Das aktuelle Wetter NRW 10°C
VfL Osnabrück

VfL Osnabrück entgeht Insolvenz

12.12.2012 | 13:58 Uhr
VfL Osnabrück entgeht Insolvenz
Der VfL Osnabrück ist Tabellenführer der 3. Liga.

Osnabrück/Hannover.  Der VfL Osnabrück hat noch einmal die Kurve gekriegt. Nach der Ausgliederung der Fußball-Profiabteilung erhält der hoch verschuldete Tabellenführer der 3. Liga ein Darlehen der Stadt. Die Insolvenz und ein weiterer Imageverlust für die Liga konnte so verhindert werden.

Osnabrücks Kommunalpolitiker haben mit einem 3,6 Millionen-Euro-Darlehen dem VfL Osnabrück und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen großen Dienst erwiesen. Dank der Finanzspritze der Stadt kann der mit rund neun Millionen Euro verschuldete Tabellenführer der 3. Liga eine drohende Insolvenz verhindern. Eine zweite Pleite nach der Insolvenz des Ligarivalen Alemannia Aachen hätte das ohnehin beschädigte Ansehen der als "Intensivstation" kritisierten 3. Liga noch mehr ramponiert.

"Es ist jetzt eine Brücke gebaut worden, über die der Verein gehen muss", kommentierte Osnabrücks Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) die Mehrheitsentscheidung im Stadtrat am späten Dienstagabend. Zwei Tage zuvor hatten die Clubmitglieder bereits die Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft beschlossen. Damit war eine zwingende Voraussetzung für die Gewährung des Darlehens erfüllt. "Vor uns liegt noch ein harter Ritt", warnte der neue VfL-Präsident Christian Kröger vor voreiligem Jubel.

VfL muss bis zum 28. Februar ein Sanierungskonzept vorlegen

Der niedersächsische Traditionsverein muss bis zum 28. Februar ein Sanierungskonzept vorlegen. Sollte dem Team von Trainer Claus-Dieter Wollitz die Rückkehr in die 2. Liga gelingen, wäre dies ein wichtiger Beitrag zur Entschuldung. Bei einem Scheitern müsste der VfL einen strikten Sparkurs fahren, unter anderem auf Kosten der Jugendarbeit.

Auch andere Vereine streben mit aller Macht aus der ungeliebten 3. Liga ins Fußball-Unterhaus. "Unser Verein hat Verbindlichkeiten. Die Konsolidierung ist nur in der zweiten Liga möglich", stellte Manager Oliver Kreuzer vom Karlsruher SC fest. Der Zweitliga-Absteiger spürt die große Kluft zwischen den Spielklassen in dieser Saison besonders. Die Diskrepanz bei den TV-Geldern kann auch der um ein positives Image bemühte zuständige DFB-Direktor Ulf Schott nicht leugnen.

"Da ist die Lücke von knapp sechs Millionen Euro an Fernsehgeld pro Zweitligist zu 700 000 Euro pro Drittligist gravierender", erklärte Schott. Für die 3. Liga stehen nach seinen Angaben 12,8 Millionen Euro pro Saison längerfristig zur Verfügung. Ehemalige Erstligisten wie Arminia Bielefeld, die heute unter den Folgen des Missmanagements aus angeblich besseren Zeiten leiden, haben daher kaum Chancen, ihre Schuldenberge abzubauen.

Aachens Pleite
Die Pleite in Aachen kostet den Fans die Dauerkarte

Die Dauerkartenbesitzer bei Alemannia Aachen müssen ab dem nächsten Heimspiel für den Eintritt Geld zahlen. Denn im Zuge des Insolvenzverfahrens beim Fußball-Drittligisten verlieren die Dauerkarten ihre Gültigkeit. Betroffen sind rund 8500 Fans der Alemannia.

So gilt neben Aachen und Osnabrück vor allem Hansa Rostock als großes Sorgenkind der 3. Liga. "Wir haben ein negatives Eigenkapital von 6,6 Millionen Euro. Das ist für den FC Hansa einfach zu viel", sagte der seit 2010 amtierende Vorstandschef Bernd Hofmann. Zinsen für Kredite und Darlehen reißen riesige Löcher in den Etat, ein millionenschweres Hilfspaket von Land, Kommune und Sponsoren wendete das Aus für Hansa in letzter Minute noch ab.

