SC Paderborn ist stolz auf seine Jungs nach dem 4:0-Triumph gegen Bochum

Deniz Yilmaz hat in der 82. Minute das 4:0 für den SC Paderborn erzielt. Die Spieler feiern.
Deniz Yilmaz hat in der 82. Minute das 4:0 für den SC Paderborn erzielt. Die Spieler feiern.
Foto: Hartwig Sellmann/WNM
Schon wieder dreht sich in der 2. Fußball-Bundesliga alles um den SC Paderborn. Pessimistische Prognosen mit Attitüden wie Abstiegskampf nach dem Ausverkauf hat der Vorjahres-Fünfte ganz schnell ins Reich der Fabeln verwiesen. Die neuformierte Mannschaft schreibt nach dem 4:0 (2:0)-Erfolg über den VfL Bochum weiter an der Geschichte eines unglaublichen Fußball-Märchens. Der Verein ist stolz auf seine Jungs.

Paderborn.. Auf das 2:2 bei Hertha BSC Berlin folgte der 4:0-Triumph im Westfalenderby gegen den VfL Bochum. Tore von Mario Vrancic (24./50.), Alban Meha (40.) und Deniz Yilmaz (82.) entzauberten vor 10.763 Zuschauern die enttäuschenden Kicker aus dem Kohlenpott.

Trainer Stephan Schmidt - der Nachfolger von Namensvetter Roger Schmidt (abgewandert zu Red Bull Salzburg) - resümierte nach dem Sieg: „Selbstverständlich war die Torfolge für uns optimal. Wir haben aber eine klare Spiel-Philosophie. Unser Ziel ist es offensiven, kreativen Kombinationsfußball nach vorne zu entwickeln, mit einer gesunden Balance für die Defensive. Das haben wir gegen Bochum in guten Ansätzen gezeigt.“ Was fast noch untertrieben ist.

Mit frühem Pressing setzte der SCP die Gäste massiv unter Druck. Die ballorientierten Flügelwechsel führten zu herrlichen Kombinationen. Das Ergebnis permanenter Torgefahr: Zwei verdiente Treffer vor dem Seitenwechsel durch Neuzugang Vrancic und Mittefeldregisseur Alban Meha. Die Marschroute für den zweiten Durchgang erledigte Paderborns Elf mit der Leichtigkeit eines Teams, das an seine Qualitäten glaubt. „Wir gehen klar aufs 3:0“, habe er in der Kabine gesagt, verriet Trainer Schmidt später.

Vrancic und Yilmaz machen den Sack zu

Der Ex-Dortmunder Vrancic erledigte zunächst die Minimalvorgabe, der frühere Mainzer Yilmaz setzte noch einen Treffer drauf. Der Sack war damit zu. 4:0! VfL-Keeper Andreas Luthe, selbst oft ein Unsicherheitsfaktor in der wackligen VfL-Abwehr, verhinderte beim letzten gefährlichen Torschuss von Meha mit einer Glanzparade das totale Bochumer Debakel. Paderborn, das vergangene Saison schon mit 4:0 im Revier-Stadion gewann, bleibt ein Angstgegner für den VfL.

Beim SCP dreht sich nach neun Ab- und elf Zugängen die Zeit weiter wie geschmiert. Mit vier Punkten aus zwei Spielen ist die neuformierte Truppe optimal in die Zweitliga-Runde gestartet. Nächsten Sonntag (16 Uhr) geht es mit breiter Brust in das ostwestfälische DFB-Pokalderby bei Erzrivale Arminia Bielefeld.

Trainer Schmidt: "Mannschaft hat eine Topmentalität"

„Die Mannschaft hat eine Topmentalität“, erklärt Trainer Stephan Schmidt das Phänomen SC Paderborn. Und der Verein hat mit ihm offensichtlich wieder den richtigen Mann für die Entwicklung feiner Fußballkost mit bescheidenen Finanzmiitteln gefunden. Der erst 35-jährige Coach war 2011 Deutscher A-Junioren-Meister mit dem VfL Wolfsburg. In Paderborn arbeitet er weiter an der Jugendstil-Trilogie.

Das war die Vorgabe bei seiner Verpflichtung. „Jeder Trainer hat natürlich seine eigenen Vorstellungen, aber es muss zu unserer Philosophie passen“, sagt Michael Born, Geschäftsführer Sport. Die intelligente Spielweisewie gegen Bochum praktiziert sei auch das Prinzip des Vereins: "Frühes Pressing, schnelle Kombination, geduldig sein und im richtigen Moment den Spielrhythmus wieder verändern."

Bewerbungsgespräch fand auf Mallorca statt

Aus „tausend Vorschlägen“ bei der Auswahl des Nachfolgers von Roger Schmidt machte sich Born für die Person Stephan Schmidt stark. „Ich habe mich an die Halbfinalspiele der deutschen A-Jugendmeisterschaft erinnert als Wolfsburg ganz tollen Fußball gespielt hat“, kam Born die Idee, auch mal mit dem damaligen VfL-Coach zu reden. Das Bewerbungsgespräch fand auf Mallorca statt, wo Schmidt gerade zufällig im Urlaub weilte. Beide Seiten wurden sich schnell einig.

