Aufstand der Fußballer gegen Variante Futsal

So sieht Futsal bei der WM aus: Es gibt keine Banden als Spielfeldbegrenzung, gespielt wird auf Handball-Tore, und der Ball ist kleiner als gewohnt.
So sieht Futsal bei der WM aus: Es gibt keine Banden als Spielfeldbegrenzung, gespielt wird auf Handball-Tore, und der Ball ist kleiner als gewohnt.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Der DFB möchte das Spiel in der Halle erneuern und setzt daher ab sofort auf die Variante Futsal - die Klubs an Rhein und Ruhr wehren sich gegen diese Pläne.

Essen.. Das kleine gallische Dorf aus den Asterix-Bänden hat eigentlich keinen Namen. Läge es in Deutschland, könnte es Bottrop heißen. Oder Oberhausen. Vielleicht Duisburg, vielleicht Dortmund. Vielleicht Essen. Orte, die sich wie die Gallier gegen einen übermächtigen Gegner zur Wehr setzen wollen. Gegen den DFB und seine Regionalverbände. Der Deutsche Fußball-Bund ist gerade dabei, den Hallenfußball zu reformieren. Futsal lautet das Zauberwort. Anderer Ball, kleinere Tore, keine Banden. Der klassische Hallenfußball wird bald nicht mehr geduldet. Ja, spinnen die denn beim DFB?

Futsal – die aus Uruguay stammende Fußballvariante „Futebol de Salao“ wird mit südamerikanischer Spielfreude verbunden. Ein Ball, vier Feldspieler, ein Tor – soweit die Gemeinsamkeiten zum traditionellen Hallenfußball.

Neymar und Messi spielen Futsal

Aber: Gespielt wird auf Handballtore, es gibt keine Bande, das Grätschen ist verboten. Den größten Unterschied macht aber der Ball aus. Der ist ein bisschen kleiner und sprungreduziert, er tippt kaum auf dem Hallenboden. Technisch ist er dadurch ganz anders beherrschbar. Auch Argentiniens Fußballidol Lionel Messi sowie die brasilianischen Stars Neymar („Futsal hilft dir enorm, weil es dein schnelles Denken schult“) und Hulk („Wenn du es als Kind gespielt hast, profitierst du später davon“) haben ihren Aufstieg in die Weltfußballelite den Futsaljahren der Kindheit zu verdanken.

Doch spielen in den Hallen des Ruhrgebiets weder Neymar noch Messi. Die Vereine reagieren hier nicht anders als in anderen Bundesländern auf die erzwungene Neuerung: mit Ablehnung. Fußball

Viele Städte haben jüngst ihre Hallenkönige ermittelt. Meist noch in ruppigen Zweikämpfen an der Bande. Mit satten Torschüssen von der Mittellinie. Mit der ein oder anderen Grätsche als letzte Verteidigungsoption. Klassischer Hallenfußball eben, ein Stück Tradition.

„Auf das Spiel mit Bande und Körpereinsatz wollen wir nicht verzichten“, heißt es aus Bottrop. „Futsal kommt uns bei der Stadtmeisterschaft nicht in die Halle“, schallt es aus Oberhausen. „Kommt Futsal, spielen wir künftig nicht mehr mit um den Stadtpokal“, formulieren Vereine in Duisburg die Grabrede bereits vor.

Noch mehr Beispiele? In Gelsenkirchen sollte der Stadtmeister nach Futsalregeln ermittelt werden, doch dann erfolgte durch den Protest der Vereine der Fallrückzieher aufs Fußballregelwerk. In Dortmund kam es gar zum Eklat: Als sich Peter Richarz vom dortigen Fußballkreis ein Meinungsbild zur Regeländerung machen wollte, wurde sein Zugang zur Verbandsplattform DFB.net gesperrt – Rote Karte im Internet. Zuvor hatte ihm allerdings der Großteil der Vereine bescheinigt, weiter auf Fußball setzen zu wollen. Jüngst krönte sich Oberligist ASC 09 zum Dortmunder Stadtmeister – gespielt wurde nach altbewährten Fußballregeln.

Da wären wir also wieder beim Vergleich zu den Galliern um Asterix und Obelix, die den übermächtigen Römern stets die Stirn bieten. Doch das Leben ist kein Comic, die Flasche Pils am Turnierkiosk kein Zaubertrank. Der Weltverband Fifa setzt auf Futsal, der DFB will nun ebenfalls keine andere Hallenvariante mehr dulden. Am Ende werden wohl die Römer gewinnen, Futsal wird kommen. In einigen Regionen gibt es eine Übergangsfrist von zwei Jahren, in anderen ist Futsal ab dem kommenden Winter endgültig Pflicht – das Ende der Bandenkämpfe.

Die kontroverse Diskussion

Um die kontroverse Diskussion weiß auch Peter Frymuth, DFB-Vizepräsident und Vorsitzender des Fußballverbands Niederrhein. „Es gibt viele Vorzüge, die für Futsal sprechen“, sagt Frymuth und hebt den technische Schulung durch den Futsalball hervor. Er lobt auch das Fair Play – ähnlich wie beim Basketball gibt es beim Futsal Mannschaftsfouls, die mit einem direkten Freistoß ohne Mauer betraft werden. Frymuth: „Nach Wahrnehmung der Vereine ist es sicher eine große Veränderung. Allerdings ist Deutschland hallenfußballtechnisch gesehen eine Insel. Wir spielen unseren Hallenfußball aus Tradition, während der Rest der Welt längst nach Futsal-Regeln spielt. Warum können wir diesen Wandel nicht positiv begleiten?“