat hat seinen Vertrag am Montag verlängert. Der Aufsichtsrat, der mit 8:0 Stimmen das Angebot von Uli Hoeneß abgelehnt hat, seine Ämter als Vereinspräsident und Vorsitzender des Kontrollgremiums ruhen zu lassen.

Eine Sitzung, zwei Entscheidungen, ein Zusammenhang: gedacht als kraftvolles Signal aus dem Mia-san-mia-Verein an den Rest der Welt. Wir stehen wirtschaftlich und sportlich bombig da. Wir stehen hier zusammen, und zwar alle hinter Uli Hoeneß. Ob Repräsentanten der deutschen Wirtschafts-Elite wie Audi-Manager Rupert Stadler, VW-Chef Martin Winterkorn oder Adidas-Boss Herbert Hainer wirklich nicht merken, dass sie die Bayern damit nicht gestärkt, sondern geschwächt haben? Dass sie ihrem eigenen Ansehen schaden?

Und alle rühmen sie sich ihrer Compliance-Regeln in ihren Konzernen. Null Toleranz gegenüber Korruption, gegenüber jedem Verhalten, das gegen Anstand und Gesetz verstößt. Aber bei Uli Hoeneß, da haben sie Steuerbetrug in Millionenhöhe wie ein Bagatelldelikt behandelt. Man will Ruhe und tritt doch eine Glaubwürdigkeitsdebatte los, macht den Fall Hoeneß endgültig zum Politikum und verletzt nebenbei das Gerechtigkeitsempfinden der breiten Mehrheit. Und das alles mit Blick auf ein Finale in Wembley? Es ist beschämend.

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