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Aachen Ultras lösen sich auf - aus Angst vor rechter Gewalt

23.01.2013 | 10:00 Uhr
Die Ultras von Alemannia Aachen fühlten sich von ihrem Verein im Stich gelassen.Foto: imago sportfotodienst

Aachen.   Es ist ein einmaliger Vorgang: Eine Fußball-Fangruppe löst sich auf aus politischen Gründen, aus Angst vor Gewalt. So geschehen bei Anhängern des Drittligisten Alemannia Aachen. Im Interview spricht ein Mitglied der "Aachen Ultras" über die Hintergründe und die angespannte Situation am Tivoli.

Es ist ein einmaliger Vorgang: Eine Fußball-Fangruppe löst sich auf, aus politischen Gründen . Die Aachen Ultras (ACU), seit 1999 Heimat für zuletzt 100 Fans der Alemannia, wurden von Rechten gejagt, attackiert und eingeschüchtert und fühlen sich von ihrem Verein im Stich gelassen. 2010 hatte sich von der ACU die Karlsbande abgespaltet, die enge Verbindungen zum braunen Sumpf hat, etwa zur seit August verbotenen Kameradschaft Aachener Land. Einer der Aachen Ultras, erklärt die Hintergründe. Seinen richtigen Namen will der 26-jährige Student aus Angst vor neuen Übergriffen der Tivoli-Nazis nicht nennen.

Was ist seit der Abspaltung 2010 passiert?

Die Stimmung wurde immer aggressiver. Wir wurden beschimpft als Juden, Zecken und Homos. Und immer wieder bedroht von Hooligans und Neonazis. Auswärts im Gästeblock gab es Angriffe, uns wurde aufgelauert. Zuletzt, nach einem Auswärtsspiel, traf der Bus der Karlsbande auf einem Rastplatz auf ein Auto von uns: Fast alle aus dem Bus sind raus, haben den Wagen angegriffen und mit Flaschen beworfen; der Fahrer konnte nur mit Mühe abhauen. Hier in Aachen gab es Hausbesuche, wo Leute der Karlsbande die Wohnungstür eingetreten haben.

Ist die Karlsbande eine Neonazi-Gruppe?

Die Karlsbande sagt: Es interessiert uns nicht, was unsere Leute denken, Hauptsache sie sind für Alemannia. Aber alle wissen: Die Karlsbande duldet Nazis in ihren Reihen und im Umfeld, wir kennen die Verbindungen zur Rechtsaußen-Szene gut. Der Tivoli war schon immer Rekrutierungsfeld für Neonazis. Wer von denen in der Region groß geworden ist, hatte seine Anfänge meist am Tivoli.

Fußball
Aachener Ultras kapitulieren offenbar im Kampf gegen Rechts

Medienberichten zufolge haben sich der Alemannia-Aachen-Fanclub "Aachen Ultras" aufgelöst. Der Schritt sei die Konsequenz eines anhaltenden Konflikts...

Wie waren intern die Debatten?

Es war ein schleichender Prozess. Wir haben festgestellt, dass wir uns von anderen Fans und auch vom Klub immer weiter distanziert haben. Gespräche mit Alemannia haben wir gesucht, vereinzelt gab es die auch, aber dann schlief alles wieder ein. Tolle Empfehlungen gab es, wie: Setzt euch mit denen an einen Tisch. Mit Leuten, die mich zwei Wochen vorher angegriffen haben? Wie das denn? Von außen haben sich Mediatoren angeboten, Beratungsstellen der Stadt, Politologen der Hochschule. Im Verein hat man darauf nicht reagiert -- aus Angst vor dem Eindruck, man käme allein mit dem Problem nicht zurecht.

Immerhin darf die Karlsbande ihr Banner nicht mehr im Stadion aufhängen.

Darauf hat die Karlsbande reagiert durch das große Plakat „Unerwünscht“. Und dann, bei einem Spiel, hing das Karlsbande-Banner auf einmal wieder. Niemand ist eingeschritten. Auch im Nachgang gab es nichts dazu.

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Kommentare
24.01.2013
10:34
Aachen Ultras lösen sich auf - aus Angst vor rechter Gewalt
von HerrderFliegen | #5

Das hat der Innenminister Jäger nun von seinem Verbot der Kameradschaften. Dumm gelaufen!

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Aachen Ultras lösen sich auf - aus Angst vor rechter Gewalt
Aachen Ultras lösen sich auf - aus Angst vor rechter Gewalt
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http://www.derwesten.de/sport/fussball/3_bundesliga/wir-sind-muerbe-geworden-id7511907.html
2013-01-23 10:00
Alemannia Aachen, Ultras, Interview, Karlsbande, Aachen Ultras, ACU, Auflösung, Rechtsextremismus, Neonazi-Gruppierungen
3. Liga