Dritte Liga : Die Dritte Liga - Sportlich attraktiv, wirtschaftlich eine Katastrophe

Essen. Ihre Schauplätze haben hier eine Rasenheizung, dort das Potential zum Torfstechen: die Dritte Liga. Die eingleisige Spielklasse, die jetzt in ihre zweite Saison gestartet ist, taumelt zwischen Amateursport und Profitum. Die Clubs suchen noch immer nach ihrem Profil. Und: nach Sponsoren.
Die eingleisige Dritte Liga ist in ihre zweite Saison gestartet. Zwischen Amateursport und Profitum suchen viele ihrer Clubs noch immer nach ihrem Profil. Vor allem aber nach den Geldgebern - nicht immer mit Erfolg.
„Sportlich ist die Liga hochattraktiv, wirtschaftlich ist sie eine Katastrophe”, meint der Präsident des Wuppertaler SV, Friedhelm Runge. Nicht nur die Spielergehälter fielen ins Gewicht, vor allem die Auflagen des DFB seien teuer: Sicherheitsanforderungen, Infrastruktur, Ausstattung der Stadien (Rasenheizung erwünscht). „Wir tragen damit annähernd die gleichen Kosten, wie die Vereine der Zweiten Liga.”
Profispielklasse
Die Dritte Liga sei eben nicht semi-professionell, sondern eine Profispielklasse, hält der zuständige DFB-Direktor Helmut Sandrock dagegen: „Die Konsequenzen für die Vereine sind eindeutig.” Doch während die Clubs der Zweiten Liga bis zu 7,6 Millionen Euro aus den Fernsehgeldern kassieren, erhalten die Drittligisten 800 000 Euro.
Immerhin: 200 000 Euro mehr, als in der abgelaufenen Spielzeit. Außerdem kämen Zusatzeinnahmen aus Live-Spielen hinzu, ergänzt Sandrock. „Das reicht dennoch nicht aus”, meint Runge, der mit seinem WSV vor wenigen Monaten noch kurz vor dem Rückzug aus der Liga stand. Aus finanziellen Gründen, nicht aus sportlichen. Ein Sitzstreik der Fans beim letzten Auswärtsspiel gegen Erfurt war es, der ihn noch einmal umgestimmt hat, sagt Runge. Während die Konkurrenz – vorneweg der Aufsteiger Holstein Kiel – jetzt mit Etats bis zu neun Millionen Euro in die Saison gestartet sind, reiht sich der WSV mit einem Drei-Millionen-Mini-Etat hinten ein.
Wo bleiben die Sponsoren?
Und hängt erneut von einer entscheidenden Frage ab: Wo bleiben die Sponsoren? In Wuppertal jedenfalls haben diese sich bisher vornehm zurückgehalten. Friedhelm Runge hat bereits angekündigt, notfalls auch über die Stadtgrenze hinaus, nach finanzieller Unterstützung zu suchen. Das Problem: Überregionalen Firmen fehle die bundesweite Präsenz der Dritten Liga, sagt der Professor für Sportökonomie, Frank Daumann von der Schiller-Universität in Jena, wo ebenfalls ein Drittligist ansässig ist. „Die Erste Liga schöpft in diesem Bereich sehr viel ab.”
Für die Akquise möglicher Sponsoren aus der Umgebung seien dagegen regionale Strukturen entscheidend: „Es kommt auf die Mobilisierungsmöglichkeiten an.” Je mehr Zuschauer, desto attraktiver das Sponsoring. Ballungsräume, große Einzugsgebiete hätten es leichter. So weist etwa Holstein Kiel einen Etat von neun Millionen Euro auf, während Kickers Emden trotz Platz sechs in der vergangenen Saison freiwillig die Liga verlassen hat. Der WSV „versucht's jetzt nochmal”, sagt Runge. Trotz Mini-Etat. Und auch, wenn er meint: „Am Ende schießt das Geld die Tore.”
Trübt der finanzielle Rückzug einer Mannschaft, die Schwierigkeiten einiger anderer nun die Bilanz der ersten Dritt-Liga-Spielzeit des DFB? „Wir haben unsere Ziele bei den Zuschauerzahlen sowie im sportlichen Bereich erreicht”, sagt Sandrock, „da war es oben und unten spannend bis zum letzten Spieltag.” Außerdem sei die mediale Aufmerksamkeit zufriedenstellend gewesen. „Deshalb ziehen wir ein absolut positives Fazit. Im übrigen: die Vereine auch.” Die meisten jedenfalls.











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