Bielefeld, MSV, Münster – wer steigt in die Zweite Liga auf?

Kämpfen um den Aufstieg: MSV-Trainer Gino Lettieri (links), Bielefelds Norbert Meier (Mitte) und Preußen-Coach Ralf Loose.
Kämpfen um den Aufstieg: MSV-Trainer Gino Lettieri (links), Bielefelds Norbert Meier (Mitte) und Preußen-Coach Ralf Loose.
Foto: Lars Heidrich (Funke Foto Services), imago
Was wir bereits wissen
Die heiße Phase im Drittliga-Aufstiegskampf beginnt. Welche Vereine haben gute Chancen? Und wer wird es schwer haben? Die Top-Klubs im Teamcheck.

Essen.. Acht Spieltage stehen aus, 24 Punkte sind noch zu vergeben. Beim Blick auf die Tabelle und das Restprogramm wird klar: Das Aufstiegsrennen in der 3. Liga verspricht Spannung – nicht nur aus Sicht der NRW-Vereine.

Vor dem Saisonendspurt nehmen wir die fünf Top-Klubs mit mehr als 50 Punkten unter die Lupe. Wo liegen Stärken, wo Schwächen? Welche Duelle werden möglicherweise entscheidend sein? Wer hat die besten Aussichten, am Ende auf den vorderen Plätzen zu landen?

Unser Teamcheck zum Aufstiegskampf.

Arminia Bielefeld (1. Platz/59 Punkte): Schon so gut wie aufgestiegen? Mögen viele denken, doch Bielefeld stolperte zuletzt auswärts, spielte 1:1 bei Borussia Dortmund II, verlor 0:2 beim VfB Stuttgart II. Zudem hat die Arminia ein anspruchsvolles Restprogramm zu absolvieren. Nicht zu vergessen: Die Westfalen treten noch am 8. April gegen Borussia Mönchengladbach im Viertelfinale des DFB-Pokals an. Ein besonderes Spiel auf der Alm, das aber auch eine Zusatzbelastung bedeuten kann.

Was für die Bielefelder Zweitliga-Rückkehr spricht? Nicht nur der Vorsprung von sieben Punkten auf Rang drei, sondern auch die Qualität des Kaders. Zum Beispiel: Kapitän Fabian Klos, der mit 19 Treffern die Torschützenliste in der 3. Liga anführt. Der Stürmer läuft viele Kilometer, ermöglicht durch seinen Einsatz auch das intensive Pressing, mit dem das Team von Norbert Meier seine Gegner unter Druck setzt.

Nach übereinstimmenden Medienberichten soll der Trainer an OIiver Fink und Andreas Lambertz interessiert sein, deren Verträge bei Fortuna Düsseldorf am Saisonende auslaufen. Meier kennt beide noch aus seiner Zeit bei den Rheinländern, sucht nun offenbar bereits Spieler, die das Mittelfeld in der kommenden Spielzeit entscheidend verstärken können.

Die Bielefelder planen für die 2. Liga, haben sich den Aufstieg zum Ziel gesetzt – und wollen ein Relegationsduell wie im Vorjahr, das als Darmstadt-Drama noch in den Köpfen der Spieler sitzen dürfte, wohl unbedingt vermeiden. Sie haben es selbst in der Hand.

Kaderwert (laut Transfermarkt.de): 7,55 Millionen Euro (1. Platz)
Durchschnittsalter: 27,2 Jahre

Das Bielefelder Restprogramm: Cottbus (H), Dresden (A), Münster (H), Erfurt (A), Kiel (H), Wiesbaden (A), Regensburg (H), Sonnenhof Großaspach (A).

Holstein Kiel auf der Überholspur

Holstein Kiel (2./55): Die Mannschaft der Stunde. Kiel gewann zuletzt sieben Spiele in Folge – eine beeindruckende Serie. Wichtig: Holstein entschied Partien gegen direkte Aufstiegskonkurrenten für sich, siegte in Cottbus (2:0) und Münster (3:1), stoppte zwischenzeitlich auch den Aufwärtstrend von Erfurt (4:1).