Stephan Schmidt sprang nach vorherigen Nobodys namens Roger Schmidt und Andre Schubert in letzter Minute auf den Zug als neuer Coach beim SCP und musste mit dem Personal leben, das größtenteils schon zusammengestellt worden war.

Hartwig Sellmann

Manager Born hat ein glückliches Händchen bei den Neuverpflichtungen

„Wir geben bei uns immer wieder Jungs eine Chance, die woanders nicht so im Fokus stehen“, beschreibt Manager Michael Born das Erfolgsrezept beim SCP. „Obwohl wir keine eigene Scouting-Abteilung haben, bemühen wir uns immer wieder viele Spieler zu beobachten. Das machen der Trainerstab und ich“, erläutert Born.

Ein glückliches Händchen haben sie dabei. Als aktuelle Beispiele nennt Born den Doppel-Torschützen Mario Vrancic (22), gekommen aus dem U23-Kader von Borussia Dortmund oder Verteidiger Tobias Feisthammel (24) von Zweitliga-Absteiger Alemannia Aachen. Born: „Beides sind großartige Fußballer.“

Vier Zugänge beim Sieg gegen Bochum auf dem Platz

Kurz vor Saisonbeginn holten die Paderborner noch Philipp Hoffmann (18) aus dem Nachwuchsteam von Schalke 04 und Deniz Yilmaz (23) vom Erstligisten FSV Mainz 05 auf Leihbasis. Vier Zugänge, die gegen Bochum auf dem Platz standen. Ebenso wie die neben Hofmann eingewechselten Talente Manuel Zeitz (21/vorher 1.FC Nürnberg) und Patrik Ziegler (22/vorher SpVgg Unterhaching). Mit Manuel Gulde (21/Hoffenheim), Tobias Kempe (25/Aue), Massimo Ornatelli (Preußen Münster/25), David Poljanec (25/FC Linz) oder Christian Rasche (19/eigene U23) warten weitere Anwärter auf ihre Chance. Namen wie Proschwitz, Alushi, Brandy, Gonther oder Mohr sind mittllerwiele Schall und Rauch. Sie werden mit einem breit aufgestellten Kader kompensiert.

Gerede vom Ausverkauf war von Anfang an "Bödsinn"

Das Gerede vom Ausverkauf war für Manager Michael Born deshalb von Anfang an „Blödsinn“. Sieben Stammspieler, die vergangene Saison mehr als 29 Einsätze verzeichneten, seien schließlich geblieben. Um sie herum baue Paderborn langfristig seine Mannschaft und die Perspektiven aus. Die Aussichten sind mit vier Zählern in zwei Spielen und vorübergehend Rang zwei schon wieder sehr viel versprechend. Am Rad dreht deshalb aber noch niemand. Born: „Wir bleiben hier schön auf dem Boden.“

Hartwig Sellmann

SCP-Stimmen zum Spiel: "Schönes Gefühl" - So macht Fußball großen Spaß"

Deniz Yilmaz (Torschütze): "Vier zu Null gewonnen, drei Punkte im ersten Heimspiel und für einen Tag Spitzenreiter - das ist ein gutes Gefühl. Der Trainer hat uns perfekt auf das Spiel gegen Bochum vorbereitet. Wir wussten genau, wo wir bei denen in die Räume reinlaufen mussten und wir haben versucht, die Bälle flach zu spielen, so wie es der Trainer haben wollte. Beim Umschalten von Abwehr auf Angriff sind wir sehr stark."

Stefan Schmidt (SCP-Trainer): "Die bestmöglichste Leistung am Wochenende abzurufen, das ist mein Ziel mit dieser Mannschaft. Gegen den VfL Bochum haben wir das gut umgesetzt. Wir wollten insbesondere in der ersten Halbzeit durch ein frühes Pressing stören, immer wieder Druck machen, ballorientiert verschieben und Bochum durch die ständigen Pressingaktionen zu langen Bällen zwingen. Diese Taktik ist aufgegangen."

Alban Meha (Mittelfeldspieler): "Wir sind zum Saisonauftakt richtig gut drauf. Es macht großen Spaß, in dieser Truppe zu spielen. Gute Fußballer verstehen sich immer, egal ob sie erst kurz oder schon länger zusammenspielen. Bei meinem Freistoß hatte ich ein gutes Gefühl, also habe ich mir den Ball geschnappt und habe ihn reingemacht."

Thomas Bertels (Verteidiger): "Unser neuer Trainer führt die Philosophie genauso weiter wie der alte Coach. Das ist der Grund für den Erfolg. Er hat gegen Bochum die richtigen Worte gefunden: Wir sollen rausgehen und Spaß haben. Das haben wir getan. Sicher werden in der Saison auch noch Tiefschläge kommen, aber heute haben wir gezeigt, zu was wir alles in der Lage sind. Alles passt wieder. Hier kann richtig etwas wachsen."

Mario Vrancic (Doppel-Torschütze): "Die gesamte Mannschaft hat überragend gespielt. Jeder einzelne Spieler hat sich reingehängt. Wir haben in der Vorbereitung hart gearbeitet, das sieht man jetzt auf dem Platz. Wir wollen in jedem Spiel Vollgas geben und dann schauen wir mal, was am Ende der Saison dabei herauskommt."