Babbel bleibt Trainer in Stuttgart
28.10.2009 | 19:12 Uhr 2009-10-28T19:12:00+0100
Stuttgart. Markus Babbel bleibt auch nach dem Pokal-Aus beim Zweitligisten Greuther Fürth Trainer des VfB Stuttgart. Er konnte das Präsidium in einer Sitzung überzeugen. Aber offenbar gibt es auch keinen geeigneten Nachfolger. Die Alternativen überzeugen nicht.
Es war kurz nach 15 Uhr, als Markus Babbel gestern im mausgrauen Trainingsoutfit aus dem Spielereingang des Roten Hauses schlüpfte. Aufrecht, mit einem Lächeln im Gesicht, nahm er Kurs auf seine Mannschaft, die sich auf dem Platz bereits aufgestellt hatte. Ein Applaus von mehreren hundert Fans empfing den Teamchef des VfB Stuttgart, der schon lange keine freudvollen Momente mehr erlebt hatte. Nach dem 0:1-Pokal-Aus am Dienstag beim Zweitligisten Greuther Fürth musste der Coach ernsthaft um seinen Job fürchten. „Für mich wird es so langsam eng“, sagte Babbel. Doch der VfB wird zunächst den Weg mit dem Trainer weitergehen. „Wir sind überzeugt, dass dieses Trainerteam die Mannschaft aus der Krise herausführen wird“, sagte Horst Heldt gestern.
Zwölf Minuten dauerte die Ansprache von Babbel an die Mannschaft. Wesentlich länger dauerte gestern die Krisensitzung, bei der das Trainerteam den Vorstand anscheinend davon überzeugen konnte, dass man tatsächlich einen Plan für bessere Zeiten hat. Ein Ultimatum wird es für den Mann nicht geben, der den VfB in die Champions League und in dieser Saison aus dem Pokalwettbewerb und in die Abstiegszone der Bundesliga geführt hat. „Es gibt keine Frist“, sagte Heldt. Der Manager wirkt dünnhäutig. Die Entlassung seines Freundes, der auch noch im selben Haus wohnt, würde ihn schon hart genug treffen. Erschwerend hinzu kommt, dass Heldt damit auch für falsche Personalentscheidungen verantwortlich gemacht würde. An der fehlerhaften Zusammenstellung des Kaders hat er entscheidend mitgewirkt. Heldt betont jedoch immer wieder glaubhaft, Privates und Berufliches trennen zu können.
Plädoyer für Babbel von Lehmann
Ausgerechnet der unberechenbare Jens Lehmann hielt am Abend des Scheiterns ein Plädoyer für den Coach: „Ich denke, der Verein weiß, dass ich absolut dafür bin, Konstanz zu behalten und mit den Trainern weiterzuarbeiten“, sagte der Torwart. „Fehler, die wir Spieler machen, jetzt mit Fehlern des Vereins gutmachen zu wollen, ist nie gut. Das kann dazu führen, dass man in vier Monaten wieder hier steht, und eine Situation hat, die der jetzigen ähnelt.“
Babbel profitiert aber auch von dem Umstand, dass der VfB auch keinen adäquaten Nachfolger präsentieren kann. Der frühere Bochumer Marcel Koller steht bereit. Doch man weiß, dass der Abstiegsverhinderer aus der Schweiz noch nie über das diffuse Mittelfeld der Liga hinausgekommen ist. Im Fall von Jürgen Klinsmann haben beide Seiten kein Interesse an einer Zusammenarbeit. Lucien Favre, ein ausgewiesener Fußball-Fachmann, hat sich mit einer skurrilen Abschiedsrede in einem Berliner Nobelhotel nicht unbedingt für weitere Engagements in der Liga empfohlen.
Egal, welche Gründe letztlich die Verweildauer von Babbel in Stuttgart verlängert haben – eine Perspektive hat er nur im Fall eines Aufschwungs. Der müsste schon am Samstag gegen Bayern München ansetzen.
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