Es sei „ein großes Plus“, dass sein Team „momentan viele Dinge sehr konstant“ abrufe, sagte Trainer Karsten Neitzel im Interview mit „11 Freunde“. Vom Aufstieg will er aber (noch) nicht sprechen: Es gebe „keine Alternative zu einer seriösen Vorbereitung auf das nächste Punktspiel“, sagte der 47-Jährige. Ende Januar hatte der Verein seinen Vertrag vorzeitig um zwei Jahre bis 2017 verlängert – ein möglicherweise entscheidendes Signal.

Neben der Punktausbeute sticht Kiel vor allem mit seiner Defensive heraus: Denn während die Aufstiegskonkurrenten alle mindestens 30 Gegentore kassiert haben, sind es bei Holstein nur 19. Maßgeblicher Grund: Kiel attackiert meistens sehr früh, spielt selten auf Konter, lässt wenig Torchancen zu. Eine bislang überaus erfolgreiche Taktik, die dem Team eine Topplatzierung beschert.

In der − damals noch zweigleisigen − 2. Bundesliga spielten die „Störche“ zuletzt 1980/81. 34 Jahre später hat der Klub die große Chance zur Rückkehr. Sollte Kiel der Aufstieg gelingen, wäre es wohl die Überraschung dieser Drittliga-Spielzeit.

Kaderwert: 5,55 Mio. Euro (16.)
Durchschnittsalter: 25,8 Jahre

Das Kieler Restprogramm: Sonnenhof Großaspach (A), Mainz II (H), Halle (A), Chemnitz (H), Bielefeld (A), Fortuna Köln (H), Duisburg (A), Stuttgarter Kickers (H).

MSV Duisburg ist zuhause noch ungeschlagen

MSV Duisburg (3./52): Die Fans waren zwischenzeitlich unzufrieden. Dennoch verlängerte Manager Ivica Grlic in genau dieser Phase den Vertrag mit Trainer Gino Lettieri bis 2016, der zwei weitere Jahre bleiben soll, falls der MSV aufsteigt. Duisburg setzt nach Jahren der ständigen Trainerwechsel offenbar mit ihm auf Kontinuität. Ein deutliches Zeichen.

Für die Zebras gilt: Je früher die Rückkehr in die 2. Liga gelingt, desto besser, denn der finanzielle Rahmen ist eng gesteckt. Nach dem Zweitliga-Lizenzentzug 2013 drohte schon der Kollaps, dennoch bekam der Verein die Drittliga-Lizenz. MSV-Chef Ingo Wald sagte auf der Jahreshauptversammlung im Februar, dass der Klub in der 3. Liga keine Schulden abbauen könne: „Zur Konsolidierung müssen wir aufsteigen.“

Kaderkosten Das ist in dieser Saison möglich, was vor allem an der Heimstärke liegt. Als einzige Drittliga-Mannschaft ist Duisburg im eigenen Stadion in dieser Spielzeit noch ungeschlagen. Der Blick aufs Restprogramm zeigt, dass der MSV auch die Spiele gegen die Konkurrenten aus Münster und Kiel zuhause bestreitet. Für das Team von Trainer Lettieri sicherlich eine aussichtsreiche Perspektive.

Dausch als Mittelfeld-Motor

In der Offensive verfügt der MSV mit Zlatko Janjic (14 Treffer) und Kingsley Onuegbu (9) über zwei Torjäger. Zudem hat Duisburg mit der Winter-Verpflichtung von Martin Dausch (4 Tore), einem lauf- und zweikampfstarken Mittelfeldantreiber, einen Treffer gelandet.

Die Defensive dagegen erwies sich auch durch personelle Umstellungen wiederholt als Schwachstelle. Im Aufstiegsrennen müssen die Zebras nun mehrere Wochen auf Rolf Feltscher verzichten, der sich einen Innenbandriss im linken Knie zugezogen hat. Bleibt abzuwarten, ob der MSV den Ausfall kompensieren kann.

