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Ton wird rauer: Scheich attackiert Infantino - Ali klagt

23.02.2016 | 19:20 Uhr
Salman bin Ibrahim al Chalifa ist einer von fünf Bewerbern um die Nachfolge von FIFA-Chef Joseph Blatter.
Salman bin Ibrahim al Chalifa ist einer von fünf Bewerbern um die Nachfolge von FIFA-Chef Joseph Blatter.Foto: Patrick B. Kraemer/dpa
Salman bin Ibrahim al Chalifa ist einer von fünf Bewerbern um die Nachfolge von FIFA-Chef Joseph Blatter.
Südsudan will bei der FIFA-PRäsidentwahl für Gianni Infantino stimmen.
Prinz Ali bin al-Hussein fordert eine Verschiebung der FIFA-Präsidentenwahl.

Zürich.  Kurz vor der Entscheidung über die Nachfolge von FIFA-Chef Joseph Blatter wird der Ton unter den Kandidaten deutlich rauer.

Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa attackierte Gianni Infantino in bislang nicht gekannter Weise und unterstellte seinem schärfsten Konkurrenten, die Zukunft des Fußball-Weltverbandes zu gefährden. Sollte der UEFA-Generalsekretär seine finanziellen Versprechungen wahr machen, wäre die FIFA existenziell bedroht. "Ich denke, wir wären in drei Jahren pleite", sagte al Chalifa in einem Interview der amerikanischen Nachrichtenagentur AP.

Um seine Befürchtung zu untermauern, plauderte Scheich Salman sogar eine bislang nicht bestätigte pikante Information aus. Demnach erwartet die FIFA nach den Monaten der Skandalenthüllungen erstmals seit langer Zeit wieder ein negatives Geschäftsergebnis mit einem Verlust von 560 Millionen Dollar (508 Millionen Euro) im laufenden Zyklus bis 2018. Infantino hat den 209 Mitgliedsverbänden ganz im Stile Blatters Finanzmittel von je fünf Millionen Dollar (4,5 Millionen Euro) für vier Jahre versprochen, sollte er beim außerordentlichen Wahlkongress am Freitag zum Nachfolger seines Schweizer Landsmannes gekürt werden.

Bislang erhalten die Verbände von der FIFA rund zwei Millionen Dollar für einen Vierjahreszyklus. Im Gegensatz zu Infantino will Scheich Salman nur bestimmte Projekte zusätzlich finanzieren. Auch der chancenlose Mitbewerber Jérôme Champagne hatte Infantino schon vorgeworfen, unseriöse Versprechungen zu machen. 2014 hatte die FIFA Reserven von rund 1,5 Milliarden Dollar in ihrer Bilanz ausgewiesen. Das Defizit soll laut Scheich Salman daraus kompensiert werden.

"Wenn Du Chef einer Firma bist, die Verlust macht und die versprichst Dividenden, macht das keinen Sinn", sagte Scheich Salman. Zudem könne der künftige FIFA-Chef nicht einfach alleine solche gravierenden Entscheidungen treffen", monierte der Bahrainer und unterstellte Infantino ein Demokratiedefizit.

Prinz Ali bin al-Hussein hat derweil andere Probleme. Aus Angst vor einer skurrilen Handy-Manipulation forderte der Außenseiter am Dienstag einen neuen Wahl-Termin - allerdings mit wenig Aussicht auf Erfolg. Bis zum Donnerstag will der Internationale Sportgerichtshof CAS über die Klage des Jordaniers befinden.

Dessen Antrag, am Freitag transparente Wahlkabinen nutzen zu lassen, sei vom ad-hoc-Wahlkomitee der FIFA abgelehnt worden, begründeten französische Anwälte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur im Namen al-Husseins den Schritt. Der CAS forderte die FIFA zu einer schriftlichen Antwort auf. Al-Hussein fordere zudem unabhängige Beobachter, "um die Integrität des Wahlprozesses abzusichern und zu gewährleisten, dass die Stimmen geheim abgegeben werden".

Der ehemalige Vizepräsident des Weltverbands verspricht sich von durchsichtigen Wahlkabinen geringere Möglichkeiten der Einflussnahme auf die abstimmenden Vertreter der 209 FIFA-Mitgliedsverbände. So könnten diese keine Handybilder ihres ausgefüllten Stimmzettels machen, um damit Dritten zu beweisen, wie sie votiert haben.

Mit Spannung wird derweil die Abstimmung über das Reformpaket beim außerordentlichen Wahlkongress am Freitag erwartet. Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach warnte wie seine Kollegin im Exekutivkomitee, Moya Dodd, vor einem Scheitern der neuen Statuten.

"Der Aufbruch zu neuen Ufern, der schon so oft proklamiert wurde, muss nun definitiv gelingen. Um überhaupt langfristig Glaubwürdigkeit zurückgewinnen zu können, ist die formale Annahme des Reformpakets von existenzieller Bedeutung", sagte Niersbach der Deutschen Presse-Agentur. Dodd bekräftige in Zürich: "Ich will nicht am 27. morgens aufwachen und die Reformen sind nicht verabschiedet. Die Reformen müssen einfach bewilligt werden."

Das Paket zu diversen Statutenänderungen muss beim außerordentlichen FIFA-Kongress eine Drei-Viertel-Mehrheit der 209 Mitgliedsländer bekommen. Scheitert es, droht ein rigoroses Eingreifen der US-Justiz in die FIFA-Strukturen angesichts der diversen Korruptionsskandale.

Laut Schweizer Behörden werden mittlerweile 152 verdächtige Finanz-Transaktionen wegen möglicher Geldwäsche im Zuge der Ermittlungen zur WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 untersucht. Dabei handele es sich um Verdachtsmeldungen über Bankkonten, die jeweils mehrere Geschäftsbeziehungen betreffen können. "Die Meldestelle für Geldwäscherei leistet sehr gute Analysearbeit, was die Führung der Strafverfahren der Bundesanwaltschaft wesentlich unterstützt", teilte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Dienstag mit.

In diesem Zusammenhang ermittelt die Schweizer Justiz auch gegen Blatter. Die Entscheidung der FIFA-Berufungskommission über den Einspruch des gesperrten Chefs und seines Stellvertreters Michel Platini gegen deren Sperren von je acht Jahren steht unmittelbar bevor. Lehnt das Gremium wie allseits erwartet die Anträge der Funktionäre ab, bliebe beiden nur noch der Gang vor den CAS.

(dpa)

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2016-02-23 19:20
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