Auch andere Drittligisten kämpfen ums Überleben

Andere Drittligisten wie Kickers Offenbach, Darmstadt 98, 1. FC Saarbrücken, Wacker Burghausen oder Unterhaching kämpfen ums Überleben, sind aber nicht in ihrer Existenz bedroht. Große Sprünge kann keiner machen. "Jeder Verein muss ein Geschäftsmodell finden, das funktioniert", forderte Geschäftsführer Holger Sanwald vom 1. FC Heidenheim. Die Clubs müssten stärker in die Pflicht genommen werden, ausgeglichene Bilanzen zu präsentieren.

Nach eigenen Angaben scheibt Heidenheim schwarze Zahlen. Auch für Aufstiegsanwärter und Bundesliga-Gründungsmitglied Preußen Münster sieht es sportlich und wirtschaftlich positiv aus. Das freut den DFB, der gerne auf Vereine verweist, die in der 3. Liga ihre Einnahmen steigern, ihre Verbindlichkeiten abbauen und sich sportlich nach oben entwickeln konnten. "Ich denke da in erster Linie an Fortuna Düsseldorf und Eintracht Braunschweig", sagte DFB-Direktor Schott. (dpa)



Kommentare
Aus dem Ressort
Spitzenspiel beim MSV Duisburg - Dynamo Dresden ist zu Gast
Spitzenspiel
Am Samstag trifft der MSV Duisburg im Spitzenspiel der 3.Fußball-Liga auf Zweitliga-Absteiger Dynamo Dresden. Beide Klubs wollen nach oben, sagen es jedoch (noch) nicht. Der MSV rechnet mit 15 000 Zuschauern. 3000 Fans kommen aus Dresden.
Der MSV Duisburg sucht seine Abwehrformation
Defensive
Seit Wochen wechselt Trainer Gino Lettieri seine Innenverteidiger. Nach der englischen Woche will sich der Coach des Fußball-Drittligisten MSV Duisburg auf eine Stammbesetzung festlegen. Dabei hat der 47-Jährige die Qual der Wahl.
Neuzugang Feltscher ist mit dem Kopf komplett beim MSV
Feltscher
Gino Lettieri , Trainer des Drittligisten MSV Duisburg, hält viel von seiner Neuerwerbung Rolf Feltscher: „Rolf hat Kraft für die Offensive und verbeißt sich regelrecht in seinen Kontrahenten.“ Der Außenverteidiger hat sich binnen weniger Wochen zum Stammspieler gemausert.
MSV-Manager Grlic: "Das Team hat einen starken Charakter"
Grlic-Interview
Nach 14 Spielen liegt der Fußball-Drittligist MSV Duisburg gut im Rennen um die Austiegsplätze. Manager Ivica Grlic spricht im Interview über die Entwicklung der Mannschaft, die Leistungstiefs bei den Neuzugängen, das Innenleben des umstrukturierten Kaders sowie einen möglichen Aufstieg.
MSV Duisburg hat Geduld mit Neuzugang Fabian Schnellhardt
Neuzugänge
Die jungen Neuzugänge schlugen beim Fußball-Drittligisten unterschiedlich ein. Tim Albutat eroberte sich auf Anhieb einen Stammplatz, Rolf Feltscher arbeitete sich über engagierte Trainingsleistungen in die erste Elf. Nur bei Fabian Schnellhardt fällt die Zwischenbilanz etwas dünner aus.
Umfrage
Brauchen die deutschen Profiligen das Freistoßspray?

Brauchen die deutschen Profiligen das Freistoßspray?

 
Fotos und Videos
Tabellenführung verpasst
Bildgalerie
Viele Chancen vergeben
MSV mit Remis gegen Arminia
Bildgalerie
MSV
MSV gelingt Pokal-Überraschung
Bildgalerie
DFB-Pokal