Nur noch Endspiele für Preußen Münster auf dem Weg in Liga zwei

Freude bei Preußen Münster: Amaury Bischoff (l.) schoss sein Team im Derby gegen Osnabrück zum Sieg.
Freude bei Preußen Münster: Amaury Bischoff (l.) schoss sein Team im Derby gegen Osnabrück zum Sieg.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Die Euphorie beim Drittligisten ist dank Tabellenführung und zwei Siegen nach der Pause groß. Jetzt heißt es, nicht auf der Zielgeraden einzubrechen.

Münster.. Die imposanten schwarzen, weißen und grünen Rauchsäulen sind längst verflogen. Der martialische Wasserwerfer der Polizei steht nicht mehr auf dem Parkplatz und die Bereitschaftspolizisten in Kampfmontur sind ebenfalls zurück in ihrem Dienstgebäude. Wie ein Relikt vergangener glorreicher Zeiten erscheint das an einigen Ecken marode Preußenstadion in diesen Nach-Derby-Tagen. Die Eingangstore sind verschlossen. Publikumsverkehr herrscht höchstens im kleinen Häuschen vis-à-vis, welches die Geschäftsstelle des Fußball-Drittligisten SC Preußen Münster beheimatet.

Wer dort Carsten Gockel, Geschäftsführer und Vorstand Sport des einstigen Gründungsmitglieds der Bundesliga, treffen möchte, muss eine schmale Treppe ins Dachgeschoss emporsteigen. Vorbei an gerahmten Bildern aus der mehr oder weniger ruhmreichen Vergangenheit des Klubs. Geht es nach dem 41-Jährigen muss an diesen Wänden bald Platz geschaffen werden für neue Aufnahmen - vom Aufstieg in die 2. Bundesliga. Von der Rückkehr der Preußen ins erweiterte Rampenlicht des deutschen Profifußballs.

Nur noch Endspiele

Als Tabellenführer gehen die Münsteraner in das abschließende Drittel der Saison. Als Tabellenführer mit breiter Brust und Selbstbewusstsein bis dorthinaus, weil ihnen mit den Heimsiegen gegen Dynamo Dresden (2:1) und den VfL Osnabrück (2:0) ein perfekter Start nach der Winterpause gelang. „So wünscht man sich das“, erzählt Gockel, „denn diese Erfolge waren keine Selbstverständlichkeit.“

Ausschreitungen Zu ausgeglichen stellt sich die Tabelle der 3. Liga dar. Eine kleine Serie und es kann mehrere Plätze rauf - oder runter gehen. Selbst als Spitzenreiter. Gockel, der aus Soest stammt und selbst viele Jahre höherklassig hinter den Ball trat, gewinnt dieser Situation einerseits einen großen Reiz ab. „Es ist doch klasse, wenn du nur noch Spiele hast, in denen es um alles geht“, sagt er.

Rekord-Etat in dieser Saison

Andererseits wünschte er sich als Verantwortlicher schneller klare Verhältnisse. Schließlich wäre der Aufstieg für den schuldenfreien Klub, der die Saison mit einem Rekord-Etat von fast acht Millionen Euro bestreitet, nicht nur sportlich ein wichtiger Schritt. Die Euphorie, die derzeit um die Adlerträger herrscht, wollen Gockel und Co. ebenso nutzen, um den angestrebten Umbau, besser gesagt Neubau des fast 90 Jahre alten Preußenstadions voran zu treiben. „Die derzeitige Situation hier ist unwürdig“, sagt Carsten Gockel und blickt auf den Entwurf für eine moderne Heimstätte der Preußen, der in seinem Büro an einer Wand hängt. „Die Situation ist unwürdig“, wiederholt er und ergänzt: „Selbst für die 3. Liga.“

Rückrunden-Ambitionen Wie schnell sich solche Dinge im Erfolgsfall entwickeln können, bewunderte Gockel bereits beim ehemaligen Ligarivalen SV Darmstadt 98. Für den Umbau des maroden Stadions am Böllenfalltor wurden nach dem Aufstieg der „Lilien“ in die 2. Bundesliga in Rekordzeit zig Millionen Euro von der Politik zur Verfügung gestellt. „Wir dürfen von einem verrosteten Fahrrad auf ein wettbewerbsfähiges Rennrad umsteigen“, sagte der Vereinspräsident Rüdiger Fritsch dazu in der „FAZ“.

Schon einmal eingebrochen

So weit sind die Preußen aber noch lange nicht. Und selbst wenn Carsten Gockel das Potenzial in seiner Mannschaft so hoch einschätzt, dass er ihr den Sprung in die 2. Bundesliga zutraut, warnt er. „Wir sind schon einmal auf der Zielgeraden eingebrochen“, erklärt der Sportvorstand. Vor zwei Jahren war das. Damals dominierte Münster die Liga noch mehr als in dieser Saison - am Ende reichte Platz vier nicht zum Aufstieg.

„Wenn wir daraus gelernt haben“, sagt Carsten Gockel, „kann es diesmal klappen.“ Er glaubt an die Lernfähigkeit der Spieler und die Künste von Trainer Ralf Loose. Als Indiz dient ihm das 2:0 gegen Osnabrück. „Wir haben nicht gut gespielt. Aber solche Siege brauchst du, um oben zu stehen.“

Pyrotechnik überschattet Euphorie

Der 23. Mai 2015 könnte demnach das historische Datum sein, an dem der SC Preußen Münster in die 2. Bundesliga zurückkehrt. Mit all dem Mythos, der diesen Verein umgibt. Aber auch mit all den Chaoten, die dem Klub durch das Abbrennen von Pyrotechnik saftige (Geld)Strafen bescheren. Gegner beim Saisonfinale ist Borussia Dortmund II im Preußenstadion. Und alles vom Wochenende wird wieder da sein: Die gute Stimmung ebenso wie Rauchschwaden, Wasserwerfer und martialische Polizeihundertschaften.