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Julian Nagelsmann springt auf Hoffenheims heißen Stuhl

11.02.2016 | 17:47 Uhr
Julian Nagelsmann springt auf Hoffenheims heißen Stuhl
Hoffenheims neuer Trainer Julian NagelsmannFoto: Simon Hofmann / Getty Images

Zuzenhausen.  Der 28-jährige Julian Nagelsmann übernimmt das Traineramt beim Bundesligisten 1899 Hoffenheim. Seine Inthronisierung ist Chance und Risiko zugleich.

Anfang Januar bekam Julian Nagelsmann einen kleinen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Monaten auf ihn zukommen würde. Beim Daimler-Junior Cup konnte er als U-19-Trainer der TSG Hoffenheim beim Junioren-Turnier keinen Schritt machen, ohne von Fotografen und Kamerateams verfolgt zu werden. Auch die Zuschauer im Sindelfinger Glaspalast waren im Bilde, der Hallensprecher hatte ihn als künftigen Hoffenheimer Profitrainer und jüngsten Bundesliga-Trainer angepriesen als sei ein Außerirdischer gelandet.

Stevens
Stevens spricht nach Hoffenheim-Rücktritt von Karriereende
Stevens spricht nach Hoffenheim-Rücktritt von Karriereende

Huub Stevens hat sein Traineramt bei 1899 Hoffenheim wegen "Herzrhythmusstörungen" niedergelegt. Das bestätigte der Niederländer am Mittwoch während einer sehr emotionalen Pressekonferenz des Fußball-Bundesligisten. Es sei möglich, dass er sich in "kürzerer Zukunft" sogar einer Operation unterziehen müsse, sagte Stevens. Seine Trainerkarriere muss Stevens wohl beenden. "Ich denke schon", sagte Stevens dazu.

Hoffenheims Sportdirektor Rosen findet Stevens' Gründe "nachvollziehbar"

Der 62-Jährige erklärte, in der brisanten Situation des Tabellen-17. verdiene der Club "einen Trainer, der 120 Prozent" bringen kann, um den Verein vor dem Abstieg zu retten. Dazu sei er derzeit aber nicht in der Lage. Sportdirektor Alexander Rosen sagt, die Gründe für den Rücktritt von Stevens seien "absolut nachvollziehbar".

Der FC Schalke 04 wünschte seinem Jahrhunderttrainer via Twitter gute Besserung. Vor seinem Amtsantritt saß Stevens neben Ebbe Sand und Mike Büskens im "Sportbeirat" der Königsblauen. Gut möglich, dass er nach einer Pause in dieses Amt zurückkehrt.

Dass dann alles viel schneller gehen würde, konnte Nagelsmann damals noch nicht wissen. Eigentlich sollte er den Profi-Kader der TSG ab kommenden Sommer übernehmen. Das hatte Hoffenheim bekannt gegeben als Huub Stevens im Oktober 2015 seinen Job als Zwischendurch-Retter antrat. Nach dem Rücktritt von Huub Stevens, der wegen Herz-Rhythmus-Störungen sein Amt am Mittwoch zur Verfügung stellte, musste alles noch viel schneller gehen. Gestern teilte die TSG Hoffenheim mit, Nagelsmann ist ab sofort für die Profis zuständig, sitzt am Samstag in Bremen bereits auf der Bank. Am Donnerstag-Nachmittag leitete der 28-Jährige sein erstes Training und trat einen Vertrag bis 2019 an.

TSG-Klubeigner Dietmar Hopp hält große Stücke auf Nagelsmann

Die Diskussion um sein Alter wird ihm zu dem Zeitpunkt egal gewesen sein, obwohl selbst internationale TV-Stationen und renommierte Zeitungen rund um den Globus vom jungen „Wundertrainer“ berichteten. Der Hype wird sich sehr wahrscheinlich wiederholen, wenn Nagelsmann beim wichtigen Abstiegs-Duell in Bremen auf der TSG Bank sitzt. Wenn es um den Titel „jüngster Bundesliga-Trainer aller Zeiten“ geht, ist im Fall Nagelsmann der Zusatz „hauptamtlicher“ nötig, denn 1976 saß der 24 Jahre alte Bernd Stöber für ein Spiel als „Chef“ des 1. FC Saarbrücken (gegen den 1. FC Köln) auf einer Bundesliga-Trainerbank.

Von Nagelsmann wir weit mehr erwartet und seine vorgezogene Inthronisierung ist Chance und Risiko zugleich. Der Nachwuchscoach, auf den TSG-Klubeigner Dietmar Hopp, große Stücke hält, soll nicht nur den Neuaufbau der ersten Mannschaft bewerkstelligen, er muss nun nach Stevens-Rücktritt auch in den letzten 14 Bundesligaspielen das „Wunder“ Klassenerhalt zumindest versuchen. Mancher fürchtet deshalb, der Newcomer können den „Zauber des Anfangs“ schon bald aufgebraucht haben.

