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Fortuna Düsseldorf - Ein Aufstiegsdrama in neun Akten

27.12.2012 | 19:00 Uhr
Fortuna Düsseldorf - Ein Aufstiegsdrama in neun Akten
Das war (fast) der schönste Jubel der Saison. Maximilian Beister trifft zum 1:0 über Hertha in der Arena.Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.  Hinspiel 2:1, Rückspiel 2:2, dann der Platzsturm: Im Fußballjahr 2012 sollte die Fortunen und ihre Anhänger das Aufstiegsdrama gegen Hertha BSC Berlin lockere vier Monate beschäftigen. Im Juli hieß der Gegner dann Samuel Eto'o.

Fortunas verrücktestes Fußballjahr fand mit den Qualifikationsspielen zur Bundesliga gegen Hertha BSC seinen Höhepunkt. Dass dieser sich über vier Monate erstrecken sollte, konnte Mitte Mai niemand ahnen.

Mai bis September

Das Drama bis zur Bundesliga erstreckte sich über unfassbare neun Akte. Nummer Eins war der ungeplante Platzsturm der Fans im letzten Zweitliga-Kick gegen den MSV Duisburg, der Tabellenplatz drei rettete. Mit dem 2:2 gab’s Berliner Nachschlag. Den Münchener, verlangt von 1860-Serbe Rakic für ein Umsiedeln an den Rhein, spuckte Sportvorstand Werner umgehend wieder aus. Was erlauben . . .

Zweiter Akt: In Berlin drehten Abwanderer Bröker und ein von Ramos abgefälschter Ilsø-Freistoß den Hertha-Treffer von Hubnik zum 2:1. 68 041 Fans sahen das erste von zwei Relegationsspielen am Limit.

Dritter Akt: Die Toten Hosen stimmten die Fortunen am Abend vor dem Rückspiel im Arena-Hotel ein. „Tage wie diese“ gab es mit Gitarrenbegleitung. „Das Stück ist eigentlich kein Fußball-Lied. Und wäre auch fast in der Mülltonne gelandet“, erklärte Gitarrist Michael „Breiti“ Breitkopf hinterher zu.

Vierter Akt: Das dramatische 2:2 mit Führungstreffern der Fortuna-Abwanderer Beister und Jovanovic versank im Arena-Chaos. Er zündelten Herthaner, dann Düsseldorfer Pyrotechnik, kurz vor Ende der siebenminüten Nachspielzeit fluteten Fortuna-Fans voreilig den Rasen. Referee Wolfgang Stark ließ nach 28-minütiger Unterbrechung genau 93 Sekunden nachspielen. Ohne Elfmeterpunkt im Fortuna-Strafraum. Den hatte sich ein Zuschauer aus dem Rasen gegraben.

Dann war das gefühlt irreguläre Ende gekommen. Oder doch nicht? Herthas Lell spuckte Lukimya an, im Kabinengang wurde Referee Stark von Kobiashvili geschlagen . Fortuna-Kapitän Lambertz machte auf dem Rasen mit einem „Bengalo“ den Lampenmann. Um Mitternacht kündigte Hertha-Anwalt Schickhardt via Sky-TV den Einspruch der Gäste gegen die Spielwertung an. Die Fortunen feierten nur eine Nacht den Aufstieg.

Fünfter Akt: Das DFB-Sportgericht traf sich drei Tage später, schmetterte den Hertha-Einwurf ab. Grund: Das Match wurde den Regeln entsprechend zuende gebracht. Die Berliner legten Wiederspruch ein. Beide Teams trainierten weiter. Vorsichtshalber.

Sechster Akt: Eine Woche später tagte das Bundesgericht. Selbst Hertha-Trainer Otto Rehhagel sagt aus. Vergleicht die Szenerie in der Arena mit einem Bombenangriff auf seine Heimatstadt Essen im 2. Weltkrieg. Das Urteil des Sportgerichts bleibt bestehen, während Abwehrrecke Lukimya seinen Abschied nach Bremen perfekt macht, Bröker zu Zweitligist 1. FC Köln wechselt.

Siebter Akt: Während die Herthaner bis zum 19. Juni über den Gang zum DFB-Schiedsgericht nachdachten, teilte der Kontrollausschuss seine Strafen an die Beteiligten mit. Fortuna bekommt eine Heimspielsperre und eine Geldstrafe in Höhe von 100 000 Euro, vier Herthaner werden gesperrt. Kobiashvili für ein Jahr . Fortuna legt Protest ein und sorgt für den . . .

Achter und neunter Akt: Mitte August revidiert der Kontrollausschuss das Urteil auf zwei halbe Geisterspielen gegen Mönchengladbach und Freiburg. Folgefrage: Wer muss draußen bleiben? Die logistische Herausforderung, unter 31 000 Dauerkartenbesitzer zweimal nur 25 000 Tickets zu vergeben, zieht Ärger nach sich. Erst mit dem 0:0 gegen Freiburg am 22. September, mehr als vier Monate nach dem Hertha-Rückspiel, ist die vergangene Saison 2011/12 ad acta gelegt.

Der Monat Juli

Es ging mt Fortuna bunt weiter. Beim 6:0 im ersten Testspiel in Rhede rockte der Oberbürgermeister Lothar Mittag persönlich auf der Bühne. Der Grüne-Politiker ist Frontmann einer lokalen Band.

Im Österreich-Trainingslager in Maria Alm hieß der Gegner Samuel Eto’o. Doch dem Kameruner Superstar, der beim russischen Neureichklub Anzhi Makhachkala lockere 350 000 Euro pro Woche einstreichen soll, war es in Leogang zu nass. Die Partie fiel flach. Fortuna rutschte indes auf dem Saalfeldener Kunstrasen gegen Regionalligist VfL Wolfsburg II aus. Mit Trainer Lorenz-Günther Köstner, der später in der Saison noch unerwartet in der Arena gastieren wird.

Dann brachen auch noch die Araber ins Mannschaftshotel ein. Weil Mazin Alhuthayfi mittrainiert. Dessen Anwesenheit war dem Express diese Schlagzeile wert: „Steigen die Saudis bei Fortuna ein?“ Die Rede war davon an keiner Stelle. Ein TV-Team des katarischen Senders Al-Arabi legte Fortuna aufs Kreuz, machte ungefragt abends im Regen ein Balkon-Interview. Und filmte auch noch im Zimmer des Arabers, für normal sterbliche Journalisten eine „No-go-Area“. Der vorbildlich feiste Filmauftrag blieb übrigens erstaunlicherweise ungestraft.

Michael Ryberg



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