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Werder-Manager Klaus Allofs und die Zerrissenheit

11.11.2012 | 17:48 Uhr
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Werder-Manager Klaus Allofs und die Zerrissenheit
Eierte auf Fragen nach seiner beruflichen Zukunft herum: Werder-Geschäfsführer Klaus Allofs. Foto: dapd

Mit seinem offenbar bevorstehenden Wechsel zum VfL Wolfsburg riskiert Klaus Allofs, seinen bisher untadeligen Ruf zu beschädigen, läuft sein Vertrag in Bremen doch noch bis 2015. Der 55-Jährige dürfte in dieser Frage selbst zerrissen sein, zumal sich in Bremen zuletzt die kritischen Stimmen gegen ihn gemehrt hatten. Ein Kommentar

Der Mann ist kaum wiederzuerkennen. Wie kein Zweiter gilt Klaus Allofs in einer Branche, die nicht gerade arm an Blendern ist, als ehrliche Haut. Und nun, hier auf Schalke, wo niemand seine Meinung zum Spiel hören will, fühlt er sich in eben dieser sichtlich unwohl. Keine Spur mehr von jener Souveränität und Gelassenheit, die den Geschäftsführer von Werder Bremen immer auszeichnete. Bekannt für klare, in der Regel überzeugende Stellungnahmen, eiert er, genervt von den Fragen nach seiner beruflichen Zukunft, diesmal nur hilflos herum.

Warum ein Verhalten, das wir ja – auch und gerade in der Politik – zur Genüge kennen, in diesem Fall die meisten Beobachter betroffen macht, liegt auf der Hand. Beschleicht diese doch die Ahnung, dass nun auch ein Leuchtturm der Redlichkeit und Seriosität endgültig angekommen ist in einem skrupellosen Geschäft, in dem ein Vertrag (der von Allofs läuft bis 2015!), geschweige denn ein Wort, nichts mehr zählt, wenn die Verlockung nur groß genug ist.

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Zu unterstellen, Klaus Allofs würde mit einem Wechsel nach Wolfsburg seine eigenen Ideale verraten, wäre jedoch zu einfach und billig. Wer könnte nicht verstehen, welchen Reiz es auf einen Macher ausübt, der über Jahre notgedrungen in einem engen finanziellen Rahmen arbeitete, einmal auszuprobieren, was er unter wesentlich komfortableren Bedingungen zu leisten imstande ist? Dieser Versuchung zu widerstehen, würde ihm zwangsläufig leichter fallen, ahnte Allofs nicht, dass ihm nach dem Verlust der erstaunlichen, über Jahre gehaltenen Position als zweiter Kraft hinter Bayern München selbst im eigenen Verein nicht mehr jeder (Ex-Manager und Aufsichtsratschef Willi Lemke) über den Weg traut.

Das Wolfsburger Werben dürfte schmeicheln

Seit die ersten Gerüchte aus Wolfsburg laut wurden, ist nicht von ungefähr aus der Hansestadt zu hören, in einem Allofs-Weggang nach 13 Jahren läge auch die Chance eines Neuanfangs für Werder. Eine Einschätzung, die jemanden, der in den vergangenen Jahren vermutlich das eine oder andere lukrativere Angebot ausgeschlagen hat, weh tun muss. Auf der anderen Seite schmeichelt ihm natürlich das Wolfsburger Werben. Zumal, weil es mit der Intention einher gehen dürfte, dem in der Szene ungeliebten, mit VW-Millionen gepushten Werksklub nach der Ära Magath ein menschlicheres Antlitz zu verleihen.

In Gelsenkirchen ist dem gebürtigen Düsseldorfer die innere Zerrissenheit deutlich anzusehen. Als Fußball-Romantiker würde Klaus Allofs gewiss lieber in einer anderen Fußballwelt agieren, in der traditionelle Werte noch die Hauptrolle spielen. Aber es gibt nun einmal nur diese eine.

Reinhard Schüssler

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