Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Bundesliga

40 Jahre Trikotwerbung - mit dem Likör-Hirsch fing alles

24.03.2013 | 09:25 Uhr
40 Jahre Trikotwerbung - mit dem Likör-Hirsch fing alles
Mit dem Hirsch auf der Brust posierte die Mannschaft von Eintracht Braunschweig im eigenen Stadion.Foto: imago

Essen/Braunschweig.  Vom Likör-Hirsch zum Millionengeschäft. Seit 40 Jahren wird in der Bundesliga auf dem Trikot geworben. Der Gegenwert für die Investitionen ist allerdings umstritten. Beim Geschäft mit der Trikotwerbung geht es um das große Geld: In der Bundesliga nehmen die 18 Vereine in der laufenden Saison rund 140 Millionen Euro ein.

Der 24. März 1973 war ein ungewöhnlicher Arbeitstag für Schiedsrichter Franz Mengenmeyer aus München. Das wichtigste Werkzeug an diesem Samstagnachmittag war für den Unparteiischen nicht seine Pfeife, sondern ein Zollstock. Schließlich musste Mengenmeyer einen Hirsch ausmessen - den auf der Brust von Eintracht Braunschweig.

So zumindest ist die Legende um das erste Trikotsponsoring der Fußball-Bundesliga überliefert. Die Geschichte hinter der Legende reicht noch ein paar Monate zurück: Der damalige Erstligist Braunschweig, sechs Jahre zuvor vierter Meister der Bundesliga-Historie, geriet Anfang der 70er Jahre in finanzielle Probleme. In dieser Phase traf Eintracht-Präsident Ernst Fricke, ein findiger Unternehmer und Politiker, auf Günter Mast, den damaligen Chef des Kräuterlikör-Herstellers Jägermeister.

Was sich Fricke und Mast überlegten, bestimmt den Profifußball bis heute: Für 500.000 Mark durfte Jägermeister sein Hirschlogo anstelle des traditionellen Braunschweiger Löwen aufs Eintracht-Trikot flocken. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) war wenig begeistert, aber machtlos. Einzige Einschränkung: Höher als 14 Zentimeter durfte das Wappentier nicht sein.

Die Braunschweiger Idee machte Schule. Der Hamburger SV (Campari), Eintracht Frankfurt (Remington), der MSV Duisburg (Brian Scott) und Fortuna Düsseldorf (Allkauf) zogen nach.

140 Millionen Euro durch Trikotwerbung

40 Jahre später ist das Geschäft mit der Trikotwerbung eins mit dem ganz großen Geld, in der Bundesliga nehmen die 18 Vereine in der laufenden Saison rund 140 Millionen Euro ein. Ob die Sponsoren für dieses Geld auch einen entsprechenden Gegenwert bekommen, ist allerdings umstritten. In einer von Sportökonom Christoph Breuer an der Sporthochschule Köln durchgeführten Studie zeigte sich, dass Fernsehzuschauer bei einer Übertragung nur etwa drei Prozent der Zeit auf die eingebundene Werbung auf Trikots oder Banden schauen.

Fußball
Trikotsponsoren in der Bundesliga zahlen 142 Millionen Euro

Bis zu 142 Millionen Euro nehmen die 18 Vereine der Fußball-Bundesliga alleine durch Trikotwerbung ein. Vor dem Saisonstart stehen allerdings Werder Bremen und der 1. FC Nürnberg noch ohne Sponsor da. Bayern führt die Tabelle an.

Auch bei der Erinnerung an die Sponsoren gibt es große Unterschiede: Im Gedächtnis bleiben vor allem die großen Unternehmen wie Volkswagen oder die Deutsche Telekom. Die kleineren, vergleichsweise unbekannten Firmen werden eher unterbewusst wahrgenommen. Die Mehrheit der Sportschau-Zuschauer kann den Trikotsponsor von Augsburg oder Nürnberg wohl nicht nennen.

Die Sponsoren selbst lässt die geringe Aufmerksamkeit bei Sport-Übertragungen eher kalt. Die Deutsche Telekom, für jährlich 20 Millionen Euro auf der Brust von Rekordmeister Bayern München verewigt, hat andere Erfahrungen gemacht. Die Trikotwerbung habe einen messbaren werblichen Gegenwert, der weit über dem Investment liegt, sagt Sprecher Rene Bresgen.

