Ballack wird fristlos gekündigt
16.06.2011 | 19:36 Uhr 2011-06-16T19:36:00+0200
Frankfurt/Main.Der rasante Abstieg des Michael Ballack vollzog sich in gerade mal sieben Wochen, in 50 Tagen katapultierte es den heute 34-Jährigen vom Fixstern des deutschen Fußballs zum Fremdkörper. Es war der 16. Mai 2010, als die ARD ihre Primetime frei räumte, um einen „Brennpunkt“ zum WM-Aus des deutschen Nationalelf-Kapitäns zu senden, das die Fangemeinde in Panik zu versetzen schien. Die Nation lernte alle medizinische Details über den „Riss des Innenbandes und Teilriss des vorderen Syndesmosebandes im rechten oberen Sprunggelenk“, jene Verletzung, die vermeintlich sämtliche WM-Blütenträume zerstoben ließ.
Und dann, eben jene 50 Tage später, am 5. Juli 2010, verabschiedete sich der Capitano aus dem deutschen WM-Quartier im südafrikanischen Centurion. Die DFB-Elf feierte ihren Viertelfinal-Triumph gegen Argentinien, doch Ballack gehörte nicht mehr dazu. Es war eine Flucht. In jenem Moment war die DFB-Karriere des 98-maligen Nationalspielers de facto vorbei.
Was folgte, war ein fast einjähriges, mühsames, in Teilen unwürdiges Gezerre um Formelkompromisse – bis Bundestrainer Joachim Löw am Donnerstag auf der offiziellen DFB-Homepage verkünden ließ, was ohnehin jeder ahnte, wenn nicht wusste: „Michael Ballack wird künftig nicht mehr dem Kader der deutschen Nationalmannschaft angehören“, lautete der erste Satz der Pressemitteilung 60/2011, die um 10.55 Uhr das Ende der DFB-Karriere des Mittelfeldspielers bedeutete. Es ist die fristlose Kündigung eines lange führenden Angestellten. Es folgten die branchenüblichen Danksagungen in Richtung Ballacks, der laut Löw „ein Jahrzehnt ein sehr wichtiger Führungsspieler der Nationalmannschaft“ war und entsprechend „enormen Anteil an den großen Erfolgen des Teams seit der WM 2002 hat. Er hat eine Ära geprägt.“
Dem ist nicht zu widersprechen. Ballack entschied die WM-Relegation 2001 mit drei Treffern gegen die Ukraine, bei der folgenden WM schoss er die DFB-Elf mit seinen entscheidenden Treffern ins Finale, in dem er dann wegen Gelbsperre fehlte. 2006 war er der Kopf, der Capitano der DFB-Elf – und noch bei der EM 2008 war sein Tor gegen Österreich das Bekenntnis des Führungsspielers, der im Zweifel auf dem Platz einen rauen Umganston pflegte. Doch die Zeit des einsamen Herrschers auf dem Spielfeld war abgelaufen.
Das Team hat sich nach und nach abgenabelt vom einst als „unverzichtbar“ geadelten Ballack, sich emanzipiert und die WM in Südafrika hat das Modell der flachen Hierarchie zur Blüte geführt. Es sei, teilte Löw mit, „im Interesse aller eine ehrliche und klare Entscheidung angebracht“ gewesen. Und er habe, so der Bundestrainer, nach den Gesprächen mit Ballack, die zuvorderst Telefonate waren, „den Eindruck, dass Michael durchaus Verständnis für unsere Sichtweise hat.“ Ballack verzichtete zunächst auf eine Replik. Doch es ist alles andere als ein Geheimnis, dass das Verhältnis der beiden Protagonisten als gestört gelten darf.
Entsprechend stößt auch das vermeintlich honorige Angebot des DFB, Michael Ballack beim Freundschaftsspiel am 10. August gegen Brasilien „einen würdigen Abschied“ zu bereiten und ihn die Nationalelf aufs Spielfeld führen zu lassen, offenbar auf wenig Gegenliebe. Statt dessen dürfte sich beim DFB mancher fragen, ob Michael Ballack sein Schweigen des Belämmerten noch bricht und zum verbalen Gegenschlag ausholt – und vor allem: wann und wo?
Die Zeit im DFB-Trikot aber ist vorbei. Und Michael Ballack, im Umgang stets freundlich, aber distanziert, im Zweifel immer etwas chemisch rein, dieser etwas andere Star, dem zum Mythos wohl die Ecken und Kanten fehlten, bleibt ein Unvollendeter.
Wohl selten ist eine Karriere so mustergültig geplant worden wie die des Jungen aus der Salvador-Allende-Straße in Karl-Marx-Stadt. Ein Mann ohne Brüche, der behutsam Schritt für Schritt machte. Kaiserslautern, Leverkusen, Bayern, erst dann Chelsea. Ein überragender Mittelfeldspieler, und auf der anderen Seite doch eine tragische Figur, die so oft Zweiter war. Mit Leverkusen, mit Chelsea. Mit der Nationalelf. Er hat so oft das letzte Spiel verloren, dass man seine ganzen Titel schnell vergisst.
