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Alemannia hofft auf Rettung - Geschäftsführer Kraemer entlassen

31.10.2012 | 15:13 Uhr
Alemannia hofft auf Rettung - Geschäftsführer Kraemer entlassen
Chaos herrschte zuletzt nicht nur im Strafraum von Alemannia Aachen, sondern auch in den Finanzen.Foto: Getty

Aachen.  Alemannia Aachen hat die drohende Insovenz wohl vorerst abgewendet: Der Verein gab bekannt, dass ein Geldgeber aus den eigenen Reihen bereit sei, einzuspringen. Nun muss der Verein aber aufarbeiten, wie es zu dem erneuten Finanzloch kommen konnte.

Der finanziell schwer angeschlagene Fußball-Drittligist Alemannia Aachen arbeitet mit Hochdruck an der Rettung vor der drohenden Insolvenz und hat aus der finanziellen Schieflage personelle Konsequenzen gezogen. Wie der Verein am Mittwoch bekannt gab, hat sich der Traditionsklub mit sofortiger Wirkung von Geschäftsführer Frithjof Kraemer getrennt. Damit wird Uwe Scherr vorübergehend alleiniger Geschäftsführer.

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Es herrscht Existenz-Angst im Fußballgeschäft
Es herrscht Existenz-Angst im Fußballgeschäft

Dem deutschen Fußball geht es prächtig, heißt es. Die Stadien sind voll, die Vereine gesund, die Stimmung ist fantastisch, die Spannung ist groß. Dem deutschen Fußball muss es doch prächtig gehen. Oder?

Was der Satz tatsächlich meint: Der Bundesliga geht es prächtig.

Es hat sich viel geändert im Fußball, ihren Wohlstand verdankt die Bundesliga deshalb längst nicht mehr den Fans, sondern dem Fernsehen, das immer irrwitzigere Summen zahlt, um das Spektakel übertragen zu dürfen. Das ist ein Fest für die Erstligisten, die an den Fleischtöpfen sitzen.

Es ist zugleich die große Gefahr, die große Versuchung für die, die aus dem Paradies geflogen sind. Sie heißen MSV Duisburg und VfL Bochum und leben in der 2. Liga mehr schlecht als recht, weil es gar nicht genug Sponsoren geben kann , um allein den zig-millionenfachen Verlust an TV-Geldern ausgleichen zu können. Oder sie heißen Alemannia Aachen und leiden in der 3. Liga darunter, dass ihnen vom TV-Kuchen nur noch Krümel bleiben.

Man kennt, was zu oft folgt: Der Versuch, so schnell wie möglich zurück an den Fleischtopf zu kommen, macht, wenn er misslingt, alles noch viel schlimmer. Niemand muss daher Mitleid mit Alemannia Aachen haben: alles selbst verschuldet. Aber man darf schon darauf aufmerksam machen, dass das Geschäft im gelobten Fußball-Wunderland Deutschland in den hinteren Reihen ziemlich hart geworden ist.

"Es war seit einiger Zeit bereits klar, dass an dieser Entscheidung kein Weg mehr vorbeiging. Die Entscheidung ist Bestandteil der Sanierung und gehört zum aktuellen Vorhaben, für eine lückenlose Aufklärung zu sorgen", begründete Präsident und Aufsichtsratschef Meino Heyen die Trennung von Kraemer.

Ein Geldgeber aus den eigenen Reihen soll bereitstehen

Die drohende Insolvenz müsse unter allen Umständen verhindert werden, sagte Heyen, ein Geldgeber aus den eigenen Reihe sei bereits gefunden worden. In welchem Umfang dieser bereit ist, finanziell einzusteigen, gab der Klub allerdings nicht bekannt. Als "primäres Ziel" müsse das verlorene Vertrauen von Partnern, Gläubigern und Freunden zurückgewonnen werden: "Wir haben gute Leute im Haus, die in den nächsten Tagen ein Wirtschaftskonzept erstellen, das man den Partnern vorlegen kann und auf dessen Basis sie wieder ins Boot kommen."

Anfang der Woche war berichtet worden, dass die Alemannia kurzfristig zwei Millionen Euro benötigt, um zahlungsfähig zu bleiben. Die genaue Summe wurde am Mittwoch nicht kommuniziert. "Wir werden alles, was bisher erarbeitet wurde, nochmals auf die Prüfstand stellen. Wir haben Klarheit, brauchen aber nochmal die Bestätigung", sagte Aufsichtsratsmitglied Michael Nobis. Im Laufe der kommenden Woche sollen Ergebnisse vorliegen.

"Es fehlt Geld an allen Ecken und Enden"

Heyen war offenbar vom Ausmaß der prekären Situation überrascht. "Seit der Lizenzerteilung Anfang Juni sah alles sehr gut aus, eine Euphoriewelle ging durch die Stadt. Vier Monate später stehen wir vor einem Scherbenhaufen. Es fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. Man fragt sich, wie kann so etwas so schnell passieren?", sagte Heyen. Es gebe nach jetzigem Stand "nachlaufende Kosten aus der letzten Saison, aber auch die neue Saison begann mit finanziellen Verlusten".

Die klammen Kassen sind seit geraumer Zeit Thema in Aachen, das in der 3. Liga auf dem 14. Tabellenplatz liegt. Vor dem besiegelten Abstieg in Liga drei hatte Aachen wegen der Belastungen durch den Bau des neuen Stadions um die Lizenz gebangt. Anfang März hatte der Rat der Stadt Aachen einem Konzept zur Umstrukturierung der Finanzierung zugestimmt, dadurch sank die jährliche Finanzlast für die Alemannia von rund 4,3 auf 2 Millionen Euro. 2010 verhinderte eine Ausfallbürgschaft der Stadt die drohende Insolvenz. (sid)



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