Kaderwert: 6,23 Mio. Euro (7.)
Durchschnittsalter: 26,1 Jahre

Das Duisburger Restprogramm: Rostock (H), Stuttgart II (A), Cottbus (H), Dresden (A), Münster (H), Erfurt (A), Kiel (H), Wiesbaden (A).

Stuttgarter Kickers überzeugen mit Spielstärke

Stuttgarter Kickers (4./52): Eine durchaus spielstarke Mannschaft mit technisch versierten Einzelakteuren. Die Kickers beherrschen vor allem im Mittelfeld ein sicheres Kurzpassspiel über mehrere Stationen. Ein Beispiel: Der 4:2-Heimsieg gegen den MSV am 28. Spieltag, bei dem das Team von Trainer Horst Steffen dem Konkurrenten deutlich überlegen war.

Ambitionen Sportdirektor Michael Zeyer hat eine schlagkräftige Mannschaft zusammengestellt, die den Sprung in die 2. Liga schaffen kann. Nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses rangieren die Stuttgarter hinter dem MSV auf Platz vier. Die Kickers haben dabei 49 Treffer erzielt – mehr hat nur Bielefeld (60) auf dem Konto.

Was auch auf die taktische Ausrichtung zurückzuführen ist. Steffen setzt auf ein 4-3-3-System, bot zuletzt Randy Edwini-Bonsu, Gerrit Müller und Lhadij Badiane in vorderster Reihe auf. Sein Team hat voraussichtlich an den Spieltagen 35 bis 38 schwere Aufgaben zu lösen. Nicht ausgeschlossen, dass es am Ende auch zu einem Showdown in Kiel kommt.

Kaderwert: 5,33 Mio. Euro (17.)
Durchschnittsalter: 25,1 Jahre

Das Stuttgarter Restprogramm: Dortmund II (H), Rostock (A), Stuttgart II (H), Cottbus (A), Dresden (H), Münster (A), Erfurt (H), Kiel (A).

Preußen Münster kämpft gegen Abwärtstrend

Preußen Münster (5./51): Verpasste 2013 den Aufstieg knapp als Vierter, belegte 2014 dann Rang sechs. Ob es diesmal mit dem Sprung in die 2. Liga klappt? Durchaus möglich, wenn der Mannschaft am Ende nicht die Luft ausgeht. Münster hat den ältesten Kader aller drei Profi-Ligen.

In den letzten sechs Spielen holte Preußen nur sechs Punkte, rutschte damit von Rang zwei (24. Spieltag) auf fünf ab. Zuletzt kam die Mannschaft noch zu einem späten 1:1 gegen Mainz II durch einen Elfmeter in der Nachspielzeit. Den verwandelte Stürmer Rogier Krohne, der mit acht Treffern neben Marcel Reichwein (8) und Amaury Bischoff (9) zu den torgefährlichsten Spielern im Team zählt.

Auswärtsspiele in Bielefeld und Duisburg

In der Heimtabelle ist Münster Vierter – im Auswärtstableau Neunter. Das Westfalen-Derby gegen Bielefeld und das Duell mit Duisburg bestreitet das Team von Trainer Ralf Loose in fremden Stadien. Sicherlich keine einfachen Aufgaben.

Das Sanierungsprogramm für das Preußenstadion läuft bis 2020 – dann soll es zweitligatauglich sein. Die Mannschaft wird indes alles daran setzen, dass es mit dem Aufstieg früher klappt. Möglicherweise ja schon in dieser Saison.

Kaderwert: 6 Mio. Euro (9.)
Durchschnittsalter: 27,8 Jahre

Das Münsteraner Restprogramm: Halle (A), Chemnitz (H), Bielefeld (A), Fortuna Köln (H), Duisburg (A), Stuttgarter Kickers (H), Unterhaching (A), Dortmund II (H).