Davor haben Nagelsmann und die Hoffenheimer offenbar weniger Angst, zumindest wenn man offiziellen Statements glauben darf. „Davor ist mir nicht bange. Ich freue mich darauf mit der Mannschaft zu arbeiten durch meine Arbeit noch einmal neue Reize setzen zu können“, so das übermittelte Nagelsmann-Zitat. Man habe Vor- und Nachteile gewissenhaft abgewogen, sagt der Verein. Nagelsmann gilt als Coach der neuesten Generation mit einem Hang zu Disziplin.

Trainer
Huub Stevens tritt als Trainer von 1899 Hoffenheim zurück
Huub Stevens tritt als Trainer von 1899 Hoffenheim zurück

Huub Stevens (62) tritt aus gesundheitlichen Gründen als Trainer des Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim zurück. Das bestätigte der Verein. Die akut abstiegsgefährdeten Kraichgauer belegen in der Tabelle nach 20 Spieltagen mit nur 14 Punkten den enttäuschenden 17. Rang.

Stevens trat erst Ende Oktober die Nachfolge von Markus Gisdol an

Stevens hatte Ende Oktober die Nachfolge des entlassenen Markus Gisdol angetreten. In zehn Partien unter der Regie des Niederländers, der ohnehin nur bis zum Ende der Saison als Feuerwehrmann arbeiten wollte, verbuchten die Hoffenheimer lediglich einen Sieg und nur acht Zähler. Hoffenheim hat bereits fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz (Werder Bremen), der Abstand zum rettenden Ufer beträgt sieben Zähler.

Den jüngsten Tiefpunkt hatte die TSG erst am Sonntag erlebt, als das Heimspiel gegen den Aufsteiger und direkten Konkurrenten Darmstadt 98 mit 0:2 verloren wurde. Ein Wechsel auf der Trainerbank hatte sich danach zunächst nicht angedeutet. "Es ist keine Alternative, den Laden zuzumachen. Und ein Trainerwechsel ist auch keine Alternative", hatte Sportchef Alexander Rosen nach dem sportlichen Offenbarungseid gesagt. Nun sollen Stevens' Assistenten Alfred Schreuder und Armin Reutershahn die Mannschaft bis zum Saisonende betreuen. Sie sollen den ersten Bundesliga-Abstieg der Hoffenheimer verhindern. Im Punktspiel am Samstag in Bremen (15.30 Uhr, live in unserem Ticker) könnte bereits eine Vorentscheidung im Abstiegskampf fallen.

Ab der kommenden Saison übernimmt Julian Nagelsmann. Der künftige Coach hat einen Vertrag bis 2019 unterschrieben und würde im Fall des Klassenerhalts in der kommenden Spielzeit mit 28 Jahren der jüngste Trainer der Bundesliga sein. (sid)

Dass das neue Gesicht auf der Trainerbank einer orientierungslosen Mannschaft neue Impulse geben kann, darauf hoffen sie nun in Hoffenheim. Mit Erfolgserlebnissen kennt sich der Motoradfan Nagelsmann zwar aus. Aber der deutsche Meistertitel 2014 sowie die Vizemeisterschaft 2015 mit der A-Jugend lassen sich kaum mit seiner neuen Herkules-Aufgabe vergleichen. Zudem muss der in Landsberg am Lech geborene Nagelsmann noch seine Ausbildung zum Fußball-Lehrer abschließen. Seine Karriere als Spieler musste er mit 20 wegen einer Verletzung aufgeben. Die Prüfungen erstrecken sich bis Anfang März. Sowohl DFB als auch DFL aber gaben für die mutige Lösung schon grünes Licht. „Julian Nagelsmann ist die optimale Besetzung in dieser prekären Situation“, sagte TSG-Manager Alexander Rosen.

Das klingt zunächst wie ein unerschütterlicher Vertrauensbeweis für den Mann, der 2013 ein Jahr lang als Co-Trainer mit Frank Kramer, Marco Kurz und Markus Gisdol gleich drei Hoffenheim Cheftrainern als Assistent zur Seite stand. Nun muss er selbst auf den heißen Stuhl. Was an Vertrauen und Zuversicht am Ende der laufenden Saison übrig bleibt, bleibt abzuwarten. Wie es sich anfühlt auf Schritt und Tritt unter besonderer Beobachtung zu stehen aber kennt Julian Nagelsmann ja schon seit dem Hallenturnier im Januar.

Oliver Trust

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Julian Nagelsmann springt auf Hoffenheims heißen Stuhl
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2016-02-11 17:47
Sport,Fußball,Bundesliga,1899 Hoffenheim,Julian Nagelsmann
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