"Steigerung der Bekanntheit"

 Trotz der neuen Ergebnisse gilt so auch weiterhin, dass ein Trikot-Sponsoring in der Bundesliga für unbekanntere Unternehmen eine Chance ist: „Für Firmen, die eine Steigerung der Bekanntheit haben wollen, sind ein oder zwei Jahre Trikotwerbung in der Bundesliga ein gutes Mittel“, sagt Andre Bühler vom Deutschen Institut für Sportmarketing.

BVB
Sexy Werbung fürs BVB-Trikot ärgert Schalke und Bayern

Die sexy Bilder, mit denen Roman Weidenfellers Freundin Lisa Rossenbach für das neue Trikot des BVB wirbt, sorgen für großes Aufsehen. Die attraktive Blondine preist das neue Jersey mit frechen Seitenhieben in Richtung Schalke 04 und Bayern München an.

Bestes Beispiel dafür sei die Targobank, deren Logo von Sommer 2010 bis 2012 auf der Brust von Werder Bremen zu sehen war. Die Bekanntheit des Kreditunternehmens stieg in diesem Zeitraum unter anderem wegen dieser Maßnahme laut Angaben der Bank von 40 auf 78 Prozent an.

Auch o.tel.o, seit Anfang der laufenden Saison Trikotsponsor von Aufsteiger Fortuna Düsseldorf, hat nach eigenen Angaben gute Erfahrungen bei der Bekanntheits-Steigerung gemacht, die Vodafone-Marke wird das Sponsoring fortsetzen. Immerhin muss sie in der 50. Bundesliga-Saison auch nicht mehr befürchten, dass der Schiedsrichter vor dem Spiel den Zollstock zückt. (sid)



Kommentare
24.03.2013
12:56
40 Jahre Trikotwerbung - mit dem Likör-Hirsch fing alles
von bleve | #1

Nen Typo in der Überschrift ist schon irgendwie peinlich...

Aus dem Ressort
Showdown zwischen Barça-Liebhabern Favre und Guardioala
Fußball
Sie gelten als die absoluten Vorzeigetrainer in Deutschland und haben mit ihrem Wirken die Fußball-Bundesliga enorm bereichert. Ihre Idee vom modernen Spiel ist in vielen Bereichen ähnlich, sie verlangen von ihren Spielern vor allem Flexibilität und Intelligenz.
Joker Podolski schießt Arsenal zum Sieg - Real souverän
Champions League
Das Duell zwischen dem FC Liverpool und Real Madrid war von Beginn an eine einseitige Angelegenheit. Weltmeister Toni Kroos war an einem Tor beteiligt. Sein DFB-Kollege Lukas Podolski schoss den FC Arsenal zu einem Last-Minute-Sieg. Piräus überraschte Juventus Turin.
BVB kann noch gewinnen - Klarer 4:0-Sieg gegen Galatasaray
Champions League
Mit einer Traum-Bilanz in der Champions League trotzt Borussia Dortmund der Bundesliga-Krise. Beim 4:0 (3:0) gegen Galatasaray Istanbul gelang dem BVB der dritte Sieg in Serie und ein großer Schritt in Richtung Achtelfinale.
Auch der Papst ist vom FC Bayern begeistert
Papstbesuch
Franziskus sieht „ein wunderschönes Spiel“ der Münchener bei AS Rom und freut sich über ein großzügiges Geschenk bei der Privataudienz. Aus den Einnahmen eines Freundschaftsspiels kann er bis zu einer Million Euro für karitative Zwecke verwenden.
DFL soll in Bremen für Polizei bei Risikospielen zahlen
Fußball-Bundesliga
Die erste Rechnung kommt möglicherweise noch in diesem Jahr: Künftig will Bremen als erstes Bundesland die Deutsche Fußball Liga an den Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen beteiligen. Muss Werder Bremen letztlich dafür aufkommen?
Umfrage
Dortmund in der Krise - Kann der BVB seine Saisonziele noch erreichen?

Dortmund in der Krise - Kann der BVB seine Saisonziele noch erreichen?

 
Fotos und Videos