Und dieses letzte Spiel. Es war nicht zu gewinnen.
13:14
War noch nie ein Freund von Hr. Ballack oder Hr. Löw,muss ich ja auch nicht. Aber meiner bescheidenen Meinung nach, werden beide überschätzt, wobei dies auf MB etwas weniger zutrifft. JL trifft sehr merkwürdige Entscheidungen und hat nicht den Mut den Betroffenen dies persönlich mitzuteilen (lt. Presse im Fall Ballack in Telefonaten). Eine gute WM2010 hat wieder alle beim DFB geblendet. Ich wette, mit einer anderen Innenverteidigung wäre bei der WM2010 mehr raus gekommen. Platz 3 schön und gut, freut mich auch, aber was er sich damals bei den Nominierungen der IV gedacht hat, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben (btw: mein Tipp wäre Hummels/Höwedes gewesen). Und soziale Kompetenz, jedenfalls im Bereich Verabschiedung verdienter Spieler, scheint ihm völlig abzugehen. Bedauerlich, dass der DFB nur ein jämmerlicher Haufen von Abnickern ist und diesem Trauerspiel nicht ein Ende bereitet. Das große Potenzial mit so vielen jungen talentierten Spielern, ist bei JL völlig verloren....schade eigentlich. MB sei gedankt für etliche gute Spiele für unsere Nationalmannschaft.
Glückauf
11:49
So geht es nicht! Wenn Ballack die Leistung erbringt muss er geanuso in der Nationalmanschaft spielen dürfen wie einst Lehmann oder Kahn.
Natürlich muss auch Löw die Chance haben eine Mannschaft aufzubauen, aber die Art wie er die Leute rausekelt ist ein ganz mieser Stil.
11:27
Ist schon ein komischer Kauz unser Bundes-Jogi.
Erst das rumgeeiere mit Kuranji, dann Frings und jetzt Ballack.
Der Typ hat ein Rückgrad wie ein Kaugummi.
Langsam geht mir diese Spätzle Connection eh gehörig auf den Geist.
Erst Klinsi, jetzt Jogi und demnächst Adrion oder was?
Hoffe, dass er nach der EM seine Sachen packt und fähigere Leute ( Sammer ) ran lässt.
10:55
Genau so unehrenhaft abgesägt wie Frings. auch wenn Ballack nicht ins Konzept passt ist er noch um längen besser asl Rudy !? Das passt aber zum Bundestrainer.
- Nur Milchbubies ins Team lassen, die nicht widersprechen
- Bevorzugt Spieler die schlechte Leistung bringen.
- Bevorzugt Spieler aus den südlicheren Regionen.
10:42
Unwürdig.....für das, was er geleistet hat....
Unmöglich....in diesem Stil nach 99 Länderspielen verabschiedet zu werden...
bin auch kein Fan von ihm, aber SO geht man nicht mit verdienten Spielern um. Schade, Herr Löw, hatte Sie da als Gentleman anders eingeschätzt !!
09:46
Der Abgang passt doch zur ewig beleidigten Leberwurst und Heulsuse Ballack, der zu den meist überschätzten Spielern des letzten Jahrzehnts gehört. Und das Gejammere der Vizekusener ist ja auch verständlich, sie müssen ja irgendwie die Millionen rechtfertigen, die sie noch für so einen Ergänzungsspieler ausgegeben haben.
08:24
Er war nicht der erste und wird auch nicht der letzte sein, der vom DFB in dieser Art fallen gelassen wird. So war und ist der Umgang dort mit Menschen. Da wird auch nicht mehr gefragt, was sie geleistet haben. Ältere werden sich sicherlich noch daran erinnern, dass auch ein Hans-Hubert Vogts (der schließlich Weltmeister, Europameister, Kapitän der Nationalmannschaft war) einfach nicht mehr zu Länderspielen eingeladen worden ist. Da krähte damals kein Hahn nach.
07:47
Was soll denn die ganze Heuchelei, auch der Westen schrieb Kommentare und Artikel, dass die Nationalmannschaft ohne Ballack hervorragend die deutschen Farben bei der WM 2010 vertreten hat. Mit mittlerweilen 34 Jahren muß ein Spieler auch mal einsehen das seine Zeit als Nationalspieler vorbei ist. Daran zu denken, die EM 2012 zu spielen, ist doch reine Heuchelei gewesen
07:46
... na ja, ich bin zwar auch kein Ballack Fan aber die Art und Weise wie er ausgebootet wurde ist schon traurig. Mal schau´n wer der nächste ist? Von mir aus Lahm vielleicht, ist ja auch schon 27!
07:42
Fußball ist Lebensersatz.