Ausschreitungen in der Türkei erreichen neue Dimension

Was wir bereits wissen
Flaschen und Steine sind schon häufig bei Fußballvereinen geflogen. Die Schüsse auf den Mannschaftsbus von Fenerbahce Istanbul ist nun eine neue Dimension. Dass der nächste Spieltag in der Süperlig abgesagt wird, ist die richtige Entscheidung. Diese Symbolik löst aber nicht die Probleme am Bosporus. Ein Kommentar.

Flaschen und Steine gegen einen Mannschaftsbus zu werfen? Überall schon dagewesen, im türkischen, im deutschen Fußball. Aber Schüsse? Du lieber Himmel.

Der türkische Fußball reagiert auf den Irrsinn in Trabzon mit Symbolik. Dass die Süperlig den kommenden Spieltag abgesagt hat: richtig. Eine Pause kann den überhitzten Gemütern auf allen Seiten nur gut tun. Aber Symbolik löst die Probleme des Fußballs am Bosporus nicht.

Trabzonspor fühlt sich bis heute um den Titel betrogen

Der Anschlag dient nun als Anlass, alte Rechnungen neu aufzumachen. Eine lautet: Fenerbahce soll sich 2011 die Meisterschaft erkauft haben. Feners Präsident wurde später wegen Bandenbildung verurteilt, der Verein war zwei Jahre lang von allen Uefa-Wettbewerben ausgeschlossen. Trabzonspor, damals Zweiter, fühlt sich bis heute um den Titel betrogen. Ist das der Nährboden der Tat? Vermengt wird das in der öffentlichen Debatte mit nahezu allen gesellschaftlichen Problemen des Landes, für die auch der Fußball immer wieder als Ventil dient.[kein Linktext vorhanden]

Schüsse von wirren Einzeltätern

Für diesen Fußball und für das Land wäre es sicher die am wenigsten schmerzliche Variante, sollte sich herausstellen, dass ein eigentlich nahe liegender Gedanke zutrifft: dass die Schüsse von Trabzon das Werk von wirren Einzeltätern waren.