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Hamburger Aufsichtsratschef Rieckhoff tritt zurück

21.05.2012 | 16:59 Uhr
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Hamburger Aufsichtsratschef Rieckhoff tritt zurück
Trat am Montag mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Aufsichtsratschef des Hamburger SV zurück: Ernst-Otto Rieckhoff.Foto: AP

Hamburg.  Krisenstimmung beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV: Der Aufsichtsratsvorsitzende Ernst-Otto Rieckhoff ist am Montag mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurückgetreten. Wer seine Nachfolge antreten wird, ist bislang unklar.

Der sportlichen Krise folgt die Führungskrise. Beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV ist der Aufsichtsratsvorsitzende Ernst-Otto Rieckhoff am Montag mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurückgetreten. Der 60-Jährige reagierte damit auf die Außerordentliche Mitgliederversammlung vom Sonntag, wo die Mitglieder einem von ihm unterstützten Antrag auf Verkleinerung des Aufsichtsrates von derzeit zwölf auf sieben Mitglieder nicht folgten. Rieckhoff erklärte gleichzeitig, bei der kommenden Aufsichtsratswahl im nächsten Januar nicht wieder zu kandidieren.

Rieckhoff begründete auf der HSV-Internetseite seinen Schritt: "Ich habe mich in der Mitgliederversammlung am 20. Mai voller Überzeugung für eine Verkleinerung des Aufsichtsrats eingesetzt. Da dieser Antrag zwar eine Mehrheit, nicht aber die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit erzielte, habe ich mich dazu entschlossen, im Januar nächsten Jahres nicht mehr für ein Mandat im Aufsichtsrat zu kandidieren."

Hamburger Aufsichtsrat spaltet sich in zwei Lager

Wer sein Nachfolger an der Spitze des Gremiums wird, wurde am Montag noch nicht bekannt. Seine Stellvertreter sind der Journalist Manfred Ertel und der Unternehmer Alexander Otto. Beide werden unterschiedlichen Lagern zugerechnet. Rieckhoffs Schritt ist letztlich eine Konsequenz aus der inneren Zerrissenheit des Traditionsklubs, bei dem sich "Realos" und "Fundis" gegenüberstehen.

Während die einen die Bundesliga als hartes Wirtschafts-Unternehmen verstehen, legen die anderen großen Wert auf Mitsprache der Fans und Mitglieder auch bei grundsätzlichen wirtschaftlichen Entscheidungen. Der HSV ist einer der wenigen Bundesligisten , dessen Profiabteilung nicht aus dem Verein ausgegliedert ist.

Viele Interna des HSV-Aufsichtsrates gelangten zuletzt an die Öffentlichkeit

Vertreter der "fundamentalen" Fangruppierung hatten bei der Aufsichtsratswahl im Januar 2011 vier Vertreter in das Gremium gebracht. Damit leiteten sie indirekt bereits den Abschied des ehemalige Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann ein, für dessen Vertragsverlängerung die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit nicht mehr gegeben war.

Rieckhoff hatte bei seiner Rede am Sonntag erklärt: "Der ganze Aufsichtsrat muss komplett aus der Öffentlichkeit heraus. In anderen Vereinen wissen die Fans gar nicht, wer da was im Aufsichtsrat macht, bei unserem Aufsichtsrat wissen sie alles." Aus dem HSV-Aufsichtsrat drangen in der Vergangenheit immer wieder Indiskretionen nach draußen, außerdem hat das Gremium unter anderem bei der lange Zeit erfolglosen Suche nach einem Nachfolger für Sportchef Dietmar Beiersdorfer seine Handlungsunfähigkeit bewiesen.

Rieckhoffs Rücktritt war eine logische Konsequenz

Rieckhoff forderte deshalb: "Der HSV muss seine nähere Vergangenheit korrigieren, gerade nach dem Verlauf der letzten Saison und der für mich unrühmlichen Vereinspolitik der letzten drei Jahre." Sein intern mit den Vertretern der "Fundis" offenbar nicht abgesprochener Vorstoß scheiterte jedoch, der Rücktritt war deshalb konsequent.

Der amtierende Aufsichtsrat unter Rieckhoff hatte fünf Tage vor der Mitgliederversammlung am Sonntag die Verträge von Vorstandschef Carl Jarchow und Marketingleiter Joachim Hilke bis zum 15. Mai 2015 verlängert. Am Montag erklärte Rieckhoff nun jedoch: "Da derzeit die Weichen für das neue Geschäftsjahr gestellt werden, halte ich es für richtig, hieran nicht mehr an vorderster Front mitzuwirken."

dapd

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